Kirchenmalerei vor Restaurierung

Bild in Hähnichen gibt Einblick in die Lebenswelt der Menschen vor 600 Jahren

HÄHNICHEN Von außen ist die um 1708/1709 in ihrer jetzigen Form errichtete Kirche von Hähnichen ein ganz gewöhnliches Gotteshaus. In ihrem Inneren jedoch birgt sie einige außergewöhnliche Schätze. Dazu zählt unter anderem eine auf Ende des 14., Anfang des 15. Jahrhunderts datierte Wandmalerei. In teils kräftigen, teils schon fast verblichenen Rottönen zeigt sie unter anderem gitterartige Strukturen, die an Halbbögen enden.

 
 
Die Hähnichener Kirche ist von außen ein stattliches, aber nicht ungewöhnliches Gotteshaus.
Foto: Uwe Menschner/ume1

Was die uralte Malerei darstellt, konnte bis heute noch nicht restlos geklärt werden. Pfarrer Hans-Christian Doeh ring bevorzugt eine Erklärung, die in den Gittern Fischernetze sieht. "Vor Jahrzehnten sollen im unteren Teil der Malerei noch Fische erkennbar gewesen sein, von denen man heute allerdings nichts mehr sieht", erklärt er. Diese Deutung wäre in doppelter Hinsicht sinnvoll: Einerseits, da bekannt ist, dass es in der Gegend um Hähnichen bereits in früheren Jahrhunderten zahlreiche Fischteiche gab und die Malerei daher einfach eine Abbildung des Alltags darstellte. Andererseits aber auch in Hinblick auf´ die Mahnung Jesu an seine Jünger, "Menschenfischer" zu werden was der Abbildung sogar noch eine religiöse Bedeutung verleihen würde.

Fakt jedoch ist: Das Wandgemälde ist in die Jahre gekommen. "Der Putz, auf dem es aufgemalt wurde, bröckelt ab", so der Hähnichener Pfarrer. Eine Restaurierung tut dringend Not und soll nach dem Willen Hans-Christian Doehrings auch in nächster Zeit erfolgen. "Ich habe am vergangenen Wochenende acht Restauratoren angeschrieben mit der Bitte, sich unsere Wandmalerei anzuschauen und Vorschläge für den Erhalt, aber auch Angaben zu den erforderlichen Kosten zu machen", berichtet er.

Noch keine Entscheidung ist zu der Frage gefallen, ob die Linien in ihrem gegenwärtigen Zustand konserviert oder ob sie nachgezogen und damit wieder deutlicher sichtbar werden sollen. Spuren von Hammerschlägen am unteren Rand des Bildes deuten darauf hin, dass schon einmal damit begonnen wurde, den Putz abzuschlagen. Pfarrer Hans-Christian Doehring möchte die Malerei unbedingt erhalten, denn "sie ermöglicht uns einen Einblick in die Welt unserer Vorfahren, die vor etwa 600 Jahren in und um Hähnichen lebten."

Einen Zeitplan gibt es allerdings noch nicht. "Das hängt davon ab, was es kostet und wann wir das Geld dafür haben. Schließlich muss es außerhalb des laufenden Betriebes aufgebracht werden."

Davon abgesehen, lastet auf der Hähnichener Kirche derzeit kein größerer Sanierungsbedarf. So wurde beispielsweise der Pausewein-Altar eine von nur drei überlieferten Arbeiten des Bildhauers Theodor Pausewein in der Region zwischen 1988 und 1993 grundlegend saniert.

Als besonders wertvoll gelten außerdem die Orgel, die älteste Glocke von 1482 sowie die inner- und außerhalb der Kirche angeordneten Grabmale, denen sogar das Kulturhistorische Museum Görlitz eine eigene Dokumentation widmete.

Uwe Menschner

Lausitzer Rundschau vom 26. April 2012

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