Restauratoren machen die Empore in der Niebendorfer Kirche wieder schön und haltbar

Grüner Kranz für den Taufengel

NIEBENDORF Auf diese Besucher hat der Taufengel in der Niebendorfer Kirche schon lange gewartet. Die Berliner Restauratoren Dörte Busch und Dirk Jacobus hatten ihm seinerzeit versprochen, beim nächsten Mal etwas Besonderes mitzubringen: Einen neuen Kranz, in dessen Mitte bei jeder Taufe das Taufbecken ruht.

 
Dörte Busch und Dirk Jacob beim Restaurieren der Niebendorfer Kirchenempore.
Foto: Uwe Klemens/uks1

Glücklich nahm der Engel nun den in leuchtendem Grün gehaltenen Kranz in Empfang. Interessiert verfolgte er von seinem Stammplatz unter der bunt bemalten Holzdecke die weiteren Arbeiten der beiden Restauratoren.

Das galt diesmal der hölzernen Empore, wo Dörte Busch und ihr Kollege auf einen alten Bekannten stießen: Den Holzwurm. Dass dieser in Wirklichkeit kein Wurm, sondern ein Käfer ist, wissen Restauratoren natürlich.

An der Schädlichkeit der Anobien (Nagekäfer) für Orgelemporen, Taufengel und Kanzelsäulen besteht sowieso kein Zweifel. Auch im Fall der Niebendorfer Empore haben der Holzwurm und seine Sippschaft ganze Arbeit geleistet. Selbst das geflügelte Wort "Loch an Loch und hält doch" stimmt hier schon lange nicht mehr. Dort, wo sich einst zahlreiche, geschnitzte Weinlaubblätter um hölzerne, verdreht gedrechselte Säulen rankten, herrscht inzwischen gähnende Leere. Nur kleine Löcher zwischen den wurmzerfressenen Säulen künden von der einstigen Pracht. "Rund drei Viertel der insgesamt 17 Säulen sind zerstört oder zumindest stark geschädigt", sagt Dirk Jacob.

Die Schädigung hat nicht nur fatale Auswirkungen auf die Optik, sondern auch auf die Statik, wie Jacob erläutert. Zwei völlig zerstörte Säulen werden nun in einer Dresdener Spezialfirma komplett neu gebaut. Die übrigen haben die Restauratoren teilweise ausgebaut und in ihre Berliner Werkstatt abtransportiert. Mit Pipette, Injektionsnadel und Kunstharztinktur stabilisieren die Restauratoren nun das restliche Holz, das hinterher natürlich auch noch farblich gefasst wird.

Nicht schlecht staunen werden die Gottesdienstbesucher, wenn sie das nächste Mal die Kirche betreten. Denn auch das vertraute Ultramarinblau, mit dem einzelne Schmuckelemente auffällig bemalt waren, ist inzwischen verschwunden. Wie die Restauratoren feststellen konnten, entsprach diese Fassung nicht dem Original. "Erst im 19. Jahrhundert", so Jacob, "wurde die Empore, dem damaligen Zeitgeschmack gemäß, teilweise in Ultramarin übermalt, möglicherweise auch, um bereits erste Schäden zu überdecken". Doch die ursprüngliche Hauptfarbe der Empore war grau, einzelne Elemente in Weiß und Gold abgesetzt.

Zwei Wochen haben Dörte Busch und Dirk Jacob in der Niebendorfer Kirche gearbeitet. Teilweise sogar unter Vollschutz, denn auch hier wurde das zu DDR-Zeiten gerne verwendete Holzschutzmittel "Hylotox" verwendet, das nicht nur dem Holzkäfer, sondern auch dem Menschen an den Kragen geht. Besonders, wenn an den Holzteilen gearbeitet wird und die Schadstoffe in die Raumluft gelangen.

Im Herbst, wenn die nachgefertigten Säulen aus Dresden da sind, werden die Restauratoren wiederkommen und die Arbeiten an der Empore zu Ende bringen.

Die nächste Etappe bei der Restaurierung des Kircheninneren gilt vermutlich dem Patronatsgestühl. Von ursprünglich zwei solcherart Herrschaftslogen ist heute nur noch eine vorhanden. Ganz respektlos hat sich auch hier der Holzkäfer bedient - irgendwie beruhigend: Nicht nur vor Gott, sondern auch vor dem Nagekäfer sind eben alle gleich!

Uwe Klemens

Lausitzer Rundschau vom 09. August 2012

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