Ruhlander Glocken rosten

RUHLAND Von den drei Glocken der Ruhlander Stadtkirche ist nur noch eine zu hören. Die beiden Glocken aus Eisenhartguss sind verstummt. Sicherheitsgründe haben zu dieser Entscheidung geführt.

 
Dr. Reimar Danneberg, Mitgliled des Gemeindekirchenrats der evangelischen Kirche Ruhland, überprüft die Sicherheit des Geläuts der Stadtkirche.
Foto: Heinz Hirschfeld/hir1

"Es mehren sich die Anfragen aus der Bevölkerung, warum in Ruhland in der Stadtkirche nur noch mit einer Glocke geläutet wird", sagt Dr. Reimar Danneberg, Mitglied des Gemeindekirchenrates der evangelischen Kirche in Ruhland. Es ist nun schon Jahre her, als vom Turm der Stadtkirche noch ein Dreiergeläut erklang. Über viele Jahrzehnte haben sich die Menschen daran gewöhnt, sich danach Tages- und Arbeitsablauf eingerichtet. Und außerdem gehörte das schöne Geläut einfach zum Stadtbild Ruhlands. Jetzt herrscht Ruhe bis auf den Stundenschlag und das Läuten einer Glocke.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde für die im Krieg beschlagnahmten Glocken ein Dreiergeläut aus Bronze angeschafft. Das tat seinen Dienst bis zur erneuten Beschlagnahme im Zweiten Weltkrieg, als die zwei großen Glocken wieder zu Rüstungszwecken abgegeben werden mussten. Als Ersatz für die zwei fehlenden Glocken wurden im Jahr 1951 zwei Glocken aus dem damals preiswerten, aber begrenzt haltbaren Werkstoff Eisenhartguss angeschafft. Die große Glocke wiegt 1550 Kilogramm und die kleinere 900 Kilogramm.

Das Material der Glocken und seine porige Innenstruktur begünstigen ein unaufhaltsames Rosten. Das führt zu Materialspannungen. Diese Glocken können nicht geschweißt, geschweige denn restauriert werden.

Wegen der aufgetretenen Probleme bei den Glocken wurde ein Gutachten des Glockensachverständigen der evangelischen Landeskirche eingeholt. Es ergab, dass außerdem die Aufhängung der Glocken an Materialermüdungserscheinungen leidet.

Dabei wurde bestätigt, dass das aus Sicherheitsgründen eingestellte Läuten des Dreiergeläuts richtig war und es wurden Auflagen erteilt. Es wird nur noch eine Glocke geläutet. Das bedeutet, das nach und nach zwei neue Bronzeglocken angeschafft werden müssen. Hinzu kommt eine wesentliche Neuerstellung der Aufhängung.

Zurzeit beschäftigt sich der Gemeindekirchenrat mit der Prüfung von Angeboten und den Varianten, wie die Läutetechnik wieder hergestellt werden könnte. Zur Finanzierung wird auch ein Spendenaufruf an die Bevölkerung der Stadt ins Auge gefasst, erklärt Pfarrerin Christine Dufft.

Von Heinz Hirschfeld

Lausitzer Rundschau vom 15. November 2011

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