Nachtführung zum Fresken-Schatz von Hohenbocka

HOHENBOCKA Die kunsthistorisch wertvollen und für die Lausitz einmaligen mittelalterlichen Fresken, die sich hinter dem Putz im Inneren der Hohenbockaer Kirche verbergen, sind unter UV-Licht bei einer Nachtführung erstmals sichtbar gemacht worden. Die dargestellte Heilige Maria Magdalena hat der Dorfkirche jetzt zum neuen Namen verholfen.

 
 
Pfarrer Gerd Simmank führt die Besucher auf der Empore ganz dicht heran an die Fresken.
Foto: Rasche/str1

Das Kommando zum Aufsetzen der UV-Brillen kommt von Pfarrer Gerd Simmank. Mit dem Gestell auf der Nase tauchen die Besucher der ersten Nachtführung ein in die Welt der mittelalterlichen Fresken. Vom ultravioletten Licht angestrahlt, werden plötzlich Farben und Konturen sichtbar, die vorher nicht zu erkennen waren. Die Gesichter bekommen Tiefe, Kupferanteile werden deutlicher sichtbar. Was zuvor bei Tageslicht grau wirkte, sieht jetzt braun aus. Das Erlebnis ist ergreifend, die Besucher sind vom Anblick überwältigt. Pfarrer Simmank zeigt auf ein Heiligengesicht, dass er so an der Südseite mit den aufgemalten zehn Geboten noch nie entdeckt hat.

Der Kirchenschatz von Hohenbocka stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1470. In der Barockzeit mehrmals überputzt und überstrichen, schlummerte der Schatz über mehrere Jahrhunderte im Verborgenen. Zufällig sind die Fresken dann bei Malerarbeiten 1958 wiederentdeckt worden. Malermeister Oder aus dem Nachbarort Hosena sollte damals die Wände frisch kalken. "Beim Abwaschen kam plötzlich so buntes Zeug zum Vorschein", erinnert sich Ralf Oder (76). Er stand mit seinem Vater Alfred auf dem Gerüst, als die Ornamente auftauchten.

Ein Teil der kostbaren Wandmalereien ist damals freigelegt worden. Unter den weißen Wänden der Kirche sollen aber noch weitaus mehr versteckt sein. Da ist sich Pfarrer Gerd Simmank mit Denkmalexperten einig. "Wir wissen nicht, was genau drunter steckt", hütet der Pfarrer seinen Schatz, den er bei Nachtführungen jetzt regelmäßig zugänglich machen will. Die Bilderreihen, auch Register genannt, zeigen an der Nordseite die Geschichte Jesu und an der Südseite die zehn Gebote. Zu sehen ist dort auch Magdalena, die Jesus salbt und mit ihrem Haar trocknet. Das besterhaltene Bild zeigt oben auf der Empore Maria mit dem Jususkind. "Es hat im Dreißigjährigen Krieg die Kirche vor dem Niederbrennen gerettet", erzählt der Pfarrer aus der Geschichte.

Die Restaurierung der Nagel-Orgel aus dem Jahr 1825 ist die nächste große Herausforderung für die kleine Kirchengemeinde. "Wir warten sehnsüchtig darauf, dass wir das Geld für die Sanierung aufbringen können", so die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Petra Mulka. Das alte Instrument eignet sich besonders für Bach-Interpretationen. Spätestens in zwei bis drei Jahren soll die Orgel wieder erklingen.

Zum Thema:

Erstmals erwähnt worden ist die Kirche zu Hohenbocka im Jahr 1408. Bei der Innensanierung im vergangenen Jahr hat die Kirche ihr ursprüngliches Aussehen aus dem Jahr 1870/71 zurückerhalten. Dazu gehören die typischen blauen Fensterfaschen sowie die hellbraune Eichenimitation an den Flächen der Emporen und Decken.Die Innensanierung ist ohne Fördermittel aus dem Topf der Kirchengemeinde und mit Spendengeldern bezahlt worden.

Von Andrea Budich

Lausitzer Rundschau vom 15. November 2011

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