Kunstschätze unter Ölfarbe

Fredersdorf (MOZ) In Kürze kehrt der spätmittelalterliche Flügelaltar in die Fredersdorfer St. Marienkirche zurück. Ein Jahr befand er sich in einer Restaurierungswerkstatt in Falkensee.Restaurator Thoralf Herschel beschreibt den Gegenstand so: "Das Altarretabel aus der Dorfkirche in Fredersdorf besteht aus drei Hauptbestandteilen: einem Flügelaltar mit drei Schnitzfiguren im Mittelschrein und bemalten Seitenflügeln aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, darüber ein Aufsatz mit Beschlagwerk und Puttenköpfen aus der Zeit um 1600 und darüber als oberer Abschluss ein spätgotisches Kruzifix."

Über die Herkunft des Altars gibt es keine Nachrichten, jedoch vermutet der Berliner Kunsthistoriker Dr. Knüvener den hanseatischen Kulturkreis. In einem kunstwissenschaftlichen Gutachten sieht er Ähnlichkeiten der künstlerisch hochrangigen Skulptur der Anna Selbdritt im Mittelschrein mit dem bedeutenden Hochaltar der Prenzlauer Marienkirche, einer Lübecker Arbeit.

Als sicher darf gelten, dass er nicht für Fredersdorf geschaffen wurde, sondern nach der völligen Zerstörung der Kirche im Dreißigjährigen Krieg und dem späteren Wiederaufbau hierhergelangte, vielleicht aus einer Prenzlauer Hospitalkapelle. Dafür sprechen Heiligendarstellungen auf den beiden Flügeln, vor allem St. Antonius.

Als 1877 die Kirche eine Orgel erhielt, wurde das gesamte Inventar einschließlich des Altars und der Seitenflügel mit brauner Ölfarbe überstrichen. Zusätzlich übermalte der Kirchendiener Mitte der 20er-Jahre die Plastiken mit Goldbronze. So wurde der Fredersdorfer Flügelaltar lange als unbedeutend angesehen und fand keine weitere Beachtung.

In den Jahren 1978 bis 1997 befanden sich die Seitenflügel in einer kirchlichen Restaurierungswerkstatt, die bedeutende Malereien freilegte, aber die Flügel nach langen Bitten unfertig zurückführte. Im vergangenen Jahr wurde über den Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg angeregt, etwas für den in seiner Substanz bedrohten Altar zu tun.

Im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam fand von September 2011 bis Anfang Januar 2012 die Ausstellung "Märkische Kunst - Bilderwelt des Mittelalters" statt, auf der u. a. der Flügelaltar aus Fredersdorf als Beispiel besonderer künstlerischer Qualität aus der Uckermark gezeigt werden konnte. Im Vorfeld besichtigten Fachleute den Altar in Fredersdorf und sagten einige Mittel für den Erhalt zu: das Landesdenkmalamt, der Förderkreis Alte Kirchen und das evangelische Konsistorium. Weitere Mittel - auch aus Fredersdorf selbst - kamen dazu. Der gesamte Altar wurde konserviert, die Seitenflügel mit ihrem interessanten Bildprogramm konnten vollständig restauriert werden. Etwa 20000 Euro wurden dafür aufgewendet. In der Ausstellung in Potsdam fand der Altar dann einige Beachtung. Kunsthistoriker aus dem In- und Ausland äußerten sich zu den Darstellungen.

Nunmehr kehrt das kostbare Stück an seinen alten Platz zurück. Jedoch soll eine vollständige Restaurierung nicht in weite Ferne rücken. Inzwischen konnte ein Spezialist Alter und Herkunft des Holzes feststellen: Mittelfinnland um 1470. Einen Schwerpunkt künftiger Arbeiten würden holztechnische Arbeiten bilden. Der Restaurator schreibt dazu: "Nach der Restaurierung der bemalten gotischen Flügel ist es denkbar, durch Abnahme von Übermalungen und Restaurierung der gotischen Fassung auf dem Mittelschrein den gotischen Hauptteil des Altars wieder einheitlich zu präsentieren. Aufgrund der Befunde und zur Wahrung eines geschlossenen Gesamteindrucks sollten Predella, Aufsatz und Kruzifix dazu in der Fassung des späten 19. Jahrhunderts verbleiben."

Der Restaurator hat nach Farbproben die ursprüngliche gotische Bemalung des Mittelschreins ermittelt und in einem Bild simuliert. Die Kosten für den wünschenswerten Abschluss der Arbeiten belaufen sich auf nicht ganz 20 000 Euro.

Spender, die das Vorhaben unterstützen möchten, können dies unter der Codierung "Fredersdorfer Altar" über den Förderkreis Alte Kirchen tun. Die Konto-Nummer des Förderkreises lautet: 5199767005, BLZ 100 900 00, Berliner Volksbank.

Märkische Oderzeitung vom 15. Juli 2012

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