Geflügelte Gefährten in Gefahr

Herzberg (MZV) Herzberg hat ein Herz für Engel. Gleich zwei gibt es in der Kirche, die eine Taufschale halten. Dabei gab es mal Zeiten, in denen waren die geflügelten Boten des Himmels als Kitsch in der Kirche höchst verpönt.

 
Für diesen Herzberger Taufengel wird jetzt im ganzen Land Brandenburg gesammelt. © Bandoly

Das weiß Bernd Janowski. Der Geschäftsführer des Förderkreises Alte Kirchen erzählt, dass der Zeitgeschmack ein Wörtchen bei der Ausstattung von Gotteshäusern mitredet. "Im Barock hat man die Engel geschaffen, damit sie dem Taufvorgang ein besonderes Gepräge gaben", sagt Janowski. "Im 19.Jahrhundert aber wollten die Leute mehr Schlichtheit und die Engelsfiguren wieder aus der Kirche haben."

Mittlerweile haben die Gläubigen die Figuren wieder ins Herz geschlossen nicht nur in Herzberg. Die Engel werden landauf, landab von Dachböden geholt, in Kellern wieder entdeckt oder von einem versteckten Platz in der Kirche erneut ins rechte Licht gerückt.

Allerdings haben die meisten von ihnen mit der Zeit sehr gelitten oder drohen sogar zu zerfallen. Deshalb ruft der Förderkreis mit dem Landesamt für Denkmalpflege in Wünsdorf und der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz zu einer Spendenaktion auf. Insgesamt zwölf Taufengel-Figuren waren 2009 und 2010 in den Fokus gerückt worden. Wegen des Erfolgs es sind schon 40 000 Euro in zwei Jahren zusammengekommen kommen nun sechs dazu. Und darunter ist eine der zwei Herzberger Skulpturen: der so genannte Kohlenengel.

Der ist zwar weder aus einem Heizkeller hervorgekramt worden noch sieht er verrußt aus. Vielmehr hing die Skulptur jahrelang im Turm der Kirche "dort, wo auch die Kohlen gelagert worden sind", erzählt Pfarrer Ulrich Baller. Mit Restaurierungsarbeiten im Gotteshaus vor etwa 30 Jahren kam der Engel an seinen jetzigen Platz links über der ersten Kirchenbankreihe.

Ein Fuß fehlt ihm aber schon. Und die Larven des berüchtigten Nagekäfers, die der Volksmund nicht zu Unrecht als Holzwürmer fürchtet, haben dem Stoff, aus dem alle Taufengel sind, enorm zugesetzt.

Das besondere an dem Kohlenengel: Er besitzt noch die Ursprünglichkeit der Barockzeit, spiegelt also tatsächlich die Anfangszeit der Taufengel-Mode wider. Der zweite, etwas pausbäckigere und rot gewandete Herzberger Taufengel ist dagegen irgendwann einmal übergepinselt worden.

Laut Landesdenkmalpfleger Werner Ziems kann solch ein Anblick aber nicht Ziel der Aktion sein. Klar, auch der Kohlenengel war mal farbig. Jetzt sind die Rot- und Grautöne verblasst. "Da haben wir eine Grundierung, an der sich der Restaurator orientieren kann", sagt Ziems.

"Aber wir werden da behutsam vorgehen", ergänzt er: die jetzige Malschicht festigen heißt das vor allem. "Er soll ja nachher nicht so aussehen, als sei er eben gerade im Laden gekauft worden."

Der Landesdenkmalpfleger schätzt, dass die Restaurierung für Herzbergs geflügelten Taufbegleiter insgesamt keine allzu aufwändige sein wird. "Das hängt natürlich davon ab, wie stark das Holz befallen ist", so Ziems.

Die Herzberger haben schon mal gespendet. Die eine Kollekte des zweiten Christtags am 26.Dezember galt deshalb bereits der Restaurierung des barocken Zeitzeugen: "Es war ein gut besuchter Gottesdienst, da ist einiges zusammengekommen", freut sich Baller.

Märkische Oderzeitung vom 03. Januar 2012

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