Picasso hilft bei der Sanierung

In der Dorf- und Kronkirche in Nudow werden einmal jährlich Werke großer Maler ausgestellt

Das Bauwerk: "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. gab den Auftrag zum Bau der Dorfkirche in Nudow. Der preußische Monarch beauftragte den Architekten Johann Gottfried Kemmeter in den Jahren 1733/34 mit der Errichtung. Der rechteckige Putzbau mit quadratischem Westturm gehört zu den wenigen "Kronkirchen" in Brandenburg deren traditionelle Kargheit ist der evangelisch-reformierten Traditionslinie des Königshauses geschuldet.

Teile der Empore und des Gestühls sind noch aus der Bauzeit erhalten. Gleiches gilt für die Kanzel, deren Schalldeckel einst das königliche Monogramm zierte.

Im Gotteshaus lagern noch 15 Totenkronentafeln. Sie berichten über den früheren Brauch, Kindern oder unverheiratet Verstorbenen eine Totenkrone oder ähnliche Schmuckbeigaben zu widmen und nach dem Ableben in der Kirche auszustellen.

Im Jahr 2007 wurde die Restaurierung von Turm und Kirchenschiff fertig gestellt. Für 6500 Euro bekam die Kirche auch ein elektrisches Geläut, zuvor wurden die Glocken 30 Jahre lang von Hand geschlagen.

Die Gemeinde: Mehrmals jährlich kommt Farbe in die ansonsten eher schmucklose Dorfkirche, vor allem während der traditionellen Bilderausstellung mit Kunstwerken bekannter Maler. In diesem Jahr stand die Veranstaltung, die mittlerweile acht Mal in Nudow gastierte, unter dem Motto "Stadt und Land". Dabei versteigerte die Berliner Kunstsammlerin Ursula Hollop Werke von Salvador Dalí, Pablo Picasso, Max Liebermann und Heinrich Zille. In früheren Ausstellungen waren Werke von Rembrandt oder Marc Chagall dabei. Zehn bis zwanzig Prozent des Verkaufserlöses jeder Ausstellung werden für die Sanierung der Kirche verwendet, rund 80 Prozent der Werke im Schnitt verkauft. Allein bis zum Jahr 2010 waren auf diese Weise rund 6500 Euro zusammengekommen. "Die Außenhülle wurde über den Erlös teilfinanziert, demnächst soll der Innenraum nach Denkmalschutzkriterien restauriert werden", sagt Pfarrer Peter Collatz.

Auch Kammermusik-Ensembles und Auftritte von Jazzbands gab es in diesem Jahr zu bestaunen.

Noch eine geografische Besonderheit: Nudow gehört zwar zur Gemeinde Nuthetal und ist nur rund drei Kilometer von weiteren Ortsteilen wie Philippsthal und Fahlhorst entfernt, die Nudower Christen sind jedoch der Kirchgemeinde Ahrensdorf-Gröben-Nudow-Siethen im Kirchenkreis Zossen-Fläming zugeordnet. "Das liegt daran, dass die Kirchenkreisgrenzen sich in letzter Zeit verschoben haben", erklärt Collatz die ungewöhnliche Orientierung.

Der Hirte: Peter Collatz (56) liebt es, in alten Kirchenbüchern oder anderen historischen Aufzeichnungen zu blättern, um darin nach kleinen Anekdoten und Geschichten zu suchen. Die Kirchenbücher von Gröben (Teltow-Fläming), wo Collatz seit 1985 der Pfarrer ist, waren hierbei ein besonders ergiebiger Schatz. Nicht nur Geburten, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen sind darin verzeichnet, sondern auch Küchenrezepte und Ratschläge zur Erziehung und bei Krankheiten. Der Pfarrer hat dafür gesorgt, dass das am längsten durchgängig geführte Kirchenbuch in Brandenburg seit 2001 in der Dauerausstellung "Land und Leute" im Potsdamer Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte zu sehen ist. Mittlerweile kann das Kirchenbuch in transkribierter Form sogar im Internet eingesehen werden.

Die Festtage: Gottesdienst für die rund 100 Kirchgänger in Nudow ist in der Regel an jedem zweiten Sonntag um 10 Uhr. Zur Christvesper mit Krippenspiel ist am Heiligen Abend um 15.30 Uhr geladen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag können die Kirchgänger um 10 Uhr einen Gottesdienst besuchen.

Wer an Silvester andächtig auf das Jahr zurückblicken möchte, sollte um 15 Uhr in die Nudower Dorfkirche pilgern. (Von Stephan Reitzig)

Märkische Allgemeine vom 23. Dezember 2011

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