Rettung eines Kleinods

SANIERUNG: Garreyer wollen ihre Feldsteinkirche in neuem Glanz erstrahlen lassen

GARREY - Im Herzen Garreys eingebettet auf dem Dorfanger steht die Feldsteinkirche. Sie prägt das Ortsbild und liegt den Bewohnern am Herzen. Doch der Zahn der Zeit nagt an dem schlichten, spätmittelalterlichen Bauwerk.

In den letzten Jahren ist die Kirche nur noch beschränkt nutzbar gewesen, da das Gebäude schwere Schäden aufweist: Der Westgiebel wölbt sich nach außen und droht einzustürzen, die Deckenbalken sind vermodert, das Dach ist teilweise undicht, das Tragesystem der Glocke muss erneuert werden.

"Die Garreyer beginnen zu begreifen, welchen einmaligen, kulturellen Schatz sie in ihrer Mitte haben", sagt Wolfgang Lubitzsch. Er leitet den "Freundeskreis der Kirche Garrey", der am 31. Oktober gegründet wurde und in dem sich Garreyer Bürger engagieren, unter ihnen die Orts-Chronistin Rosemarie Bergholz und Silvia Wieland vom Gemeindekirchenrat.

Die Sanierung der Kirche ist Teil des gesamten Projektes "Garrey unser Dorf hat Zukunft", das eine achtköpfige Projektgruppe zusammen mit dem Gemeindekirchenrat initiiert hat. Das Land Brandenburg führt diesen Wettbewerb regelmäßig durch, um die Menschen in den Dörfern zu motivieren, ihre Zukunftsperspektiven zu bestimmen und aktiv an der Verbesserung der Lebensqualität in den ländlichen Räumen mitzuwirken.

"Für uns steht die Kirche im Zentrum", sagt Andreas Grünthal, Ortsvorsteher von Garrey. In ihr sollen Konzerte, Gesprächskreise und wie bisher Orgelkurse stattfinden. "Sie soll ein Ort sein, wo sich alle Dorfbewohner treffen", erläutert Lubitzsch.

Seit Jahrhunderten ist die Feldsteinkirche wichtiger Bestandteil des dörflichen Lebens in Garrey und den Gemeindeteilen Zixdorf und Wüstemark. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert und enthält wertvolle Ausstattungsgegenstände wie der Bronzeglocke von 1681, der Kanzel von zirka 1600 oder der Orgel von 1883. "In der DDR wurde die Kirche sträflich vernachlässigt", berichtet Grünthal. So wurde 1960 das schadhafte Fachwerk des Turmes nur notdürftig mit Wellpappe verkleidet. Einzig für den Innenraum war die Nichtbeachtung vorteilhaft. "Hier sind einige Schätze", sagt Grünthal. Die Wandbemalung ist noch im Originalzustand, zuletzt wurden die Ornamente um 1900 neu ausgemalt. Einige alte Mosaikfenstern überlebten ebenso wie die Empore mit ihrer ungewöhnlichen Konstruktion sie hängt an den Dachbalken.

Doch der Zustand der Kirche ist kritisch. Sollte die Westwand nachgeben, wäre das Gebäude wohl nicht mehr zu retten. "Die Sanierung duldet keinen Aufschub", sagt der Ortsvorsteher. Doch noch steht sie am Anfang. Anfragen an Architekten und Restauratoren zur Erstellung von Gutachten über den Zustand der Kirche laufen derzeit. Ein Finanzplan muss erstellt werden. "Ohne Fördermittel wird die Sanierung nicht zu realisieren sein", weiß Lubitzsch. Der Freundeskreis hofft auf Gelder von der Landeskirche und dem Land Brandenburg. Darüberhinaus sammeln die Mitglieder Spenden. (Von Aglaja Adam)

Märkische Allgemeine vom 10. November 2011

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