Mal für den Altar, mal für das Dach

von Chantal Willers

Seit sechs Jahren kämpft der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. in Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Musikschulen Brandenburg e.V. für den Erhalt der brandenburgischen Kirchen.

 
So jung kommen wir nicht mehr zusammen. Musikerinnen der Jungen Philharmonie Brandenburg.
Foto: g.u.hauth

Manche von ihnen haben Jahrhunderte überdauert, Kriege und Zerstörungswut überlebt, trotzdem stehen heute einige von Brandenburgs Kirchen kurz vor dem Verfall. Ob es nur um die Erneuerung der Innenausmalung, eine Restauration des Altars oder die dringend notwendige Renovierung des Dachs geht, die Unterstützer der Kirchen haben in Brandenburgs Dörfern und kleinen Städten mit den unterschiedlichsten Problemen zu kämpfen. Doch der Frage nach den Mitteln zur Finanzierung müssen sie sich alle stellen.

Seit sechs Jahren kämpft der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. in Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Musikschulen Brandenburg e.V. für den Erhalt der brandenburgischen Kirchen. Mit der Konzertreihe "Musikschulen öffnen Kirchen" haben die Verantwortlichen eine Verbindung zwischen Talentförderung, Denkmalschutz und Kulturpflege geschaffen, die jungen Musikern die Gelegenheit für Auftritte gibt und gleichzeitig ihre Gemeinden unterstützt. Am kommenden Sonntag, dem 15. April, ist im Rahmen von "Musikschulen öffnen Kirchen" die Junge Philharmonie Brandenburg unter Leitung Aurélien Bello zum ersten Mal in Potsdam in der Erlöserkirche zu erleben.

Das Konzept scheint ganz einfach: Junge Musiker der regionalen Musikschulen spielen Konzerte in den Kirchen. Die Erlöse kommen dann vollständig den Restaurationsprojekten zugute. Doch hinter diesem einfachen Grundprinzip steckt ein gewaltiger Berg organisatorischer Arbeit, um diese Konzertreihe überhaupt durchführen zu können. Von der Größenordnung hätte sich kaum einer der Mitwirkenden 2007, als "Musikschulen öffnen Kirchen" zum ersten Mal stattfand, eine Vorstellung machen können. Damals fing man gerade einmal mit elf Konzerten an. 2600 Besucher und ein Erlös von 6500 Euro erschienen allen damals als großer Erfolg. Als im vergangenen Jahr mit 40 Konzerten und 4100 Besuchern ein Erlös von 15 880 Euro erzielt wurde, überstieg das die kühnsten Träume der Organisatoren.

"Natürlich geht es um die finanzielle Unterstützung für die Kirchen, doch wollen wir mit unserem Projekt auch die Kirchen wieder zu kulturellen Mittelpunkten ihrer Gemeinden machen", sagt Projektleiterin Katja Bobsin vom Landesverband der Musikschulen Brandenburg. Der religiöse Aspekt der Kirche spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Vor allem für junge Menschen sollen die Kirchen durch das familienfreundliche Rahmenprogramm mit Führungen, Orgelvorführungen und etlichen weiteren Veranstaltungen als kulturelle Orte wieder interessanter werden. Was Sanierungsbedürftigkeit bei manchen der alten Gotteshäuser bedeutet, mussten nicht nur die Einwohner des Dorfes Ahlsdorf im August 2009 erfahren, sondern auch die Veranstalter von "Musikschulen öffnen Kirchen". Das Dach des Altarraumes war nur wenige Tage vor dem geplanten Benefizkonzert der Kreismusikschule "Gebrüder Graun" eingestürzt. Kurzerhand wurde das Konzert in unmittelbare Nähe verlegt und der Erlös kam der Notsicherung der 300 Jahre alten Kirche zu.

In diesem Jahr sollen 50 Benefizkonzerte in ganz Brandenburg stattfinden. "Die Initiative muss von den Landkreisen selbst kommen, wir bieten nur die Möglichkeit sich dafür zu bewerben, doch meist landen schon vor der Ankündigung die ersten Bewerbungen auf meinem Tisch", erklärt Bobsin. So sind einige Gemeinden schon seit Jahren fester Bestandteil dieser Konzertreihe. Die Organisation und Durchführung ihrer Konzerte bleibt den Verantwortlichen der Kirche und der Musikschulen gemeinsam überlassen. So kommt ein buntes Programm zustande, das von klassischen Werken der Chor- und Kammermusik, über Big Bands, Rock- und Popgruppen bis zum Musiktheater alle Geschmäcker zufriedenstellen soll. Unter den jungen Musikern der Kammerorchester und Kammerchöre finden sich auch einige Preisträger des Wettbewerbs "Jugend musiziert".

Nach dem ersten Eröffnungskonzert in der Wunderblutkirche in Bad Wilsnack am Samstag spielt die Junge Philharmonie Brandenburg am Sonntag in der Erlöserkirche. Unter dem Titel "Russische Meisterwerke" wird neben Modest Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" auch Peter Tschaikowskys Sinfonie Nr. 4 zu hören sein. Bis zum 4. November können weitere Konzerte in allen Teilen Brandenburgs besucht werden. "Da bleibt nur zu hoffen, dass das Wetter mitspielt", sagt Katja Bobsin lächelnd. Denn schon häufiger ist es vorgekommen, dass die Kirchen überfüllt waren und einige Zuhörer nur von draußen der Musik lauschen konnten. Schaut man sich die Entwicklung der letzten Jahre an, so ist auch in diesem Jahr mit einem solchen Publikumsandrang zu rechnen. Dann doch bitte aber nicht im Regen.

Konzert am Sonntag, dem 15. April, 17 Uhr in der Erlöserkirche in der Nansenstraße 6. Der Eintritt kostet 8 Euro

Potsdamer Neueste Nachrichten vom 12. April 2012

   Zur Artikelübersicht