Der Taufengel kehrt zurück

WIEDERERÖFFNUNG: Erster Gottesdienst in der sanierten Etziner Kirche am Montag / Pfarrer Klaus Brosig geht in den Ruhestand

ETZIN - Die Etziner Kirche erstrahlt von außen in neuem Glanz. Seit Mai dieses Jahres wurden das Dach saniert, das Gemäuer neu verputzt und gestrichen. Pfarrer Klaus Brosig freut sich, dass nach der Restaurierung am Reformationstag um 14 Uhr wieder ein Gottesdienst abgehalten werden kann.

23 Jahre wirkte Klaus Brosig in dem kleinen Dorf. Am Montag wird ihn Superintendent Thomas Tutzschke in den Ruhestand verabschieden und Pastorin Angela Johannes als Nachfolgerin vorstellen.

Zufrieden betrachtet Pfarrer Brosig die schmucke Kirche, an der seit 66 Jahren am Giebel etwas typisches fehlt: Der Turm. Der wurde am 3. Mai 1945 bei Gefechten zwischen der Wehrmacht und der Roten Armee von der Artillerie auf dem Tremmener Thyrowberg zerstört. "Mangels Geld konnten wir den Turm nicht wieder aufbauen lassen", erzählt der Pfarrer, bevor er die Kirchentür aufschließt.

Ein eher schlicht gestalteter und schmuckloser Innenraum kommt zum Vorschein. Bis zum Reformationstag werde sich das ändern, versichert Brosig. Der Taufengel wird dann wieder von der Decke schweben. Den hatte die damalige Pfarrerin 1979 auf dem Dachboden des Pfarrhauses gefunden, wo er wohl 200 Jahre verborgen lag. "Man hatte ihn, dem damaligen Zeitgeist folgend, irgendwann abgenommen", sagt Brosig. Zeugnisse über den Engel existieren jedenfalls nicht.

Ab dem Reformationsgottesdienst ist in der Kirche auch wieder die Ahnenreihe der Pfarrer zu sehen. Darunter das Gemälde mit dem wohl berühmtesten Bürger Etzins Johann Peter Süßmilch. Er war hier Pfarrer von 1741 bis 1742 und später der Wegbereiter der Statistik und Demographie in Deutschland.

Gern erzählt Klaus Brosig auch die Geschichte des Feldpredigers Joachim Friedrich Seegebarth, der im ersten Schlesischen Krieg am 17. Mai 1742 eine besondere Rolle spielte. Den Aufzeichnungen zufolge, drohte sich nach einem unerwarteten Angriff der Österreicher der linke Flügel des preußischen Heeres aufzulösen. Seegebarth: "Ich war so dreist, dass ich mich zum General und Obristen machte, sie bei der Hand fasste, und im Namen Gottes und des Königs bat, ihre Leute wieder zu sammeln . . ." So gelang es tatsächlich, die Schlacht siegreich zu beenden. Als Belohnung erhielt der Feldprediger im August 1742 vom König die Pfarrei in Etzin.

Klaus Brosig meint, dass das Porträt von Joachim Friedrich Seegebarth das schönste in der Galerie ist. Theodor Fontane hat es während seines Aufenthaltes in Etzin ausführlich beschrieben und die Schnitzerei über dem Gemälde in seinen Tagebuchaufzeichnungen skizziert. (Von Wolfgang Balzer)

Märkische Allgemeine vom 29. Oktober 2011

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