Kleinode im Kerzenschein

DENKMAL: Kirche Kleinow geizt nicht mit Finessen/ Turm und Fundament marode

KLEINOW - Ganze elf Kirchen fallen in die Zuständigkeit von Pfarrer Matthias Frenzel. Jede von ihnen birgt etwas Besonderes. Das trifft nicht nur auf die Gebäude und ihr Inventar zu. Die Mentalität der Kirchgänger unterscheidet sich ebenso deutlich von einander. "Die Kleinower legen Wert darauf, dass ich von der Kanzel predige. In einer anderen Kirche würde das gar nicht gut ankommen", erzählt der Pfarrer.

Die Vorliebe der Kleinower für dieses Ritual lässt sich beim Blick auf das mit Säulen und barocken Schnitzereien verzierte Pult, das sich gleich hinter dem Altar erhebt, gut nachvollziehen. Eine von dieser exponierten Stelle verkündete Predigt wirkt einfach festlicher als die Ansprache auf Augenhöhe. Zieht man zudem in Betracht, dass es keinen Strom gibt und die Kirche während der Andacht allein von Kerzen beleuchtet wird, so betont dies die sakrale Wirkung des Raums.

Als Kuriosum können mit Fug und Recht die Wandmalereien bezeichnet werden, die bei früheren Restaurierungsarbeiten zutagetraten. Ein in rötlichem Braun gehaltenes Bild zeigt ein bemanntes Segelschiff. Der Anker hängt an der Bordwand herab. Darüber hinaus zieren rosettenartige Muster die Wände. Welche Bedeutung insbesondere das maritime Bild hat, da Kleinow doch weder am Meer noch an einem See oder Fluss liegt, ist laut Pfarrer Frenzel indes nicht überliefert.

Ein weiteres Kleinod der Kirche ist derzeit "verreist". Der aus Holz geschnitzte, bunt bemalte Taufengel wird derzeit in Rheinsberg restauriert. Die Figur hing bis dato schwebend von der Decke. Die Arme ausgestreckt, hält der Engel einen Kranz. Mit einem Gegengewicht bestückt, kann man ihn auch während der Taufe herablassen.

Während für die Restaurierung der Figur schon Spenden zusammenkamen, liegt beim Kirchgebäude noch so einiges im Argen. So weist der mit Backsteinmustern versehene Fachwerkturm etliche Schäden auf. Marode Balken müssen ersetzt und auch einzelne Gefache erneuert werden. Das dafür benötigte Holz liegt schon zugeschnitten parat. "Wir haben es sichergestellt, als eine Eiche im Ort gefällt werden musste", erzählt Pfarrer Frenzel. Außer dem Baumaterial habe die Kleinower Kirchgemeinde aber keine weiteren Ressourcen. Ihr gehörten weder Land, noch Wald noch Immobilien, woraus sich wenigsten eine Pacht erwirtschaften ließe.

Nicht minder sanierungsbedürftig ist das Fundament auf der Nordseite der Kirche. Obgleich es aus riesigen Feldsteinen gegründet ist und deshalb eigentlich sehr stabil sein müsste, durchziehen das Gemäuer tiefe Risse bis hinauf zur Dachtraufe. Pfarrer Frenzel vermutet, dass sich das Erdreich aus irgendeinem Grund abgesenkt hat. Er hält es aber auch für denkbar, dass eine dicht an der Außenmauer stehende Linde die Schäden mit ihren weit raumgreifenden Wurzeln verursacht hat. Nicht zuletzt gibt es auf der Ostseite des Gebäudes ein Sims, das nicht abgedichtet ist und somit Feuchtigkeit in den Chorraum eindringen lässt. Die Sanierung von Turm und Mauerwerk würde nach Pfarrer Frenzels Schätzung 100 000 Euro kosten. (Von Dorothea von Dahlen)

Märkische Allgemeine vom 15. November 2011

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