Große Sorgen um Gotteshaus

Flemsdorf (os) Acht Kirchen befinden sich in der Obhut von Gunter Ehrlich. "Das ist mein größtes Sorgenkind", sagt er mit Blick auf den Kirchturm in Flemsdorf. Dort haben sich bereits große Teile des Putzes verabschiedet. Immer mehr Backsteine sind zu sehen. "Der Turm wird uns bald um die Ohren fliegen", sagt der Pfarrer.

 
Banger Blick: Pfarrer Gunter Ehrlich inspiziert den Kirchenturm in Flemsdorf.
© MOZ/Alexander Kempf

Die Probleme sind mindestens so groß wie das Gebäude. Denn das, sagt Gunter Ehrlich, ist völlig überdimensioniert für den kleinen Ort. Die Gemeinde in Flemsdorf zählt nur noch etwa 30 Mitglieder. Zu Gottesdiensten in der Kirche kommt manchmal nur noch eine Handvoll Menschen, berichtet der Pfarrer.

Er weiß, dass es viel Engagement braucht, um die Kirche zu erhalten. Doch wo keine Menschen sind, da ist auch keine Lobby. "Was machen wir damit?", fragt Gunter Ehrlich. Rot-weißes Flatterband? Absperrgitter? Der Pfarrer gibt ganz offen zu, dass er ratlos ist.

Die Feuchtigkeit im Turm kann nicht abziehen, erklärt Gunter Ehrlich. Denn das innere Fachwerk wurde ummauert. Ein klarer Baufehler von anno dazumal, urteilt der Pfarrer. In seinem Theologiestudium spielte Architektur und Statik keine Rolle. Doch in der Praxis hat er immer wieder damit zu tun. Und in Flemsdorf sieht er Gefahr im Verzug.

"Die eigentliche Aufgabe einer Kirche ist ja, dass sie eine Funktion im Ort hat", sagt Gunter Ehrlich. Doch das Gotteshaus ist nur selten belegt. Im vergangenen Jahr gab es nach vielen Jahren mal wieder eine Taufe, erinnert sich der Pfarrer. In der Regel zieht es aber eher Touristen als Flemsdorfer in die Kirche.

Die Besucher interessieren sich für den hölzernen Taufengel im Kirchenschiff. Dessen Gegengewicht sind zwei alte Kanonenkugeln, erzählt Gunter Ehrlich. Der freut sich immer über Gäste in seinem Haus. "Aber was bleibt? Wenn jeder am Ende einen Euro in die Büchse steckt, sind am Ende des Jahres vielleicht 300 Euro darin." Damit kann die Kirche nicht erhalten werden. "Es hat keinen Sinn, mit Kleckereien anzufangen."

Kosten gibt es reichlich. Beim Aufstieg zum Dach der Kirche verabschiedet sich eine Sicherung. Und im Gotteshaus selbst hat jemand vergessen, den Stecker für die Heizung zu ziehen. "Oh nee", sagt der Pfarrer, "das gibt eine schöne Stromrechnung."

Allein der Blick über das Kirchendach stimmt Gunter Ehrlich an diesem Tag ein wenig optimistisch. Die Ziegel sehen noch gut aus. Das Dach scheint dicht zu sein. Anders als in der Kirche in Felchow gibt es in Flemsdorf zumindest keine Probleme mit Hausschwamm.

Ob Kriege oder die Mangelwirtschaft des Sozialismus - das Gotteshaus in Flemsdorf hat seit dem 13. Jahrhundert viele Krisen überstanden. Doch wenn sich niemand mehr für den Erhalt der Kirche starkmacht, dann ist sie irgendwann dem Verfall preisgegeben. Der Putz bröckelt weiter. "Es muss wahrscheinlich erst so schlimm sein, dass die Gefahr nicht mehr zu übersehen ist", sagt Gunter Ehrlich mit bangem Blick gen Kirchturm.

Märkische Oderzeitung vom 01. März 2012

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