Die Sitzordnung stammt von 1891

Beeskow (MOZ) Im Advent werden Türen geöffnet. Das Oder-Spree-Journal schaut in diesem Jahr in kleine Dorfkirchen und stellt Menschen vor, die sich um die sakralen Gebäude kümmern und sie mit Leben erfüllen. Heute: Bornow.

 
Mit der Bornower Kirche eng verbunden: Elfriede und Hans-Joachim Schauer und Marianne Remus (v. l.), die Mitglied im Gemeindekirchenrat ist. Sie sind stolz darauf, dass ihr Gotteshaus über die ältesten Glocken in der Region verfügt.
Die Kirche in Bornow ist 120 Jahre alt. Sie gehört zum Pfarramt Buckow/Glienicke von Pfarrer Gerd Linden.
© MOZ/Jörn Tornow

Wie eine feste Burg erscheint die Kirche im kleinen Bornow. Mitten in der Woche hat Elfriede Schauer (77), die über 30 Jahre im Gemeindekirchenrat war, die schwere Kirchentür aufgeschlossen. Mitgekommen ist auch ihr Mann Hans-Joachim. Beide helfen noch aktiv in der Kirchengemeinde vom Kassieren bis zum Laubharken. Der 79-Jährige ist hier getauft und eingesegnet worden, früher hat er die Glocken geläutet und den Blasebalg für die Orgel bedient, was heute die eingebaute Elektrik erledigt. Die Orgel wurde 1890 von Carl Eduard Gesell (1845-1894) aus Potsdamgebaut. Es ist eine mechanische Schleifladenorgel, was bedeutet, dass sie technisch noch in barocker Tradition steht. Sie ist weitgehend original in einem gut spielbaren und klanglich schönen Zustand erhalten.

"Als Kind bin ich schon immer mit meinem Großvater Wilhelm mitgegangen", erinnert sich Hans-Joachim Schauer. Die Glocken müssen aber auch heute noch per Hand geläutet werden, das machen nun die jüngeren Männer aus der Kirchengemeinde. "Geläutet wird zu Gottesdiensten und wenn ein Christ aus dem Dorf verstorben ist. Am Vortag der Beerdigung hört man sie dreimal im Abstand von einer Viertelstunde", erzählt Hans-Joachim Schauer. "Dann wissen alle im Dorf Bescheid, dass jemand von uns gegangen ist." Marianne Remus, Mitglied des Gemeindekirchenrates, kennt die Kirche ebenfalls seit ihrer Kindheit, auch sie ist hier getauft worden. Als Schülerin hat sie im Glockenturm mit Biologielehrer Axel Schmidt nach Eulengewöllen gesucht. "Die unverdauten Reste der Eulen, meistens waren es Mäuse, mussten wir auseinandernehmen und ein Mäuseskelett auf schwarzes Papier kleben", erinnert sich die 60-Jährige.

Sie freut sich schon auf Weihnachten, dann wird auch die Bornower Kirche wieder gut gefüllt sein. "Die Akustik ist hier ganz wunderbar", sagt Marianne Remus. Platz genommen wird auf den rustikalen Holzbänken noch nach der alten Sitzordnung von 1891. "Links sitzen die Kohlsdorfer, rechts die Bornower. Sonst gibt es keine Privilegien mehr." Da die Kohlsdorfer keine Kirche haben (sie hatten aber die Schule), kommen sie seit jeher nach Bornow zur Kirche. Gebaut wurde sie 1889/90 an der Stelle, wo einst eine 1677 erbaute Fachwerkkirche stand, die aber wegen Baufälligkeit abgerissen werden musste. 1891 wurde die neue Bornower Kirche eingeweiht sie ist jetzt also genau 120 Jahre alt. das rechteckige Kirchenschiff, das mit einem Satteldach versehen ist, hat auf seiner Nord- und Südseite je drei spitzbogige Fenster, unter denen sich Rundfenster befinden, fast wie Bullaugen sehen sie aus. Leider verfügen sie nicht mehr über die bunte Bleiverglasung wie die spitzbogigen Fenster der Apsis hinter dem Altar. In dem mehrgeschossigen, quadratischen Westturm hängen zwei Glocken, eine ist datiert aus dem Jahre 1499. Sie hat zwei Reliefs, die eine Kreuzigungsgruppe und Christus als Weltenrichter zeigen. Die andere Glocke stammt aus dem Jahre 1520.Die Bornoer sind stolz auf ihre Kirchenglocken, es sind die ältesten in der ganzen Region. 1998 war der Glockenstuhl renoviert worden, seitdem kann auch die große Glocke wieder geläutet werden. Die Turmspitze, die "höchste Erhebung" Bornows, besteht aus einer Kugel, einem Kreuz und einem Wetterhahn, der die Jahreszahl 1882 zeigt. Die gesamte Ausstattung der Kirche stammt noch aus ihrer Bauzeit.

Wer am Heiligen Abend die Kirche besucht, sollte sich warm anziehen. "Es ist hier immer sehr kalt, eine Heizung einzubauen lohnt sich aber nicht", sagt Marianne Remus. Aber den Besuchern wird warm ums Herz, wenn sie am Heiligen Abenddie Kirche betreten. Überall brennen die Kerzen an den Bänken, im Kronleuchter und am Weihnachtsbaum, der traditionell nur mit roten Kugeln geschmückt wird.

Märkische Oderzeitung vom 30. November 2011

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