Hosena: Gotteshaus bald Multifunktionskirche?

HOSENA Am 14. September 2013 wird die Kirche Hosena, die vor wenigen Wochen den Namen Christuskirche bekam, 100 Jahre alt. "Bis dahin soll noch einiges geschehen", so Pfarrer Gerd Simmank. Im nächsten Jahr soll die Innenrenovierung in Angriff genommen werden. In Aussicht steht eine finanzielle Förderung durch das ILE-Projekt im Lausitzer Seenland. Das wird möglich, durch die Öffnung der Kirche für den Fremdenverkehr.

 
Pfarrer Gerd Simmank will seine Kirche erneuern und für den Fremdenverkehr öffnen.
Foto hir

Gerd Simmank hat da schon konkrete Vorstellungen. "Unsere Christuskirche befindet sich an einem Radweg. Wenn wir das Gotteshaus öffnen, soll das verbunden werden mit einer kleinen Bewirtung der Radler, die hier mal eine Tasse Tee zu sich nehmen können. Für Interessenten wird es möglich sein, etwas aus der Historie von Ort und Kirche zu erfahren. In der Kirchgemeinde hoffen wir sehr auf einen positiven Förderbescheid im Frühjahr nächsten Jahres", sagt der Pfarrer.

249 000 Euro veranschlagt

Bei positivem Bescheid heißt das ein reichliches halbes Jahr Bauzeit. Der Terminablaufplan soll so gestaltet werden, dass nach der Renovierung noch genügend Zeit verbleibt, das 100-jährige Jubiläum würdig vorzubereiten. Die Bauarbeiten erstecken sich von der Innenrenovierung/restauration bis zur Erneuerung der Sitzbankheizung, die noch aus den 50er-Jahren stammt. Insgesamt sind dafür 249 000 Euro veranschlagt. Es muss ein Kredit von 75 000 Euro aufgenommen werden.

Zurzeit plant die Kirche mit 15 000 Euro Spenden und hofft außerdem auf eine Baubeihilfe der Landeskirche in Höhe von rund 10 000 Euro. Und der Rest soll über das ILE-Projekt finanziert werden.

In den knapp 100 Jahren hat die Hosenaer Kirche gute und schlechte Zeiten erlebt. In guten Zeiten, bis 1953 etwa, hatte die Hosenaer Kirchgemeinde etwa 2000 Gemeindeglieder. Jetzt sind es noch 360. Das bedeutet auch, dass man sich mit Hohenbocka, Laubusch, und Bernsdorf, einen Pfarrer teilen muss. Hinzu kommt noch, dass 2007 aus finanziellen Gründen das Pfarrhaus verkauft werden musste. Von 2007 bis 2011 fanden deshalb die Veranstaltungen und Angebote der Kirchgemeinde im ehemaligen Damensalon Wenske statt. Nur für Gottesdienste und Konzerte konnte die Kirche noch geöffnet werden. Mit diesen unhaltbaren Zuständen waren die Gemeindeglieder nicht länger einverstanden. Sie sehnten sich nach einem angenehmen Ambiente für ihre Veranstaltungen. So mancher Raum der Kirche erfuhr nun eine multifunktionale Bestimmung.

So ist die Sakristei zusätzlich ein modernes Kirchenbüro. Der Vorraum der Kirche wurde zum Gemeinderaum für kirchliche Veranstaltungen. Im Treppenhaus befindet sich eine moderne Teeküche, und auf der Orgelempore ist eine einladende Tafel für 32 Personen untergebracht.

Zahn der Zeit nagt

Die letzte Innenausmalung ist im hohen Jugendstil aus dem Jahr 1913. Hier nagt der Zahn der Zeit. Der Jugendstil hatte damals seinen Höhepunkt, und wurde wenig später von einer anderen Kunstepoche abgelöst. Vor allem der Altarraum orientiert sich an einer byzantinischen Ausgestaltung. Dadurch ist eine gedämpfte Atmosphäre entstanden. Dieser Stil ist in der Region einzigartig. 2004 bis 2007 erfolgte die komplette Außenhautsanierung, inklusive Dach. Die Kirche passt somit gut ins Dorfbild.

Zum Thema:

Pfarrer Gerd Simmank hat zu "seiner" Christuskirche eine besondere Beziehung. Seine gesamte Familie, einschließlich er selbst, wurden in der Kirche getauft. Seine Großmutter wurde zwar noch in der Schule getauft. Dafür wurde aber die gleiche Taufschale wie heute verwendet.

Von Heinz Hirschfeld

Lausitzer Rundschau vom 14. Dezember 2011

   Zur Artikelübersicht