Bald läuten Bronzeglocken

Die Ferbitzer Kirchengemeinde freut sich über ein Geschenk aus dem niedersächsischen Bornum

PERLEBERG - In der Woche vor Weihnachten fuhren die Ferbitzer mit einem Transporter nach Bornum, einer am Harz gelegenen Ortschaft in Niedersachsen. Ziel war die Sankt-Theresia-Kirche, wo zwei Bronzeglocken für die Ankömmlinge bereit standen. Das katholische Gotteshaus war 1959 errichtet worden, da aber die Zahl der Gemeindemitglieder nur noch gering und der bauliche Zustand schlecht war, wurde die Kirche im April 2010 entwidmet. Das Bistum Hildesheim hatte keine Verwendung für die beiden Bronzeglocken, in den Schrott wollte es sie aber auch nicht geben. Der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg erfuhr davon und machte mit einer Rundmail bekannt, dass zwei Bronzeglocken eine Kirche suchen.

Pfarrer Wolfgang Nier berichtete, wie die Glocken ausgerechnet in die Ferbitzer Dorfkirche gelangten. Noch hängen im Turm zwei Eisenhartgussglocken. Sie sind 80 Jahre alt und vollkommen verschlissen, wie der Glockensachverständige der Landeskirche feststellte. An neue Glocken war nicht zu denken, meinte Wolfgang Nier. Als ihn die Mail erreichte, habe er sofort an Ferbitz gedacht und sich gleich beim Freundeskreis Alte Kirchen gemeldet. "Das ist schon ein großes Geschenk, dass wir die Glocken bekommen haben", sagte er. Sie passen gut in den Ferbitzer Glockenstuhl, auch wenn dieser zimmermannsmäßig etwas instand gesetzt werden muss. Noch stehen die beiden Bronzeglocken unten im Turm. Die größere ist wie das in der katholischen Kirche üblich ist geweiht auf die Namen der Heiligen Bernward und Godeward. Sie trägt eine lateinische Inschrift, die übersetzt heißt: "Betet für uns". Die kleinere Glocke ist auf den Namen Hedwig geweiht und "Stehe uns bei" heißt die Inschrift. Die Glocken wiegen 117 Kilogramm beziehungsweise fast 190 Kilogramm. Obwohl es keine neuen Glocken sind, macht sich der Pfarrer keine Sorgen über die Lebensdauer. Bronzeglocken tun 500 Jahre ihren Dienst, erklärte er.

Wenn die beiden Glocken mit einem Flaschenzug durch eine runde Öffnung in der Decke sie hat genau die richtige Größe bis in den Glockenstuhl gehievt wurden, soll das Ereignis mit einem festlichen Gottesdienst begangen werden. Dazu werden auch Gemeindemitglieder aus Bornum eingeladen, die sich freuen, dass ihre Glocken wieder in einer Kirche läuten.

Die Ferbitzer Kirche ist damit um eine Begebenheit und auch einer Besonderheit reicher. Das Gotteshaus wurde von 1905 bis 1906 errichtet und ersetzte eine Fachwerkkirche. Obwohl die schön proportionierte Steinkirche nur etwas über 100 Jahre alt ist, birgt sie doch was der Anblick nicht gleich vermuten lässt wahre Schätze im Inneren. Der Kanzelaltar entstand 1657. Er wurde von Jörgen Schultz gestiftet, der zu den drei männlichen Ferbitzern gehörte, die den Dreißigjährigen Krieg überlebten. Der ebenfalls sehr schöne Altar dürfte etwas jünger sein. Rechts daneben steht so etwas wie ein Chorgestühl, es handelt sich jedoch um einen evangelischen Beichtstuhl also etwas, was heute ganz selten noch zu finden ist. Wie Pfarrer Wolfgang Nier berichtete, wurde die Beichte, die ja bis heute in der katholischen Kirche üblich ist, nicht vom Reformator Martin Luther abgeschafft. Noch lange nach ihm wurde auch in der evangelischen Kirche die Beichte abgenommen.

Doch es ist noch mehr aus der alten Ferbitzer Fachwerkkirche erhalten. An einer Seitenwand sind drei frühmittelalterliche Schnitzplastiken zu sehen frühes 15. Jahrhundert: Maria mit dem Kind sowie zwei Heilige. Überhaupt wirkt das Innere der Kirche sehr einladend. Nur das Dach müsste bald mal saniert werden, meinte Wolfgang Nier.

Die Kirche ist nur zu den Gottesdiensten geöffnet, im Landgasthof Bauer kann man sich zur Besichtigung melden. (Von Michael Beeskow)

Märkische Allgemeine vom 11. Januar 2012

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