Ein Engel kehrt zurück

von Oliver Spitza

Am 17. Juni wird die sanierte Malchower Kirche vom Bischof wieder geweiht, eine schier unglaubliche Geschichte findet dann ihren glücklichen Abschluss.

 
Nach über 50 Jahren kehrte gestern der Malchower Taufengel in sein heimatliches Gotteshaus zurück.
Foto: Oliver Spitza

Malchow (os)

Engel können fliegen. Aber nicht, wenn man aus Holz und 35 Kilogramm schwer und zudem 300 Jahre alt ist. Da benötigt man schon die Hilfe der "Engelbrigade", wie Pfarrer Thomas Dietz seine fleißigen Helfer lobte. Und man benötigt ein dickes Seil und Gegengewichte damit der Engel nicht nur schwebt, sondern auch seine Aufgaben erfüllen kann. Denn zur Taufe soll er Richtung Taufbecken herab gelassen werden, in den Händen die Schale mit dem Wasser.

"Schließlich soll das kein Museum werden, sondern eine lebendige Kirche", sagte Pfarrer Dietz. Am 17. Juni um 10 Uhr wird die Malchower Kirche vom Bischof Dr. Markus Dröge wieder geweiht, dann findet eine ganz erstaunliche "Auferstehungsgeschichte" ihren feierlichen Abschluss. Denn eigentlich war der frühgotische Backsteinbau vor über einem halben Jahrhundert auf- und dem Zerfall preisgegeben worden, 1958 hatte hier der letzte Gottesdienst stattgefunden. Vandalismus und Leerstand sorgten danach für ruinöse Zustände und noch vor wenigen Jahren glaubte kaum noch jemand daran, dass in Malchow je wieder kirchliches Leben einziehen würde. Der barocke Taufengel landete Anfanger der 1960er Jahre auf dem Dachboden des Pfarrhauses Blindow und fristete ein kümmerliches Dasein, Feuchtigkeit und Holzwürmer machten ihm zu schaffen, große Risse zeugen von diesen Jahren.

Als dann Malchow und Göritz dem Pfarrsprengel Schönfeld zugeschlagen wurden, fand der Engel im Göritzer Kirchturm eine neue Heimat. In der Kirchenruine wurde 2008 der Malchower Kirchenpreis ausgelobt und das Gotteshaus damit wieder in die öffentliche Wahrnehmung gerückt. 2009 begann die Sanierung. Und der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, der 2009 die Aktion "Menschen helfen Engeln" ins Leben gerufen hat, nahm in diesem Jahr auch den Malchower Taufengel in sein Sanierungs- und Spendenprogramm auf. "Geld ist schon da, aber es reicht noch nicht, wir müssen uns gedulden", sagte Pfarrer Dietz. Deshalb schwebt seit gestern der noch unsanierte Engel wieder an seinem ursprünglichen Platz.

Am Sonntag, dem 5. August, beim Familiengottesdienst zum Schulanfang, wird es erstmals seit über 50 Jahren wieder eine Taufe in Malchow geben und der Engel zum Einsatz kommen. Der Vater des Täuflings wird am 17. Juni die silberne Taufschale in die Kirche tragen. So schließt sich der Kreis.

Nordkurier vom 07. Juni 2012

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