Von hinten ist die Mauer dicht

KIRCHE: Am Christdorfer Gotteshaus ist der zweite Bauabschnitt beendet / Eigenwilliger Stil ist Ursache für Bauschäden

CHRISTDORF - Schwamm. Immer wieder Schwamm. Die Christdorfer wurden dem Problem nicht Herr. War er dank einer Schwammsanierung an einer Stelle des Christdorfer Gotteshauses verschwunden, tauchte er an einer anderen Stelle wieder auf. "Der Baustil passt eigentlich nicht in unsere Gegend", sagt Kirchenältester Roland Kissmann. "Hier ist es viel zu nass, und deswegen haben wir immer wieder Ärger."

Nachdem die Kirchengemeinde vor ziemlich genau zwei Jahren verkünden konnte: "Der Schwamm ist weg", ist er auch nicht wieder zurück gekommen. Aber wachsamen Auges gehen Roland Kissmann und seine Mitstreiter immer noch durchs Gebäude und schauen ganz besonders in den Ecken nach, ob noch alles in Ordnung ist.

Mit dem jetzt zu Ende gehenden zweiten Bauabschnitt ist wieder eine ganze Menge in Sachen Schwammschutz getan worden. An der rückwärtigen Fassade wurden sämtliche Fugen zwei bis drei Zentimeter ausgekratzt und neu verfugt. Eigentlich war das gar nicht so geplant. Doch als das Gerüst aufgebaut war, konnten die Baufachleute erst richtig sehen, wie schadhaft das Gemäuer schon war, berichtet Ronny Behrend von dem Ingenieurbüro für Baustatik und Sanierungsplanung, das das Konzept für die Sanierung der Außenhülle der Kirche schon 2007 erstellt hat.

Nach dem ersten Bauabschnitt im Jahr 2009, als die schwammbefallenen Balken- und Sparrenköpfe sowie das umliegende Mauerwerk ausgetauscht wurden, ist im Jahr 2010 mit den Arbeiten ausgesetzt worden. Für 2011 standen dann wieder Fördermittel bereit. Bis jetzt wurden 90 000 Euro verbaut, insgesamt sind 135 000 Euro geplant. "Bis jetzt haben wir unseren Finanzierungsplan eingehalten", sagt Kissman. Besonders dankbar ist er für die 5000 Euro, die die Stadt Wittstock beigesteuert hat, denn sonst wäre der ganze Finanzplan ins Wanken geraten. Dank dieses Geldes und des Eigenanteils der Kirchengemeinde und des Kirchenkreises kamen auch Mittel von der Stiftung zur Erhaltung Kirchlicher Baudenkmäler und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Nun hoffen Kissmann und die Kirchengemeinde, dass schon nächstes Jahr mit den dritten Bauabschnitt der Hüllensanierung weitergemacht werden kann. Als nächstes ist nämlich der Turm an der Reihe. Wenn man auf ihn blickt, meint man, der Architekt habe rechts und links zwei Balkone gebaut, aber das sieht nur so aus. Dennoch hat gerade durch diese vielen kleinen und filigranen Kanten und Vorsprünge das Regenwasser viele Möglichkeiten, ins Haus einzudringen.

Auch wenn sie nicht so ganz in die Landschaft zu passen scheint, so sind doch die Christdorfer ziemlich stolz auf ihr ganz besonderes Gotteshaus. Der italienische Stil, über den sich schon viele Besucher gewundert haben, ist nur eine Besonderheit. Auch, dass die Kanzel überm Altar angebracht ist, kommt nicht sehr häufig vor. Über eine Sanierung im Inneren wird derzeit noch nicht nachgedacht. Erst einmal muss außen alles fertig sein. Aber was das betrifft, so sind die Christdorfer auf einem guten Weg. (Von Uta Köhn)

Märkische Allgemeine vom 02. Dezember 2011

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