Schritt für Schritt zu alter Schönheit

Wandmalerei in Neuhausener Kirche freigelegt / Kanzel restauriert / Orgel-Doppelkonzert am Freitag

NEUHAUSEN - Sehenswerte Fortschritte bei der weiteren Restaurierung von kunsthistorischen Kostbarkeiten in der Kirche des Berger Ortsteils Neuhausen kann der Förderverein Schloss Neuhausen vorweisen. Wer am kommenden Freitag das Orgel-Doppelkonzert in Neuhausen sowie Berge besucht und rechtzeitig vor 18 Uhr im Neuhausener Gotteshaus erscheint, kann sich davon überzeugen.

Eine bedeutsame augenscheinliche Veränderung gibt es innen an der Westwand. Im Zuge der Kirchensanierung im Jahre 2009 wurden dort unter späterem Anstrich verborgene Reste einer Wandmalerei entdeckt. Es handelt sich um einen dreiteiligen Bilderzyklus. Es wird vermutet, dass die mittelalterliche Malerei aus der Entstehungszeit der Backsteinkirche stammt. Die wird auf die Zeit um das Jahr 1430 geschätzt.

Da vor drei Jahren noch das Geld für eine sofortige Restaurierung fehlte, wurden die gefundenen Farbreste zunächst abgedeckt. Zudem war die hintere Kirchenwand noch feucht. Damit sie gut austrocknen konnte, erlaubte die Denkmalbehörde ausnahmsweise für das Westgiebeldach eine Dachrinne.

Wie Richard-Albrecht Küsell, Schatzmeister des Fördervereins Schloss Neuhausen, berichtet, bewilligte das Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft nun Geld aus dem Programm für "Integrierte Ländliche Entwicklung" (ILE) für die Rettung des Wandgemäldes.

Anfang August begannen Ulrike Tahl und Judith Seider von der Restauratorengemeinschaft Jochen Hochsieder aus Rheinsberg mit der Freilegung. Was sie fanden, ist nur sehr fragmentarisch: Erkennbar sind nicht deutbare Reste von Figuren und architektonischen Elementen, ein Weihkreuz in der Mitte und Rankwerk in der Sockelzone. Die Fragmente wurden freigelegt, Löcher und Risse gekittet. Um die Malerei herum wurde der Hintergrund dort retuschiert, wo Neuputz oder rohe Ziegel zu sehen waren.

Betroffen von der Restaurierung ist nur die Malerei im unteren Wandbereich unter der etwa im 16. Jahrhundert gebauten Empore. Der obere Bildteil wurde ohnehin teilweise bei Wanddurchbrüchen für den Emporenzugang von außen zerstört. Wie nun weiter verfahren wird, soll demnächst ein Vororttermin mit Denkmalbehörden von Land und Kreis ergeben.

Stolz sind Kirchengemeinde und Förderverein, so Küsell, dass in der vergangenen Woche die vierwöchige Restaurierung eines weiteren wertvollen Kleinods abgeschlossen werden konnte: Die Sparkasse Prignitz ermöglichte es durch eine Spende, die wahrscheinlich im 16. Jahrhundert geschaffene Kanzel in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Vier Wochen lang war Restaurator Oliver Helle aus Rhinow tätig. Er stellte zunächst fest, welche Farbgebung Kanzel und hölzerne Reliefs vor späteren Übermalungen hatten. Jetzt leuchten die Wappen der Familien von Rohr und von Maltzan sowie der biblischen Gestalten neu in ursprünglicher Farbfassung.

"Es gibt noch eine dritte Baustelle in diesem Jahr", sagt Küsell und schreitet nach draußen vor den Westgiebel. Dort befindet sich die Gruft derer von Winterfeld (auch Winterfeldt geschrieben). Im Zeitraum 1716 bis 1823 fanden dort elf Familienmitglieder ihre letzte Ruhestätte. Ab 1712 waren die von Winterfeld(t) alleinige Besitzer von Neuhausen. Vereinsmitglieder begannen bereits, das Umfeld zu beräumen, das neu gestaltet werden soll. Untersucht werden muss nun, wie das alte Gemäuer von "Neuzeitanbauten" befreit werden kann, und welche Geheimnisse die Grabplatte birgt. Auch für die Arbeiten an der Gruft wurde ILE-Geld bewilligt, die Familie von Winterfeld(t) gibt 5000 Euro dazu.

Die Spenden der Besucher des "Wander-Orgelkonzerts" am Freitag in Neuhausen und Berge sollen dazu beitragen. dieses und weitere Vorhaben des Fördervereins finanzieren zu können. (Von Ulrich Fischer)

Märkische Allgemeine vom 28. August 2012

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