Der Berg drückt

Oderberg (MOZ) Die St. Nikolai-Kirche bröckelt: An mehreren Stellen müssen Teile des denkmalgeschützten Gemäuers aus den 1850er-Jahren ausgebessert werden, nachdem vor einigen Jahren bereits das Dach erneuert worden ist. Die Frage der Finanzierung muss aber noch geklärt werden.

   
St. Nikolai-Kirche Oderberg, 24.01.2012: Pfarrer Johannes Reimer (l.) und Hans-Erich Winter, der Vorsitzende des Gemeindekirchenrats, auf der Orgelempore.
St. Nikolai-Kirche Oderberg, 24.01.2012: Pfarrer Johannes Reimer weist auf den alten Hintereingang des Stüler-Baus, der direkt an den Hang gebaut worden ist. Mittlerweile drückt das Erdreich gegen das Gemäuer.
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Provisorisch gesichert: Ein baufälliges Ziertürmchen
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Majestätisch wie eh und je überragt das Feldsteingemäuer die Oderberger Altstadt. Doch wer genau hinsieht, entdeckt überall an den Zierelementen darüber größere und kleinere Schäden. Die meisten der verbauten Ziegel kommen noch aus der Zeit des Baumeisters Friedrich August Stüler, unter dessen Leitung die monumentale Stadtkirche ab 1853 in rekordverdächtigen zwei Jahren errichtet wurde.

Jetzt aber ist es höchste Zeit, dass kundige Hände einen beträchtlichen Teil der Steine austauschen. Insbesondere an den kleinen Ziertürmchen beginnt es zu bröckeln, tiefe Risse durchziehen das Mauerwerk unterhalb der Dachkonstruktion. Im Inneren der Kirche sind mittlerweile Wasserschäden feststellbar. Wahrscheinlich stehen diese mit den Schäden am Mauerwerk im Zusammenhang, schätzen Pfarrer Johannes Reimer und der Vorsitzende des Gemeindekirchenrats, Hans-Erich Winter.

Die Kirche ist seinerzeit ganz bewusst in die Berglandschaft hineingebaut worden. Der Organist und auch einige Besucher betraten den Bau über zwei Hintereingänge am Hang. Gemauerte Fußgängerbrücken führen dazu direkt auf die Empore, während der Vordereingang eine Etage darunter lag und ins große Schiff führte. Eine elegante architektonische Lösung, die aber jetzt ihren Tribut fordert. Die Bewegung des Hanges setzte den filigranen Fußgängerbrücken über Jahrzehnte arg zu. Risse und bröckelnde Stellen stechen ins Auge. Sporadisch darübergelegte Platten mit Dachpappe sollen das Gemäuer schützen. Die zur Kirche führende Galerie am Albrechtsberg ist längst von Gestrüpp und Gräsern überwuchert.

Weil der Berg weiter drückt, ist es mit einer einfachen Reparatur an dieser Stelle nicht getan, erklärt Johannes Reimer. Und spielt damit auf eines der gefürchteten Dauerbrennerthemen der Oderberger an: Die kostspielige Hangsicherung, die eines Tages am Albrechtsberg stattfinden soll. Doch schon an der Gartenstraße bereitet ein vergleichbares Vorhaben große Schwierigkeiten; seit Monaten stehen dort die Baumaschinen still. Für die Sanierung müssen eigens spezielle Formziegel hergestellt werden. In begrenztem Umfang sind auch noch Original-Ziegel aus Stülers Tagen vorhanden; ihr Zustand ist trotz der seither verstrichenen 150 Jahre einwandfrei.

Bereits in den 1990er-Jahren ist das Dach der Kirche runderneuert worden; als Abschluss dieser Arbeiten wurden die kunstvollen Mosaikfenster der Barnimer Glaskünstlerin Amelie Grund verbaut. Der seitlich zum Schiff versetzt stehende, über 50 Meter hohe Kirchturm ist ebenfalls gut in Schuss.

"Etwa fünf bis sieben Jahre ab jetzt gerechnet" werden die Sanierungsarbeiten dauern, schätzt Pfarrer Johannes Reimer. Doch bis es losgehen kann, muss zunächst die Frage der Finanzierung geklärt werden. Keine leichte Aufgabe, denn bei dem veranschlagten Aufwand ist mit Beträgen "von ein paar hunderttausend Euro zu rechnen", so der Theologe. Genauer mag er derzeit noch nicht schätzen.

Angestrebt wird eine Mischfinanzierung mit Kirchenkreis, Denkmalpflege, Landeskirche, Stiftungen und der Kirchengemeinde vor Ort. "Die Kollekte hat da eher einen symbolischen Wert", so Pfarrer Reimer.

Märkische Oderzeitung vom 30. Januar 2012

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