Gotteshaus für die Kunst

INVESTITION: Ehrgeizige Pläne zum Umbau der Dorfkirche in Hohenwerbig

NIEMEGK - Als Gotteshaus, in dem die Facetten der Kunst heimisch werden, soll die Dorfkirche Hohenwerbig etabliert werden. "Die jüngst unmittelbar daneben eingeweihte und modern gestaltete Gedenkstätte für Kriegsopfer stellt einen ersten Beitrag zur Verwirklichung der Idee dar", sagt Pfarrer Daniel Geißler.

Für die nächsten Osterferien sei ein Jugendprojekt geplant, bei dem auf dem großen Freigelände ein Kunstwerk aus Holz entstehen soll. Dazu werden etwa 25 Jugendliche erwartet. Ein Holzkünstler aus Treuenbrietzen wird das Vorhaben, bei dem sie sich mit den sieben Tagen der Schöpfung auseinandersetzen, begleiten.

"In unserer Dorfkirche fanden schon mehrere klassische Konzerte statt. Jedes Mal haben die Musiker die Akustik sehr gelobt", berichtete Kay Lengner. Der 40-Jährige entwickelte die Idee der Kunstkirche, nachdem er den theatralischen Rundgang von Konrad Büchner gemimt von Frank Grünert in Bad Belzig erlebt hatte. Zusätzlich inspiriert wurde er von der Hörspielkirche in Federow bei Waren/Müritz. "Das dortige Projekt ist Beispiel dafür, dass vieles mit Spenden finanziert werden kann", erklärt der Unternehmensberater.

In Hohenwerbig sollen die unterschiedlichsten Formen der Kunst eine Heimat finden. Nach Auskunft des Einheimischen haben mehrere bildende Künstler, eine Djembe-Trommel-Gruppe und verschiedene Theaterleute Interesse bekundet. Chöre, Schauspieler, Maler und selbst Organisatoren russischer Kunstausstellungen könnten sich vorstellen, die Kirche zu nutzen, heißt es.

Bis es soweit ist, schränkt Kay Lengner ein, werde aber noch einige Zeit vergehen. Denn vorher müsse das Bauwerk umfassend saniert werden. Das Dach, das Mauerwerk, der Turm, die Inneneinrichtung, die Elektroanlage und der Fußboden müssten quasi generalüberholt werden. Für die geplante Nutzung sollen zum Beispiel spezielle Licht- und Tontechnik, Projektoren, Computer, Bühnenpodeste, Stell- und Trennwände sowie weitere Ausstattungen angeschafft werden.

Für all die Arbeiten ist eine sechsstellige Investitionssumme ermittelt worden. Um das Geld aufzubringen, wird auf verschiedene Mittel aus Fördertöpfen, Beihilfen und Spenden gehofft. MAZ

Historisches:

Die Dorfkirche zu Hohenwerbig ist ein spätromanischer Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert.
Bei dem Bauwerk handelt es sich um eine dreiteilige Anlage mit Schiff, eingezogenem Chor und Apsis. Über dem Westgiebel erhebt sich ein quadratischer Dachturm mit Querdach und Dachreiter.
Hohenwerbig wurde 1375 erstmals erwähnt als "villa Werbek". Acht Jahre später hieß es "Czu Werbig bey Nymig".
Der Ursprungs-Name ist entweder slawisch: "Ort, wo es Weiden gibt" oder flämisch von "Wervik" in Flandern abgeleitet. Der Zusatz "Hohen" kam erst im 16. Jahrhundert um "bey Niemegk" zu sparen. Auch liegt der Ort höher als Niederwerbig. MAZ

Märkische Allgemeine vom 16. Dezember 2011

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