Streit um Wildenauer Kirchturm

WILDENAU Vier Jahre nach seiner Rekonstruktion soll der Wildenauer Fachwerk-Kirchturm an zwei Seiten mit Brettern verkleidet werden. Durch die Fugen zwischen Putz und Holz dringt Feuchtigkeit ein. Die Wildenauer aber wollen keinen verbretterten Kirchturm.

 
Geht es nach den Experten, erhält der Fachwerkturm in Wildenau an zwei Seiten bald einen Holz-Mantel.
Foto: Rudow

Seit Wochen wird in Wildenau gestritten. Es geht um den Kirchturm, der an der West- und an der Nordseite verkleidet werden soll. Die vielen und starken Niederschläge der vergangenen Jahre und Monate lassen Feuchtigkeit durch die Fugen dringen. Eine Verbretterung ist die einzige Möglichkeit, das Fachwerk zu schützen, meinen die Experten.

Viele Wildenauer wollen sich aber an ihrem Fachwerkturm erfreuen und nicht an einer Holzverbretterung. Sie vermuten sogar, dass bei der Rekonstruktion Fehler gemacht wurden, die jetzt niemand zugeben will. "Das Fachwerk hat so lange gehalten und jetzt, drei, vier Jahre nach der Rekonstruktion nicht mehr. Da ist doch was faul an der Sache", sagt Ortsvorsteher Herbert Radke. Man solle die Bäume an der Kirche verschneiden und mehr Putz auf das Fachwerk bringen, aber es nicht verbrettern, sagt er. "Die Wildenauer haben sieben Jahre lang an der Kirche mitgearbeitet und Hunderte Stunden geleistet. Sie wollen keinen Streit, aber sie sind sauer", so der Ortsvorsteher.

Der um 1300 errichtete Feldsteinquaderbau wurde zwischen 2000 und 2007 saniert, auch der Fachwerkturm. "Wir waren stolz, die Instandsetzung des Fachwerkes geschafft zu haben, aber ich hatte gehofft, dass wir es besser hinbekommen", sagt Frank Stiehler vom kirchlichen Bauamt Beyern. Stiehler erklärt, dass der Fugenbereich nicht dicht zu bekommen ist. Extremwetterlagen wie Schlagregen, die in den letzten Jahren vermehrt aufgetreten sind, würden dafür sorgen, dass immer wieder Wasser eindringen kann. Probleme gebe es vor allem an der West- und an der Nordseite. "Es gibt kein Mittel, das Fachwerk komplett abdichtet. Wir haben mehrere Gutachten eingeholt. Sie empfehlen, den Turm mit Holz zu verkleiden. Das ist das einzig Vernünftige, die Instandsetzungsintervalle für den Turm zu verlängern,", sagt Stiehler. Die Denkmalschützer haben auch die Fachwerk-Expertin Heike Pfaff von der BASF Wall Systems GmbH hinzugezogen. "Fachwerk ist keine schlagregendichte Konstruktion. Eigentlich ist Brandenburg nur eine Schlagregenbelastungszone 1 und nicht 3, wie zum Beispiel Thüringen. Aber die Wetterkapriolen der vergangenen Jahre machen auch hier die Situation kritisch. So etwas kann man schlecht vorhersehen", sagt sie. Ähnlich sieht es der zuständige Architekt Erwin Karl. "Fachwerk bedarf ständiger Pflege. Wir können die äußeren Bedingungen nicht ändern," sagt er.

Frank Stiehler würde die beiden Turmseiten am liebsten sofort verbrettern, um den Winter als Austrocknungszeit zu nutzen. Aber das scheitert derzeit am Widerstand in der Gemeinde. Stiehler, Heike Pfaff und auch Erwin Karl zeigen sich befremdet über die emotional sehr aufgeladene Atmosphäre zum Beispiel bei einer öffentlichen Versammlung der Kirchengemeinde Wildenau zur Information über die Schutzmaßnahmen für den Kirchturm. Auch Pfarrer Christian Jänicke bezeichnet die Situation als schwierig. "Der Gemeindekirchenrat des Kirchspiels befindet sich noch in der Diskussion. Auf der einen Seite haben wir die Meinung der Experten, auf der anderen Seite die Ansicht der Wildenauer. Die Kirchengemeinde ist bemüht, dem auf den Grund zu gehen. Das Problem ist, dass viele, die sich damals für die Kirchensanierung engagiert haben, nicht mehr da sind", sagt der Pfarrer. In diesem Monat will der Gemeindekirchenrat noch einmal zusammenkommen und zu dem Problem beraten.

Von Birgit Rudow

Lausitzer Rundschau vom 03. November 2011

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