Ein Altar für Wusterwitz

SPENDE: Stimming-Aufruf bringt 13 000 Euro

WUSTERWITZ - Es sei ein toller Termin in einer besonderen Feldsteinkirche, in die wieder ein Altar gehöre. Im Beisein von Brandenburgs Kulturministerin Sabine Kunst und Landeskonservator Detlef Karg übergab IHK-Präsident Victor Stimming, der selbst Wusterwitzer ist, gestern einen symbolischen Scheck über 13 000 Euro an die evangelische Kirchengemeinde. Das Geld ist für die Restaurierung des mittelalterlichen Altars bestimmt, den Wusterwitz als Dauerleihgabe des Kunstmuseums Kloster Unser Lieben Frauen in Magdeburg erhält. Der Vertrag ist seit Frühjahr unterzeichnet.

Die Ministerin dankte Stimming für sein besonderes bürgerschaftliches Engagement. Anlässlich seines 60. Geburtstages im Februar hatte er auf Blumen und Präsente verzichtet und eine Spendenaktion für den Altar angeregt. "Mit so viel habe ich gar nicht gerechnet", sagte er gestern, der sich über die Resonanz aus der Wirtschaft freue.

Zuvor hatten Pfarrer Siegfried Lück und Architektin Heidrun Fleege an die kulturhistorische Bedeutung der vor fast 850 Jahren errichteten Wusterwitzer Kirche und ihre umfangreiche Sanierung erinnert, bei der das Landesdenkmalamt große Unterstützung gab. Mit Hilfe mehrerer Fördermittelgeber, Stiftungen, Privatspenden, kirchlicher und kommunaler Gelder flossen bis zum Ortsjubiläum 2009 mehr als 415 000 Euro in das Bauwerk. "Dies war das Wusterwitzer Wunder", so Fleege. Was noch fehlt, ist Farbe in der Apsis. "Im Frühjahr nächsten Jahres wird der Altar hier stehen und die Apsis gestaltet sein." Der Wusterwitzer Altar ist seit Menschengedenken verschwunden. Auch in der Chronik steht nichts über seinen Verbleib. Über die Odyssee der Dauerleihgabe ist ebenfalls wenig bekannt. Laut Fleege entstand dieser Schnitzaltar um 1490 und schmückte wahrscheinlich einst die benachbarte Gollwitzer Kirche, bevor sich diese einen barocken leistete. Später weilte der Altar im Heimatmuseum Genthin, dann im Kreismuseum Burg bevor er Mitte der 70er- Jahre nach Magdeburg kam, wo er als Fundus im zu trockenen Keller stand. Neben Holzschäden ist die Farbe abgeblättert. Inzwischen befindet sich der Altar, der vermutlich Anfang des 20. Jahrhunderts übermalt wurde, in der Werkstatt des Berliner Restaurators Dirk Jacob. Er wurde zunächst mit Notsicherung und Untersuchungen beauftragt. Mit dem Geld jetzt kann der 1,20 Meter hohe und mit ausgeklappten Flügeln 2,20 Meter breite Altar, in dessen Mitte sich die von acht Heiligen umgebene Jungfrau Maria mit Kind befindet, komplett aufgearbeitet werden. (Von Claudia Nack)

Märkische Allgemeine vom 27. Oktober 2011

   Zur Artikelübersicht