Frost schädigt alte Mauern

Gartz (MOZ) Die Stephanskirche ist das Wahrzeichen von Gartz. Sie ist stark vom Krieg gezeichnet. Außerdem sorgen Wind und Wetter immer wieder für neue Schäden. Die Gemeinde hat rund 30 000 Euro für die Fassadensanierung aufgebracht, darunter auch aus Spenden. Doch die Schäden sind größer als befürchtet.

 
Teures Wahrzeichen: Frostschäden vergangener Winter wurden an der Stephanskirche Gartz behoben, zum Beispiel kleine Türmchen saniert. Im Frühjahr gehen die Arbeiten weiter.
© MOZ

Frost und Regenwasser setzen der Kirche ganz besonders zu. Fast unaufhörlich tropft es aus schwindelnder Höhe auf Ziegelabdeckungen, sogar auf die gerade restaurierten. "Doch die neuen Ziegel dürften jetzt eine kleine Ewigkeit halten", vermutet Pfarrer Hilmar Warnkross. Die Bauleute hätten hochwertiges Material verwendet, das die Mauern atmen lasse.

Der Schreck im vergangenen Winter war groß gewesen. Auf der Südseite des Turmes hatten sich die Ziegelabdeckungen gleich quadratmeterweise gelöst und waren heruntergefallen. Außerdem hatte ein Pfeiler seine Standfestigkeit verloren.

Der Pfarrer ließ das Areal vorsorglich mit Flatterband sperren. Doch der Frost hatte auch die Westseite des Turmes angegriffen. "Man guckt ja nicht jeden Tag in 30 Meter Höhe, ob etwas kaputt ist", sagt Hilmar Warnkross. Bei einer Übung der Feuerwehr mit großer Drehleiter habe man genauer nachsehen können, welche Schäden das Mauerwerk aufweist.

Schließlich sei die Gefahr so groß gewesen, dass das Areal um die Kirche herum großräumig gesperrt werden musste. "Dabei wollen wir doch eigentlich, dass die Leute in die Kirche kommen und keinen Bogen um sie machen", sagt der Pfarrer.

Die Gartzer Straßen- und Tiefbau GmbH stellte damals kostenlos einen 30 Meter langen Bauzaun für das Absperren zur Verfügung. Dafür ist der Pfarrer dankbar.

Der Gemeindekirchenrat grübelte indessen, wie die außerplanmäßigen Reparaturen finanziert werden können. "Über die Jahre sind ja noch mehr Schäden aufgetreten. Ihre Reparatur würde aber jeden Kostenrahmen sprengen. Doch jetzt ging es um die Gefahrenabwehr", macht Hilmar Warnkross deutlich. Das Geld dafür musste irgendwie aufgetrieben werden.

Schließlich machte der Gemeindekirchenrat den Weg frei für die Bauarbeiten. Das Land Brandenburg und der Landkreis Uckermark beteiligten sich an den Kosten. 5000 Euro kamen aus dem Notfonds des Kirchenkreises Pasewalk, zu dem Gartz gehört. Der Verein Gedächtniskirche Rosow spendete 1000 Euro. Eine große Hilfe waren außerdem Einzelspenden von Privatpersonen.

Die Bauarbeiten dauerten vom Sommer 2011 bis in den Spätherbst an. Restarbeiten werden im kommenden Frühjahr erledigt. Bauausführende Firma ist die Denkmalpflege GmbH Prenzlau. "Diese Firma ist vom Bauamt der Landeskirche ausgewählt worden, weil sie große Erfahrungen mit denkmalspezifischen Ziegelarbeiten hat", erläutert Hilmar Warnkross.

Allerdings hat sich während der Bauarbeiten herausgestellt, dass die Schäden deutlich schwerer sind als befürchtet. Unter anderem drohen große Teile des Mauerwerks in 25 Metern Höhe auf der gesamten Turmbreite herabzustürzen.

Um diese Schäden zu beheben, rücken die Denkmalpfleger im Frühjahr wieder an. Die Rüstungen, die erst im Herbst abgebaut worden waren, werden wieder hochgezogen. Auch die Geldsuche geht weiter. Denn die über Jahre angesparten Eigenmittel der Gemeinde reichen zum Begleichen der zusätzlich entstehenden Kosten nicht aus.

Mit Bangen sieht der Pfarrer den jetzigen strengen Frost. Er rechnet mit zusätzlichen außerplanmäßigen Bauarbeiten.

Märkische Oderzeitung vom 02. Februar 2012

   Zur Artikelübersicht