Papenias königliche Schwestern

KIRCHE: Nach der Sanierung soll St. Marien zu Bad Belzig das erste Orgelmuseum des Landes Brandenburg beherbergen

BAD BELZIG - Ab 2014 soll die Kur- und Kreisstadt um eine Touristenattraktion reicher sein. Die dann sanierte St.-Marien-Kirche wird zugleich das erste Orgelmuseum des Landes Brandenburg beherbergen.

"Von außen suggeriert die Kirche Pracht und Größe, aber innen ist sie kahl und ziemlich leer", beschreibt Kantor Winfried Kuntz einen der Gründe, der ohnehin berühmten Papenia einige ihrer königlichen Schwestern an die Seite zu stellen. Die Idee ist bereits soweit gediehen, dass sich die Tage eine Abordnung von Denkmalschützern im Gotteshaus einfinden wird, um ihr Votum abzugeben.

Die Idee hinter dem Museum zielt auf eine breitere Öffnung des sakralen Baus über kirchliche Zwecke hinaus. St. Marien könnte künftig nicht nur Kirche, sondern neben dem Museum auch Konzertsaal und Kongresszentrum sein. "Vieles ist denkbar, von Sitzungen des Kreistages Potsdam-Mittelmark bis zu größeren Fachtagungen", sagt der Kantor und weiß dabei den Großteil der Gemeinde mit Pfarrer Claas Hennigsen hinter sich (die MAZ berichtete). "Entsprechend wird zum Beispiel schon eine flexible Bestuhlung geplant, die Holzbänke werden sicher nicht in die Kirche zurückfinden."

Auch die Landeskirche, der Landkreis und der Landeskirchenmusikdirektor sind zumindest von der Idee des Brandenburgischen Orgelmuseums in Bad Belzig angetan. Fünf Orgeln hat der Kantor bereits in petto. Die schönste, größte und berühmteste dabei ist und bleibt die Papeniusorgel. Sie wird auf einer Empore an der Westseite über dem Kirchenraum thronen. "Hinzu kommen eine ziemlich wertvolle Kabinettorgel wahrscheinlich vom Orgelbauer Grüneberg und drei Leihgaben", verrät Winfried Kuntz. Darunter sind eine Schuke-Orgel aus Potsdam und wahrscheinlich die Salon-Orgel aus ehemaligem Privatbesitz, die derzeit noch in der Klepziger Kirche steht. Hergestellt von den Gebrüdern Jehmlich in Dresden war sie erst 1992 nach der Sanierung des Gotteshauses dort aufgestellt worden. 15 000 D-Mark wurden seinerzeit dafür gespendet. Wie der zuständige Pfarrer Matthias Stephan auf Nachfrage bestätigte, stehe die Gemeinde dem Ansinnen dennoch wohlwollend gegenüber. Natürlich bekommen die Klepziger im Tausch eine neue Orgel. Schöner und ein bisschen kleiner wird sie sein, dem Kirchenraum angemessen.

Für das Museum ist das Klepziger Instrument eine willkommene Rarität. Sie besitzt eine pneumatische Traktur, was unter Organisten, die lieber mechanische Orgeln spielen, als schwierig handhabbar gilt. "Aber unserem Kantor ist sie ans Herz gewachsen", wissen Matthias Stephan und die Klepziger. Das ist gut so, denn sämtliche Museumsorgeln sind spielfähig und sollen regelmäßig erklingen. "Die Besucher dürfen im Rahmen von Führungen gern in die Manuale greifen", verrät Winfried Kuntz. Der kirchenmusikalische Förderverein Musica Viva wird zudem noch technische Informationen und pädagogisches Material erstellen.

Im kommenden Jahr wird die Marienkirche trotz der Sanierungsarbeiten während des Deutschen Wandertages für eine große Roger-Loewig-Ausstellung geöffnet. Mit der Wiedereröffnung samt Orgelmuseum wird im Jahr 2014 gerechnet. (Von Kerstin Henseke)

Interessante Synthese:

Die Instrumente des geplanten Museums in Bad Belzig sollen einen Querschnitt brandenburgischer Handwerkskunst und das Besondere der hiesigen Orgellandschaft repräsentieren.
Aufgrund der deutschen Kleinstaaterei variierte der Orgelbau lokal sehr stark, jeweils beeinflusst vom höfischen Musikstil.
Die märkische Orgel stellt eine interessante Synthese zwischen der norddeutschen und der thüringischen Orgellandschaft dar. Sie verbindet vom Orgelbaumeister Wagner ausgehend das Robuste und Rustikale der thüringischen Orgel mit dem großen Klangreichtum der Hanseaten.

Märkische Allgemeine vom 30. November 2011

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