Glasower Dorfkirche ist unscheinbar, aber gut in Schuss

Die Verwaltung kommt der eines mittelständischen Unternehmens nahe

GLASOW - Ein Pfarrer, der nach sechs Jahren wegen Trunksucht aus dem Amt gejagt wurde, nachdem dessen Vorgänger 62 Jahre diesen Dienst offensichtlich ohne Fehl und Tadel versehen hat? So geschehen bis 1796 in der Kirchengemeinde Glasow. Beides kann die jetzige Pfarrerin, Anne Lauschus, nicht für sich in Anspruch nehmen. Aber wie damals bilden die Glasower Christen eine selbstständige Gemeinde, die von außerhalb "mitverwaltet" wird. Heute aus Mahlow, davor aus Blankenfelde und noch früher aus Jühnsdorf.

Dass der Ort Glasow einst keine "Herrschaft" hatte, sieht man auch am Gotteshaus auf dem Dorfanger. "Eine Kirche von Bauern für Bauern", erklärt Hans-Walter Ludwig die Schlichtheit des Baus und der Innenausstattung. Seit über 30 Jahren ist Ludwig im Gemeindekirchenrat (GKR), der von je sechs Ältesten gemeinsam mit Mahlow gebildet wird seit über zehn Jahren ist er dessen Vorsitzender.

Der gebürtige Glasower, der auch Küster- und Lektorendienste wahrnimmt, kennt den Feldsteinbau der Kirche genau. Seit 1753 hat der sein heutiges Aussehen, 1878 wurde für 2100 Mark die Orgel eingebaut. Bei der Sanierung 1977 bekam das Dach zu schwere Betonziegel: Die üppig mit Holzschutz behandelten Deckenbalken aus Eiche bogen sich im wahrsten Sinne des Wortes in den folgenden Jahren. Die Holzschutzmittel brachten eine Anreicherung der Luft mit gefährlichen Gasen, so dass die Kirche zeitweise gesperrt werden musste. Nach einem Gutachten des Denkmalschutzes von 2003 kennt man auch das Alter der Kirche: Die Fällung der Eichen für das Dachgebälk erfolgte ca. 1335, " da ging kein Nagel mehr rein und auch die Holzwürmer waren längst ausgezogen", sagt Hans-Walter Ludwig über den Zustand des Holzes.

2004 wurde gründlich saniert. Eine gasdichte Decke und darunter ein der alten Konstruktion nachempfundenes neues Balkenwerk entstanden, die einst abgeteilte Winterkirche wurde entfernt, so dass die zweiseitige Empore wieder sichtbar ist. In der Mitte "thronen" die Prospektpfeifen der alten Orgel. Die Wände sind weiß gestrichen, große Schätze sucht man vergebens. Der Kanzelaltar, 1674 nach längerem Disput mit Sondergenehmigung des Konsistoriums eingebaut, ist der farbenprächtige Blickfang des Raumes. Dennoch gab es 1991 einen Einbruch, bei dem mit der Holzfigur des Petrus, Altarbibel und Kruzifix für die Gemeinde Wichtiges gestohlen wurde. So bewahren die Glasower ihre versilberte Taufschale jetzt im Safe auf. Dass der Kirchenbau an einer Seite fast einen Meter mehr Länge hat als an der anderen, bleibt dem Betrachter verborgen. Der schöne hölzerne Glockenturm über dem sorgsam mit Biberschwänzen gedeckten Dach beherbergt eine Stahlglocke von 1952, die bronzene wurde 1942 zum "Kriegsdienst" rekrutiert, und eine 210 Kilogramm schwere Bronzeglocke von 1925 aus Apolda. Die Läutewerke spendierten die Partnergemeinden aus dem Schwarzwald vor der Wende.

Seit 2005 ertönen neben dem Gottesdienst- und Sterbeläuten morgens, mittags und abends wieder die Glocken nur anfänglich gab es Proteste wegen der Ruhestörung.

Die Glasower haben ihr Kirchenland teilweise verpachtet und konnten so den Neubau von Kita und Gemeindezentrum in Mahlow finanzieren.

Die heutige Verwaltung kommt der eines mittelständischen Unternehmens nahe, weiß Hans-Walter Ludwig. Ein Dutzend Mitarbeiter, Immobilien und Grundbesitz wollen klug gemanagt sein und werden es, so wie es aussieht. (Von Andrea von Fournier)

Märkische Allgemeine vom 11. Januar 2012

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