Gemeinde mit großen Potenzen

KIRCHE: Großbeerener Christen als lebendiger Teil der Gemeinschaft

GROSSBEEREN - Großbeerens Kirche leuchtet mit frischer Außenfarbe und neuen Blechen auf den für eine Dorfkirche ungewöhnlichen Dächern. Dass das Gotteshaus so außergewöhnlich anmutet, ist der Schlacht bei Großbeeren im Jahre 1813 geschuldet, als napoleonische Truppen auf das preußische Heer General von Bülows trafen. Die ursprüngliche Kirche aus Feld- und Backstein aus dem 13. Jahrhundert war im Siebenjährigen Krieg 1760 von russischen und österreichischen Truppen abgebrannt worden. Das aus dem geschmolzenen Metall der alten Glocken hergestellte neue Geläut brachte man in einem hölzernen Glockenstuhl unter und hielt fortan Gottesdienste auf dem Gut, im alten Pfarrhaus und einem Tagelöhnerhaus.

1815 und 1816 sammelte der Berliner Magistrat auf den Siegesfeiern für einen Kirchenbau, der eine würdige Ansicht vom neuen Denkmal zu Ehren der Schlacht 1813 böte. Schinkels Entwurf wurde genehmigt, nachdem andere scheiterten auch damals herrschten finanzielle Zwänge. Dass jetzt eine gründliche Sanierung nötig wurde, war keinem Krieg geschuldet: Putzabriss beim Läuten der Glocken zum Siegesfest 2008 hatte verdeckte Feuchtigkeitsschäden offenbart.

Die Kürze der Sanierungsarbeiten ist Zeugnis für Tatkraft und Potenzen der Gemeindemitglieder. In nur eineinhalb Jahren wurden in konzertierten Aktionen Spenden gesammelt. Veranstaltungen, oft mit überregionaler Besucherschaft, spülten ausreichend Geld in die Kassen, so dass das Werk gemeinsam mit Mitteln von Stiftungen, des Förderkreises Alte Kirchen und der Kommune gelang. Die Zahl der Kirchenmitglieder ist seit 1989 stetig gestiegen. Pfarrer Christian Manntz, seit zehn Jahren in Anstellung, kann sich über ein Heer Ehrenamtlicher freuen, die das Gemeindeleben organisieren und entwickeln.

Einmal im Jahr richten die Hauptamtlichen den etwa 100 ehrenamtlich Tätigen zum Dank einen Abend bei Essen und Unterhaltung aus. "Es arbeitet sich angenehm hier", sagt Manntz. Wenn der Gemeindehirte Kreise, Projekte und Aktivitäten im Kirchensprengel, zu dem auch Heinersdorf sowie Kleinbeeren mit eigener Kirche gehören, aufzählt, ist kein Ende absehbar.

Neben der Chor- und Instrumentalarbeit für Kinder und Erwachsene, der Frauenhilfe und dem Besuchsdienst steht die Arbeit mit Kindern im Fokus. Die Christenlehretradition wurde wieder aufgenommen, inzwischen kommen so viele Kinder zu den Stunden, dass sie jahrgangsweise von Gemeindepädagogin Barbara Matthies gehalten werden.

Die Jugendhütte im Pfarrgarten ist Anlaufpunkt für die Größeren. Die Junge Gemeinde zählt 30 Heranwachsende. Ein Theaterprojekt gibt es, das alle zwei Jahre ein neues Stück auf die Bühne bringt. Anette Bernard und Sonja Möhlenkamp sorgen seit Langem ehrenamtlich für Kontinuität in der Jugendarbeit. Ein Gemeindeschwesternprojekt mit dem Oberlinhaus Potsdam besteht. Das Hilfsprojekt für Bosnien-Herzegowina gibt es seit 2003: Schulpflichtige Roma-Kinder und deren Familien sowie sozial Bedürftige in Bijeljina werden unterstützt.

Und was wäre die Kirchengemeinde ohne die Band "Irish Impressions", die mit ihren beliebten Folkkonzerten über 500 Besucher jährlich anzieht? Das Verhältnis zu Kommune und ansässigen Vereinen ist gut. "Wir wollen lebendiger Teil des Ortes sein", betont Pfarrer Manntz. Gibt es bei so viel Betriebsamkeit und Engagement noch etwas zu tun? Als nächstes will die Gemeinde die Sanierung der noch pneumatisch gesteuerten Schukeorgel angehen. (Von Andrea von Fournier)

Märkische Allgemeine vom 30. Dezember 2011

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