Rippen in Grün und Blau

In der Klosterkirche beginnen jetzt die fünfjährigen Sanierungsarbeiten

KLOSTER ZINNA - Vergangene Woche konnten Besucher noch einmal auf das nördliche Neben- und Querschiff der Kirche schauen. Hinter blickdichten, kirchenhohen weißgrauen Planen verschwindet dieser Teil der Klosterkirche nun für eine Weile. In dem alten Zisterziensergemäuer beginnt in diesen Tagen die erste Bauphase der fünfjährigen umfangreichen Restaurationsarbeiten.

Eine Woche lang rüstete eine Berliner Fachfirma die Kirche ein. Mit den 15 Metern Arbeitshöhe haben die Mitarbeiter schon Erfahrung, sie haben bereits die Gedächtniskirche in Berlin eingerüstet.

In schwindelerregender Höhe montierten sie bis unter das Kreuzgewölbe an der Kirchendecke die Arbeitsplattformen und Geländer. In den kommenden Wochen arbeitet dann auf einer der höchsten Baustellen der Umgebung der Berliner Architekt Jan Rauer mit seinem Team, der die Kirche bereits in seiner Doktorarbeit ausführlich behandelte. Zentimeter für Zentimeter klopfen er und seine Mitarbeiter dann Wände und Decken ab, erkunden, wo der Putz erneuert werden müsste, messen die Quadratmeter aus und legen die konkreten Arbeitsschritte fest. Rauer begleitet das Großprojekt Sanierung der Klosterkirche bereits seit vielen Jahren. "In einem deutschlandweiten Wettbewerb suchten wir schon 2004 nach Ideen für eine künstlerische Neugestaltung des Kircheninnenraums", erinnert er sich. Damals ging es um die Vorplanung der Möglichkeiten in diesem Gotteshaus, falls es einmal zu einer Sanierung kommen würde. "Dass es aber so schnell mit der Finanzierung klappt, war eine große Überraschung und Freude", sagen er und Pfarrer Bernhard Gutsche.

Der Mammutanteil der Baukosten wird aus verschiedenen Fördertöpfen bezahlt. Im Mai 2012 wurde die Kirche von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz als "Kulturerbe von nationaler Bedeutung" anerkannt, was die finanziellen Zuschüsse ermöglichte. Insgesamt 280 000 Euro sind für den ersten Bauabschnitt veranschlagt, vier weitere sollen folgen. "Das bedeutet jedoch auch, dass wir uns enorm umorganisieren müssen", sagte Gutsche. Die Kirche sei stets beliebter Veranstaltungsort für Hochzeiten und Konzerte, wie die Kloster-Zinna-Sommermusiken. "An manchen Tagen und Wochen müssen wir sicherlich auf andere Kirchen ausweichen", sagte er. In der Kirche wird vor allem an der Ausmalung des Kreuzgewölbes gearbeitet. "Die derzeitige Ausmalung im Altarbereich geht auf das Jahr 1870 zurück und ist aus Leimfarben, das war ursprünglich nur als Provisorium gedacht. Schon damals wollte man der Kirche eine harmonische Ausgestaltung geben, um die Gestaltungen aller Epochen miteinander zu verbinden", sagte Jan Rauer. Eine Wiederherstellung der mittelalterlichen Fassung ist nicht gewollt. "So funktioniert moderner Denkmalschutz nicht, denn um die mittelalterliche Version wiederherzustellen, müssten wir viel zu viel Substanz und Errungenschaften aus den anderen Epochen, die nach dem Mittelalter kamen, zerstören", sagte der Fachmann. Diese Zeugnisse sollen jedoch ebenfalls erhalten bleiben. "Daher waren wir bemüht, eine künstlerische Neugestaltung umzusetzen, die einfach alle Epochen harmonisch miteinander verbindet", sagte er. Daher ist geplant, die Farbtöne aus der Chorbemalung, insbesondere das Grün und Blau, aufzugreifen, um damit die Kreuzrippen des Hauptschiffes zu gestalten.

Einen Eindruck von der künftigen Optik können Besucher schon jetzt in einer Ausstellung von Computersimulationen in der Klosterkirche erhalten, sie bleibt vorerst weiter geöffnet. (Von Kathrin Burghardt)

Märkische Allgemeine vom 29. August 2012

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