Rettungsanker für Gotteshaus

RELIGION: Kirche in Reppinichen nach Sanierung eingeweiht / Gläubige sammelten Geld für Arbeiten

REPPINICHEN - Zwei Jahre lang mussten die Christen aus Reppinichen zu den Gottesdiensten im Gemeindehaus des 300-Seelendorfes zusammen kommen. An diesem Montag nun konnten die Gläubigen die lang ersehnte Wiedereinweihung der Kirche und das Gedenken an den Reformationstag feiern. Generalsuperintendentin Heilgard Asmus hielt die Festpredigt und erinnerte an die von Martin Luther am 31. Oktober 1617 an die Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagenen Thesen, mit denen die Reformation eingeläutet wurde.

André Degenhardt, der als leitender Architekt die Baumaßnahmen begleitete, lobte das Engagement der Kirchengemeinde, die die Sanierung des Gotteshauses aus eigener Kraft bewerkstelligte. "Das ist nicht selbstverständlich", so der Fachmann. Die erforderlichen 54 000 Euro wurden allein von der 80 Seelen zählenden Kirchengemeinde aufgebracht, die damit quasi einen "Rettungsanker" für das Gotteshaus in der Dorfmitte auswarf.

Wasser hatte das altehrwürdige Gebäude stark in Mitleidenschaft und dem Mauerwerk bereits großen Schaden zugefügt. Das konnte geschehen, weil sich im Verlauf der Jahrhunderte die Geländeverhältnisse um die Kirche herum verändert hatten. Verschlimmert wurde die Situation, nachdem ein zu DDR-Zeiten eingebrachter Betonfußboden eintretendes Wasser nicht mehr versickern ließ. Um Abhilfe zu schaffen, wurde der Fußboden teilweise geöffnet. "So konnten Lüftungsstreifen aus Eichenholz eingelegt werden", erklärt der Architekt. Doch damit allein konnte die Kirche nicht gerettet werden.

Und so mussten, um das neuerliche Eindringen von Feuchtigkeit zu verhindern, Fundamente freigelegt und Dichtungen angebracht werden. Schadhafter Putz wurde entfernt und vorerst durch einen "Opferputz" ersetzt. Erst in drei bis fünf Jahren, solange dauert es, bis die Feuchtigkeit des Mauerwerks abgetrocknet ist, kann die Maßnahme abgeschlossen und ein endgültiger Kalkputz aufgetragen werden.

Während dieser Zeit werden auch die bedenklichen Risse in den Wänden beobachtet. Sollten sie sich verbreitern, muss abermals gehandelt werden.

Bei der Wiedereinweihung ihres Gotteshauses taten es die Reppinicher ihren Vorfahren gleich. Sie kamen, wie im Jahr 1903, als umfangreiche Baumaßnahmen notwendig geworden waren, vor der Kirche zusammen, wo die Glocken den Festgottesdienst einläuteten. Und genau wie damals, zog die Gemeinde beim Klang der Orgel in ihr Gotteshaus ein. (Von Bärbel Kraemer)

Märkische Allgemeine vom 02. November 2011

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