Märkische Kirchen sind für alle da

Aktuelle Broschüre listet 950 Gotteshäuser auf / Viele sind längst ein Touristenmagnet

POTSDAM - Einst fast vergessen und halb zerfallen, heute frisch renoviert und voller Leben: Die Malchower Dorfkirche (Uckermark) ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht und bietet weitaus mehr als ehrfürchtige Stille und Gesangsbücher. Ein umtriebiger Gemeindekirchenrat um den Pfarrer Thomas Dietz hat sie "wachgeküsst" und einiges mit ihr vor. Auch andere Kirchen im Land finden bei Einwohnern und Touristen zunehmend Interesse, wie eine Umfrage ergab.

"Fünfzig Jahre nachdem die Kirche aufgegeben wurde, haben wir 2008 den Internationalen Malchower Kirchenpreis erstmalig ausgelobt", erzählt Pfarrer Dietz. Seitdem kommen jährlich bis zu 300 Jugendliche aus dem Pfarrsprengel Schönfeldt, aus Polen und Lettland und musizieren gemeinsam um die Wette. "Die Kirche wurde schlagartig bekannt und 2009 in ein Förderprogramm aufgenommen", berichtet er. Im Juni werde das frisch sanierte Gebäude eingeweiht. "Wir wollen aber nicht, dass die Kirche nur für ein paar Konzerte und Gottesdienste geöffnet ist", betont er. Mehr Besucher sollen mit dem geplanten Labyrinthpark angelockt werden.

Für Volker Jastrzembski, Sprecher der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, ist die Malchower Dorfkirche ein Paradebeispiel. "Wir sind sehr daran interessiert, dass die Kirchen geöffnet und zugänglich sind." Um Ausflügler anzulocken, lasse man sich einiges einfallen. Neben einem Siegel für Radwege-Kirchen und Pilgerherbergen in Kirchen gibt es auch den "Dorfkirchensommer". Zum 16. Mal gibt es ab Mai wieder überall in Brandenburg 300 Veranstaltungen um und in Gotteshäusern. "Das ist ein richtiges Highlight geworden", sagt Jastrzembski.

Auch der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg bemüht sich darum, Dorfkirchen ins rechte Licht zu rücken. Die Broschüre "Offene Kirchen" wird immer dicker. "Im Jahr 2000 wurden nur etwa 120 offene Kirchen angegeben, in der aktuellen Broschüre sind es 950", sagt Geschäftsführer Bernd Janowski. Insgesamt gebe es rund 1400 Kirchen im ganzen Land. Die Anwohner seien oft bereit, ihre Kirchen zugänglich zu machen.

Die Öffnung versteht Janowski auch als Taktik: "Wir sagen immer, Zeigt eure Schätze, aber zeigt auch, wie bedroht sie sindí." Um die Aufmerksamkeit auf die Bauwerke zu lenken, gebe es seit sechs Jahren die Konzertreihe "Musikschulen öffnen Kirchen", eine Zusammenarbeit mit dem Landesmusikschulverband. Zum ersten Mal wird in diesem Sommer auch eine "Dorfkirchen-Oldtimer-Rallye" veranstaltet. Birgit Kunkel, Sprecherin der TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH, sieht Dorfkirchen als wichtige touristische Anziehungspunkte. "Sie sind Teil der Kultur- und Landesgeschichte, außerdem Zeugnisse der Architektur." Es sei oft dem Engagement Einzelner oder von Gemeinden zu verdanken, wenn die Häuser geöffnet werden. "Das muss man hoch anrechnen." (Von Angie Pohlers, dpa)

Märkische Allgemeine vom 04. April 2012

   Zur Artikelübersicht