80 000 Euro für Kunower Kirche

Kunow (MOZ) Die Bürger des kleinen Kunow zeigen, was der Kampf für ihre Dorfkirche bringen kann: Erst wurde sie von der Kiba-Stiftung zur "Kirche des Monats" gewählt und bekam für die Sanierung 30 000 Euro. Jetzt gibt es noch einmal 80 000 Euro vom Bund.

 
Kam mit dickem Scheck: Bundestagsabgeordneter Jens Koeppen (CDU, 2.v.r.) übergab den 80 000-Euro-Fördermittelbescheid gestern Nachmittag an Rosemarie Weißmüller (r.) und Bärbel Rindt (3. v. r.) vom Kunower Dorfverein.
© Stefan Csevi

Der hübsche Turm aus Fachwerk und Holz der großen Kunower Feldsteinkirche ist weithin sichtbar. Aufwendige Deckenmalereien fallen im Inneren ins Auge und natürlich der überlebensgroße Taufengel, der in seinem türkisen Gewand von der Decke schwebt. Allerdings gibt es schon größere Schäden durch das undichte Dach und der hübsche Turm steht schief.

Am Dienstagnachmittag übergab Jens Koeppen, CDU-Bundestagsabgeordneter für die Uckermark, die Förderzusage des Bundes in Höhe von 80 000 Euro an den Freundeskreis zur Sanierung der Kunower Kirche und den Gemeindekirchenrat.

Die Mittel stammen aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm III des Bundes, das vor wenigen Tagen auf Vorschlag des Kulturstaatsministers Bernd Neumann beschlossen wurde und in dem mit 28,5 Millionen Euro dringend erforderliche Restaurierungsmaßnahmen an 192 bedeutsamen Kulturdenkmälern in ganz Deutschland erfolgen sollen. "Der Dorfverein hatte mich eingeladen und mir die Kirche und die Schäden gezeigt", erzählt Jens Koeppen. "Daraufhin habe ich mich mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann zusammengesetzt und mich für die Kirche engagiert. Diese wunderbaren Malereien müssen geschützt werden." Zudem sei die Kirche nicht nur ein sakraler Bau, sondern auch ein Ort der vielfältig kulturell genutzt wird, zum Beispiel für Konzerte.

Rosemarie Weißmüller vom Kunower Dorfverein ist begeistert: "Wir sind hocherfreut. Jahrelang haben wir Anträge geschrieben. Dass es jetzt endlich Früchte trägt, freut uns sehr", sagt sie. Es sei ein enormer Aufwand, sich um Gelder für die Sanierung der Kirche zu kümmern. "Man muss ja erst einmal herausfinden, wer etwas geben kann. Und dann ist wichtig, eine bestimmte Bekanntheit zu erlangen. Denn der Bund kann ja auch nicht jede Kirche in ganz Deutschland unterstützen." Um ihre Kirche bekannt zu machen, organisierten die Kunower Bürger zum "Tag des offenen Denkmals" musikalische Lesungen, stellten eine Broschüre zur Dorfkirche her und sammelten bei etlichen Kuchenbasaren Geld für die Sanierung.

Die 80 000 Euro zahlt der Bund aber nur, wenn die gleiche Summe aus Eigenmitteln, das heißt durch Spenden und Geld der evangelischen Kirche zusammenkommt. Allein für die komplette Reparatur des Daches werden 240 000 Euro benötigt, sagt Rosemarie Weißmüller. Für die ganze Kirche sind sogar 820 000 Euro veranschlagt.

"Natürlich kann man mit 80 000 Euro nicht die ganze Kirche sanieren, aber es ist ein Anfang", sagt der Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen. "Für mich ist das bürgerliche Engagement vor Ort wichtig. An diesem Beispiel sieht man, was es bringt, wenn sich Leute vor Ort für etwas wirklich einsetzen. Das müssen noch nicht einmal viele Leute sein. Das kann manchmal Berge versetzen."

"Die Kirche ist in einem bedenklichen Zustand", sagt Rosemarie Weißmüller. Mit dem Geld soll zuerst einmal das Dach über dem Chor saniert werden. Noch müssen ein paar Unterlagen zusammengetragen werden. Aber sie hofft, dass man noch in diesem Jahr mit den Arbeiten beginnen kann. "Damit es vor dem Winter dicht ist." Das Dach über dem Altarraum muss dann in einem weiteren Bauabschnitt saniert werden. Und natürlich später dann auch einmal der Turm. "Wir wollen ja kein Wahrzeichen haben wie den "schiefen Turm von Kunow'", lacht sie.

Märkische Oderzeitung vom 20. Juni 2012

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