Hilfe für Kirchen in Not

von Thomas Wendel

Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördert Erhalt des Kulturerbes im Landkreis / Vor allem Gotteshäuser konnten profitieren

 
Kleinod. Auch die Fercher Fischerkirche hier im winterlichen Schmuck wurde mit Hilfe der Stiftung saniert.
Foto: Archiv/Wolfgang Post

Potsdam-Mittelmark - Wären nur alle Dorfkirchen in der Mittelmark so schmuck wie die Lübnitzer! Die einschiffige Feldsteinkirche westlich von Bad Belzig hat eine neue Dachkonstruktion erhalten. Die Fensterfassungen leuchten weiß, die neuen Ziegel strahlen in kräftigem Rot. Die Feldsteine sind gesäubert. "Kirchen wie diese sind ein Schatz", weiß Heidi Gerber. Die Potsdamer Mitarbeiterin der "Deutschen Stiftung Denkmalschutz" kennt die historische Bausubstanz der Mark bestens. Mit den Fördermitteln der Stiftung hat sie in Lübnitz wie in Ferch, Güterfelde und Caputh mit zum Erhalt der Dorfkirchen beigetragen.

Im ehemaligen Rittergut Lübnitz hatte sich ein Förderkreis für den Erhalt der Kirche gebildet. Solche Vereine sind eine gute Voraussetzung, um die Sanierung voranzutreiben. Ein Glücksfall ist dem kleinen Fläming-Ort zugute gekommen: Ein Nachfahre der ehemaligen Patronatsfamilie hat sich eher zufällig beim Zeitunglesen des Kulturerbes erinnert. Damit wurde der Prozess der Denkmals-Erneuerung angeschoben. Die Glocke und ein Wandbild sowie der Innenraum konnten auch erneuert werden.

Brandenburg und die Mittelmark sind voller derartiger Gotteshäuser. Sie stammen wie die Lübnitzer zum Teil aus der Ursprungszeit der Christianisierung im 13. Jahrhundert. Heidi Gerber ist manchmal schon froh, wenn eine Notsicherung den Verfall aufhalten kann. "Unser Hauptziel ist die Rettung von Denkmalen", sagt sie. Förderanträge müssten bis August für das Folgejahr eingereicht werden. Die Potsdamer Geschäftsstelle der in Bonn ansässigen Institution bearbeitet die Unterlagen und sieht sich die Objekte an. Dabei werden Zustand und Förderwürdigkeit für die Gremien der Stiftung dokumentiert. "Wie überall übersteigt die Zahl der Anträge die Möglichkeiten", sagt Gerber.

Vielfach arbeitet die Stiftung Denkmalschutz mit anderen Stiftern zusammen, um das gemeinsame Ziel zu verwirklichen. Viele Anträge kommen von kleinen Kirchengemeinden mit desolaten Gebäuden. "Bei manchen ist alleine die Instandhaltung schon sehr aufwendig von der Instandsetzung ganz zu schweigen." Im Rabensteiner Ortsteil Klein Marzehns habe die Stiftung Denkmalschutz gemeinsam mit der Kirchenbaustiftung 17 000 Euro zum Erhalt des Bauwerkes beitragen können.

Einen weiteren Aspekt neben dem Wiedererstrahlen einzigartiger Bauwerke stellt die Denkmalpflegerin heraus: Üblicherweise dient das gespendete Geldes dazu, den Eigenanteil des Eigentümers aufzubringen. Dieser wird dann mit Mitteln des Landes, des Bundes oder der EU kofinanziert. "Wenn die Stiftung einen Euro gibt, werden oft bis zu zehn Euro verbaut." Das Geld werde in der einheimischen Wirtschaft ausgegeben. Als Beispiele nennt Heidi Gerber den Borkwalder Stuckateur Marco Domaczyk und die Baudenkmalpflege Roland Schulze aus Babelsberg. "Klassische Mittelstandsfirmen und Handwerker führen die Arbeiten aus", sagt sie.

Verwendet wird das Geld häufig für Kirchen. Manchmal tritt auch eine Häufung von Sanierungsobjekten auf wie in Treuenbrietzen. "Dort gibt es ganz engagierte Leute", weiß Gerber. Das Kino der Kleinstadt sei mit Hilfe der Stiftung erneuert worden, Bürgerhäuser in der Stadtmitte strahlen in neuem Glanz. "In Treuenbrietzen konnte die Stiftung mit 260 000 Euro mehrere Projekte wie Kirche, ein Fachwerk- und sechs Bürgerhäuser bezuschussen das ist eine kluge Stadtpolitik." Die Anerkennung für dieses Engagement: Der Brandenburgische Denkmalpreis wurde für die Fachwerkgebäude in der Großstraße 110-111 verliehen. Das Bauwerk wird mittlerweile als Kindergarten genutzt, was den Einsatz für die Baukultur abrundet.

In den 21 Jahren ihrer Tätigkeit im Osten Deutschlands hat die vor 26 Jahren gegründete Stiftung alleine in Brandenburg 500 Denkmale mit 87 Millionen Euro gefördert. "Die Finanzierungspläne werden immer komplizierter", sagt Heidi Gerber. Dennoch würden die Zuwendungen dazu beitragen, dass die Eigentümer von Denkmalen ihren Eigenanteil aufbringen. Damit könne das Kulturerbe hierzulande mit Kirchen, Herrenhäusern und Parkanlagen erhalten bleiben.

Potsdamer Neueste Nachrichten vom 24. Dezember 2011

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