Gotteshaus von schlichter Schönheit

Stremmen (MOZ) Im Advent werden Türen geöffnet. Das Oder-Spree-Journal schaut in diesem Jahr in kleine Dorfkirchen und stellt Menschen vor, die sich um die sakralen Gebäude kümmern und sie mit Leben erfüllen. Heute: Stremmen.

 
Mit der Stremmener Kirche eng verbunden: Erich Gericke war hier 40 Jahre lang der Kirchenälteste.
© Iris Stoff
Erinnert ein bisschen an Schinkel: Die turmlose Backsteinkirche von Stremmen wurde 1883 in neugotischem Stil erbaut. Sie gehört zum Pfarramt Tauche von Pfarrer Kai-Uwe Folgner-Buchheister.
© Iris Stoff

Egal, von welcher Seite man sich Stremmen, heute ein Ortsteil der Großgemeinde Tauche, nähert: Die Kirche ist als Mittelpunkt auszumachen, überragt all die anderen Häuser, wie in einem idyllischen Spielzeugdorf. Einer, der über dieses Gebäude bestens Bescheid weiß, ist Erich Gericke. Der 79-jährige alteingesessene Stremmener ist hier 40 Jahre der Kirchenälteste gewesen, vor zwei Jahren hat er das Amt abgegeben. Doch den Schlüssel zum Gotteshaus verwahrt der freundliche Mann noch immer. "Es kommen immer mal wieder Leute, die sich die Kirche anschauen wollen. Darunter auch ehemalige Stremmener, die auf Besuch in der alten Heimat sind", berichtet er. Bevor Erich Gericke aber die große hölzerne Kirchentür aufschließt, hat er draußen eine Menge zu erzählen. Nahe der Kirche stehen drei große Feldsteine, auf denen die Jahreszahlen 1883, 1680 und 1347 zu lesen sind. "Die sind damals auf Initiative von Ernst Krüger aufgestellt worden. Er war vor mir der Kirchenälteste", sagt Erich Gericke. Die Zahlen seien die Erbauungsdaten der drei Kirchen von Stremmen, die beiden Vorgänger der jetzigen Kirche seien abgebrannt.

Auch zu dem Haus, das neben der Kirche steht, gibt es eine Geschichte. "Das war mal die Dorfschule", sagt Erich Gericke. "In die bin ich noch gegangen. Alle Klassen damals in einem Raum. Der Lehrer hatte seine Wohnung gleich nebenan." Auch die Kinder aus Ranzig seien dort unterrichtet worden. "Wir waren früher eine Schulgemeinde." Und nicht nur eine Schulgemeinde. Ranziger und Stremmener besuchen seit jeher auch gemeinsam die Kirche in Stremmen. Erich Gericke kann sich noch genau an die Gottesdienstbesuche in seiner Kindheit erinnern. "Ganz vorne links waren die Sitze für die Gutsleute und auch die anderen Familien hatten ihren festen Platz. In der linken Bankreihe saßen die Stremmener und rechts die Ranziger. Daran halten die älteren Leute heute noch traditionell fest."

Die Stremmener Kirche ist ein rechteckiger Backsteinbau, der auf einem etwa 2,50 Meter hohen Feldsteinsockel errichtet worden ist. Im Osten hat die Kirche eine fünfseitige Apsis (Altarraum). Spitzbogige Fenster sorgen für reichlich Licht im Sakralbau. Im Westen besitzt die Kirche einen neogotischen Staffelgiebel. Dahinter hängen eine Hartgussglocke von 1956 und eine Bronzeglocke von 1926. Durch die Aufnahme eines Kredites konnten in den Jahren 1995 und 1996 Sanierungsarbeiten durchgeführt werden. Unter anderem wurden der Dachstuhl repariert und das Satteldach neu gedeckt, die Innenseite des Westgiebels neu verfugt und die Elektrik innerhalb der Kirche erneuert. Außerdem wurden die beiden Kreuze auf den Ost- und Westgiebel gesetzt und die Orgel gereinigt. Das alles ist auch auf der Internetseite der Kirchengemeinde Tauche zu erfahren.

Im Jahre 2006 sei dann in Eigeninitiative auch die Außenseite des Westgiebels verfugt worden, fügt Erich Gericke hinzu. "Alle Arbeiten wurden von Leuten aus dem Dorf erledigt, nur das Material wurde gestellt." In diesem Zuge hätten auch die kleinen Türme des Giebels Hauben aus Kupferblech bekommen. Das habe übrigens sein Enkel Thomas Schulze übernommen, der Kunstschmied sei.

In ihrem Inneren präsentiert sich die Stremmener Kirche schlicht und einfach. Blickfang ist der Altarraum, an dessen Wänden noch die alte historisierende Ausmalung erhalten wurde. Die kehrt am Orgelgehäuse wieder. Das Instrument steht auf der Westseite der Empore. Es stammt von dem Berliner Albert Lang und wurde seinerzeit genau für diese Kirche im neugotischen Stil konzipiert. Die Orgel hat einen schönen Klang. "Schon drei Jahre lang finden hier im Sommer Nachtkonzerte statt", erzählt Erich Gericke. Die seien gut besucht worden, dazu gehörte auch immer ein nettes Beieinander rund um die Kirche.

Er selbst hat eine enge Verbundenheit zur Stremmener Kirche. Hier wurde er getauft, hat seine Frau Lieselotte geheiratet und auch die goldene Hochzeit gefeiert. In den vielen Jahren, als er Kirchenältester in Stremmen war, oblag ihm auch die Aufgabe, die Glocken zu läuten, zu den Gottesdiensten, Feiertagen, Trauungen, Trauerfeiern, goldenen Hochzeiten, Konfirmationen und anderen Anlässen. Unzählige Male ist er dafür die Stufen empor gestiegen. Doch das habe ihm nichts ausgemacht, betont er. Mittlerweile funktioniert das Geläut elektrisch. "Es ist nur noch ein Knopf zu drücken", sagt Erich Gericke.

Am Sonnabend findet in der Stremmener Kirche um 11.30 Uhr eine Feier zum 2. Advent mit Pfarrer Kai-Uwe Folgner-Buchheister statt, und der Gottesdienst am Heiligen Abend beginnt hier um 17 Uhr.

Märkische Oderzeitung vom 02. Dezember 2011

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