Taufe sofort nach Kirchweihe

BAUGESCHICHTE: Gotteshaus in Reppinichen war einst aus Trümmern neu auferstanden

REPPINICHEN - Irgendwann, im Verlauf des 14. bis 15. Jahrhunderts, schichteten geschickte Baumeister in Reppinichen gespaltene Feldsteine zu einer Kirche auf. Doch schon 1487 lag dieses Gotteshaus in Trümmern und die 1419 erstmal schriftlich erwähnte Dorfstelle wüst.

In der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde das Dorf neu besiedelt und die Kirche wieder aufgebaut. Im Dreißigjährigen Krieg abermals stark zerstört, ließ Gutsherr Benno Friedrich Brandt von Lindau den sakralen Bau 1703 wieder herrichten. In den kommenden zwei Jahrhunderten folgten mehrere Ausbesserungen, bis im Jahr 1903 eine umfangreiche Sanierung unumgänglich wurde.

Am 29. November 1903 wurde das Gotteshaus neu geweiht. Den vollständigen Ausbau und die Ausschmückung der Kirche hatte die Gemeinde ihrer Patronatsherrin, Konstanze von Bülow geborene von Goldacker auf Mahlsdorf, zu verdanken.

Sämtliche Maurerarbeiten ließ die herrschaftliche Dame durch den Maurermeister Gommert aus Görzke ausführen. Über die neue innere Ausstattung berichtet das Zauch-Belziger Kreisblatt damals: "Die Decke wird gebildet durch ein hohes Tonnengewölbe, das prächtig ausgemalt ist. Der Altar ist mit prächtigen Stickerei-Bekleidungen geschmückt, die im Oberlinhause zu Nowawes (Anm.: heute Potsdam-Babelsberg) angefertigt sind. Das Kruzifix, kunstvoll aus Holz geschnitzt, ist in Tirol gefertigt. Die Kanzel liegt über dem Altar. Links davon befindet sich der Patronatssitz, der in Birnbaumholz geschnitzt das Wappen der Familie von Goldacker zeigt. Rechts steht der Pastorensitz, zu beiden Seiten des Mittelgangs stehen die aus festem Holzwerk hergestellten Kirchenstühle. Die Orgel, versehen mit reich gemaltem Prospekt, steht auf dem Chor, woselbst Raum für viele Personen ist. Die Malerei ist im Renaissancestil gehalten und künstlerisch ausgeführt vom Kunstmaler Kutschmann aus Köpenick. Die frischen Farben, die der Künstler gewählt hat, wirken in dem kleinen Kirchlein belebend. Uns scheint, als habe Herr Kutschmann mit der Durchführung des Renaissancestils hier etwas hervorragendes geschaffen. Das durchweg sauber und schön gearbeitete Holzwerk ist aus der altbekannten Möbelfabrik von A. Türklitz in Brandenburg hervorgegangen. Die kunstvoll ausgeführten Schnitzarbeiten erregten die Bewunderung der Festteilnehmer."

Die neue Orgel wurde aus Stadtilm in Thüringen geliefert, gebaut vom Hof-Orgelbauer Eifert. Sein Werk wurde besonders gelobt, da das Instrument allen Anforderungen "an die modernste Orgelbaukunst" entsprach. Die gemalten Wappenfenster kamen aus der Kunstwerkstatt von Karl Busch in Berlin. Die heiligen Geräte, "Prachtwerke der Goldschmiedekunst", wurden in der Fabrik des Königlichen Hoflieferanten Aßmann in Lüdenscheid gefertigt.

Die Reppinicher Frauen zollten natürlich den im Oberlinhaus hergestellten Stickereien der Altarbekleidung höchste Bewunderung. Sie konnten eine rote Bekleidung für die festliche Zeit des Kirchenjahres und eine schwarze, für die Passionszeit, die Buß- und Trauertage, bestaunen.

An jenem ersten Adventssonntag hatten sich die Gemeinde und der Kreisbaudirektor Schierer aus Brandenburg, der den Bau entworfen und geleitet hatte, zur Einweihung der Kirche vor derselben vollständig versammelt.

In der Schule kamen der Generalsuperintendent der Kurmark Köhler, Konsistorialrat Schulz aus Berlin als Vertreter des Königlichen Konsistoriums, Gräfin von Fürstenstein auf Wiesenburg als Vertreterin der Stifterin (sie war durch Krankheit verhindert), Landrat von Tschirschky, Superintendent Meyer aus Belzig, die Geistlichen aus Wiesenburg, Reetz, Görzke, Buckau, Borne, Oberförster Lösch aus Altehölle, der die Oberaufsicht über die Bauarbeiten führte, und andere Persönlichkeiten, die der Herrschaft Mahlsdorf und der Gemeinde Reppinichen nahe stehen, zusammen. Punkt 11 Uhr verlieh hier der Generalsuperintendent den Kirchenältesten Gottfried Otto und Christian Kaiser sowie dem früheren Gemeindevorsteher Sinast das Allgemeine Ehrenzeichen.

Eine halbe Stunde später begaben sich die Herrschaften in feierlichem Zug und unter dem Geläut der Glocken zum Gotteshaus. Die Geistlichen trugen die von der Patronin gestifteten heiligen Geräte als Kelch, Abendmahlskanne, Leuchter und Taufbecken. Angekommen überreichte Kreisbauinspektor Schierer den Kirchenschlüssel an den Generalsuperintendenten. Dieser übergab denselben mit den Worten: "Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe!", an den Reetzer Pastor. Letzterer öffnete, als Christlicher der Gemeinde, die schwere Kirchentür, dass die Erschienenen eintreten und ihre Plätze einnehmen konnten.

Darauf erklang erstmals die neue Orgel, meisterhaft vom Organisten Posselt aus Belzig gespielt. Während der Generalsuperintendent die Weihrede und das Gebet hielt, sprach Superintendent Meyer aus Belzig die Liturgie. Der Gesangsverein Reppinichen, unter Leitung des Dirigenten Sinast, verschönte die Zeremonie. Die Festpredigt las Pastor Hülsen aus Reetz. Nach beendigtem Gottesdienst erfolgte durch den Generalsuperintendent Köhler bereits die erste Taufe in der neuen Kirche für die Tochter des Einwohners Götze. (Von Bärbel Kraemer)

Märkische Allgemeine vom 29. Oktober 2011

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