Wunder von Malchow gemeinsam errungen

Von unserem Redaktionsmitglied Oliver Spitza

Bischof Dr. Markus Dröge feiert mit über 500 Gästen die Wiedereinweihung des Gotteshauses an der B 109.

Aus der Ruine ist ein echtes Kleinod geworden.

 
Bischof Dr. Markus Dröge (rechts) segnete die neuen Altargeräte und weihte die Malchower Kirche wieder ein.
FOTOS: Oliver Spitza
 
Nach Jahren des Leerstands und Vandalismus erstrahlt die Kirche im neuen Glanz.Traute-Rose Schrem aus Lützelsachsen trug die Bibel in die Malchower Kirche.

Malchow. Der 83-jährigen Elli Walter standen Freudentränen in den Augen. In der Malchower Kirche war sie getauft worden, hier hatte sie am 26.November 1955 geheiratet. Dann musste sie mit ansehen, wie die Kirche aufgegeben wurde, langsam zerfiel. In der Nachwendezeit gab es sogar Überlegungen, die Ruine abzureißen. Doch nun erstrahlt die mittelalterliche kleine Feldsteinkirche an der B 109 wieder im neuen Glanz. "Ich hätte nicht geglaubt, dass ich das noch erleben würde", sagt Elli Walter, der am Sonntag eine besondere Aufgabe und Ehre zuteil wurde: Sie trug einen der beiden neuen Altarleuchter in die Kirche.

Die Leuchter und das Kreuz wurden von Dorothee Stodt und Sigrun Flohr gestiftet, die Altarbibel ist ein Geschenk der Partnergemeinde aus dem badischen Lützelsachsen, die Vorsitzende des dortigen Gemeindekirchenrates, Traute-Rose Schrem, brachte sie in die Kirche. Die Altardecke wurde von Maja Kulakowa aus der lettischen Partnergemeinde Livani angefertigt. "Durch das Engagement vieler Menschen, durch Liebe zu diesem Ort und zu der Kirche können wir heute ein großes Fest feiern", sagte Dr. Markus Dröge, seit November 2009 Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, in seiner Predigt vor über 500 Gästen im großen Festzelt. "Die Freude ist spürbar. Und dazu liegt eine erwartungsvolle Spannung in der Luft. Die Dorfkirche von Malchow, gleich hier gegenüber, wartet schon darauf, dass wir hineingehen, sie wieder in den Dienst zum Lobe Gottes nehmen. Was für ein schöner Tag! Ein Festtag", so der Bischof, der dann nach dem Festgottesdienst mit der ganzen Gemeinde zum sanierten, aber noch verschlossenen Gotteshaus zog.

Das Glockenläuten verhallte langsam, die Schönfelder Bläser spielten auf, Gerd Kohli als Bauauschussvorsitzender überreichte den Schlüssel an den Bischof, der diesen wiederum an Irmtraud Peick, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, weiterreichte. Sie schloss die Tür auf, Bischof Dr. Markus Dröge und Pfarrer Thomas Dietz betraten als erste das Gotteshaus. Es folgten Elli Walter und Felix Lehnhardt-Kleptow (22) mit den Leuchtern, Dorothee Stoldt mit dem Kreuz, Julia Brennenstuhl (18) und Antje Tietschert (17) mit der Osterkerze, Traute-Rose Schrem mit der Bibel und Danilo Hering mit der Taufschale. Dann der Gemeindekirchenrat und der Vorstand der Carl-Büchsel-Stiftung der Kirchgemeinden des Pfarrsprengels Schönfeld.

Die Taufschale künftig wieder in den Händen des barocken Taufengels wird schon bald zum Einsatz kommen, denn die zweijährige Tochter Alina von Anett Kister und Danilo Hering aus Malchow wird am 5. August in der Kirche getauft werden.

Dicht an dicht drängte sich die Festgemeinde in der vom Bischof wieder eingeweihten Kirche, kräftiger, gemeinsamer Lobgesang füllte den Raum. "Hier ist etwas Wunderbares entstanden. Etwas Sichtbares, Erkennbares. Aber auch eine Gemeinschaft, die sich aus der Begeisterung für diese Kirche gebildet hat. Nicht zuletzt: Eine musikalische Gemeinschaft, die über die Grenzen dieser Region und des Landes hinausreicht", freute sich der Bischof. Und er ist sich sicher: "An dieser Kirche wird etwas vom Wehen des Geistes Gottes spürbar und davon, dass Glaube, Hoffnung und Liebe tatsächlich die Welt bewegen können. Ein einladender, spiritueller Ort ist entstanden."

Die glückliche Sanierung der Kirche war der erste Schritt, der zweite folgt in den nächsten Monaten. Denn im Juni 2013 soll hier nicht nur die 5. Auflage des Musikwettbewerbs stattfinden, sondern auch der Labyrinthpark eingeweiht werden.

Kontakt zum Autor: o.spitza@uckermarkkurier.de

Nordkurier vom 19. Juni 2012

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