Mit Engelsgeduld

HISTORIE: Denkmalpflege und Kirche wollen mit Hilfe wertvolle Figuren retten

SEGELETZ/KÖTZLIN - Sie sind die wiederentdeckten Kunstschätze in märkischen Kirchen Taufengel. Ihr Zustand ist allerdings zum großen Teil sehr schlecht. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum und die evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz wollen etwas dagegen tun. Sie haben die Aktion "Menschen retten Engel" ins Leben gerufen.

Konkret geht es um sechs brandenburgische Taufengel, die der baldigen Hilfe bedürfen. Unter dem Stichwort "Taufengel" kann jeder in einen Restaurierungsfonds einzahlen. Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg stellt auch gern den Kontakt zu einer der sechs betroffenen Kirchengemeinden her.

Zum Sextett, das dringend der Restaurierung bedarf, gehören auch zwei Taufengel aus Kirchen des Altkreises Kyritz, nämlich Segeletz und Kötzlin. In Segeletz existiert ein Engel aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts, geschnitzt aus Lindenholz von einem unbekannten Künstler. Die ursprünglich mittelalterliche Feldsteinkirche in Segeletz erfuhr um 1830 eine umfassende Erneuerung in neugotischen Formen. Vermutlich wurde in diesem Zusammenhang der barocke Taufengel entfernt und seitdem eingelagert. In der langen Zeit der ungünstigen Unterbringung erlitt er Schäden durch Holzschädlingsbefall, Verschmutzung und den Verlust der gesamten Farbfassung. Beide Arme und die reich geschnitzte Taufschüssel wie auch sein freundlich lächelndes Gesicht hat er aber nicht verloren. Die Kirchengemeinde freut sich auf die geplante Restaurierung und die anschließende Wiederaufhängung des Engels in dem sonst eher schmucklosen Kirchenraum.

Ähnlich verhält es sich in Kötzlin. Auch der Engel hier stammt aus dem 18. Jahrhundert. Die Holzsubstanz ist durch Anobienbefall stark beschädigt. Verloren gingen Flügel und Taufschalenträger, Teile der Arme, Beine, Füße und Hände sowie die originale Fassung. Die Oberfläche ist verschmutzt. Nach Auffinden des stark beschädigten, fragmentarischen Taufengels auf dem Dachboden der Dorfkirche wurde die Figur seit 1981 im Heimatmuseum Wusterhausen aufbewahrt.

Trotz des sehr schlechten Erhaltungszustandes bemüht sich die Kötzliner Kirchengemeinde um die Rückführung ihres Taufengels. Dazu bedarf es umfangreicher Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten. Feuchtigkeit, Schimmel- und Holzschädlingsbefall haben zu massiven Schäden geführt, die den weiteren Bestand der Figur gefährden.

Kontakte und weitere Informationen zu der Aktion beim Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e. V.

030/4493051, Internetadresse: www.altekitrchen.de, E-mail: altekirchen@aol.com. (Von Wolfgang Hörmann)

Märkische Allgemeine vom 29. November 2011

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