Dramatische Lage beim Theatersommer Netzeband

KULTUR: Der Förderverein kann nicht einmal die Miete für die Temnitzkirche bezahlen

NETZEBAND - Rund 15 000 Euro Verlust hat der Theatersommer Netzeband in diesem Jahr eingefahren. Das teilte der künstlerische Leiter Frank Matthus auf der Sitzung der Gemeindevertreter von Temnitzquell am Montagabend mit. Insgesamt zehn Vorstellungen sind es im Schnitt, die das Theater in einer Saison spielt; zwei bis drei davon bei schlechtem Wetter. In diesem Jahr sei es aber umgekehrt gewesen: Zwei bis drei Vorstellungen seien unter normalen Bedingungen gelaufen, so Matthus. Der Rest und mit ihm die Einnahmen ist mehr oder weniger ins Wasser gefallen. "Die Situation ist dramatisch", sagte Frank Matthus.

Nicht umsonst legte er die Lage des Theatersommers den Gemeindevertretern dar. Denn die Kunstschaffenden schulden der Kommune noch die diesjährige Miete für die Temnitzkirche. 2725 Euro sind es genauso viel, wie viele Besucher in diesem Jahr in Netzeband weilten. Denn von jeder Eintrittskarte fällt ein Euro Mietzins an, der so genannte Kultur-Euro.

Bevor Matthus die katastrophale Lage des Sommertheaters in Rägelin darstellte, lehnten fast alle Gemeindevertreter es ab, den Mietzins zu stunden oder gar zu erlassen. Der Förderverein Temnitzkirche hatte zuvor in einem Schreiben um den Verzicht auf das Geld gebeten. "Wir als Anwohner können auch die Kirche mieten und können auch nicht die Miete stunden lassen", sagte Gemeindevertreterin Annette Pein. Die Gemeinde gebe für die Kultur in der Region jede Menge aus, ergänzte Bürgermeister Helmut Braun. "Dabei müssen wir bei anderen Sachen jeden Cent zwei- oder dreimal umdrehen" "Jetzt ist einfach Schluss", ergänzte Katerbows Ortsvorsteherin Christine Lackmann. "Wir sind als Gemeinde verpflichtet, die Einnahmen einzutreiben."

"Wenn Sie das Geld jetzt von uns fordern, dann sind wir handlungsunfähig", erklärte Frank Matthus. Der diesjährige Verlust sei vom Team des Theatersommers privat aufgefangen worden. "Die Summe, die wir noch auf dem Konto haben, ist ungefähr die, die wir Ihnen jetzt schulden." Es gebe zwei Möglichkeiten, mit der Situation umzugehen. "Wir könnten uns im nächsten Jahr verkriechen oder aber wir schlagen richtig zu", so Matthus. Bei der letzten Variante, die das Sommertheater auch vorzieht, könnte man das Defizit wieder aufholen. Davon ist der Theaterchef überzeugt.

Um dieses Unterfangen allerdings angehen zu können, brauche das Theater das noch verbliebene Geld, sonst könne es nicht mit den Vorarbeiten beginnen.

Nach einer Diskussion über den genauen Termin, gingen die Gemeindevertreter von Temnitzquell schließlich doch auf die Bitten des Theaterchefs ein. Die Einigung: Die Kommune stundet die fällige Summe bis Ende Juli 2012. Das Theaterteam sollen die Schulden mit den ersten Einnahmen des nächsten Jahres, die für diesen Zeitpunkt erwartet werden, begleichen. (Von Celina Aniol)

Märkische Allgemeine vom 30. November 2011

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