Auf der Suche nach der Mitte

Von: Uli Schulte-Döinghaus

 
Noch liegt Schnee über dem Labyrinth im kommenden Sommer soll es eröffnet werden.
Foto: Evangelisches Pfarramt Schönfeld

Pfarrer Thomas Dietz kennt sich neuerdings mit verrätselten Anlagen aus Steinen, Mauern, Gewächsen und Hecken sehr gut aus. Dieser Tage kann er dabei zusehen, wie rund um die Kirche im uckermärkischen Malchow ein Labyrinthpark entsteht.

Auf gut einem Hektar, etwas ausgedehnter als ein Fußballplatz, arbeiten Bauarbeiter an acht kleinen und großen Formationen aus Sandbelag, Feld-, Pflaster- und Klinkersteinen sowie aus Holzstreben, an denen Buschwerk hochwuchern und somit später den Besuchern den Durchblick rauben soll.

Ein Sternlabyrinth ist bereits im Boden der prächtig restaurierten Malchower Kirche eingelassen. Jetzt sind auch draußen schon die Konturen eines Labyrinths auszumachen, durch das Besucher später einst tippeln werden, um zum Mittelpunkt zu gelangen. Zwischendurch werden sie die Mitte scheinbar aus dem Blick verlieren, aber schließlich doch ins Zentrum finden.

Holz, Stein und Efeu

Die im Bau befindliche konzentrische Anordnung von Steinen, Lavendelbüschen und Pfaden ist dem Labyrinth von Chartres, südöstlich von Paris, nachempfunden. Es befindet sich in der berühmten Kathedrale und gilt als eines der größten und schönsten seiner Art weltweit.

In Malchow entsteht darüber hinaus durch einen Rundweg mit dem kreisförmigen Labyrinth verbunden eine verwirrende, sechsseitige Plantage aus Holzstangen. An dem Gestänge wird bald Efeu wuchern. Diese Konstruktion soll nach einem dänischen Vorbild einen grünen Irrgarten abgeben. Zudem soll es weitere kleine Gartenanlagen zum Spielen, Toben, Knobeln und Tüfteln geben. Auch der Speicher, der zu einem alten Gutshof im historischen Ortskern von Malchow gehört, wird in das System aus Labyrinthen und Irrgärten einbezogen und zu Spielräumen mit einem kleinen Auschank und Imbissangebot umgebaut. Der gesamte Park, von seiner Konzeption her einmalig in Deutschland, sei ideal geeignet für Kindergärten, Schulen und Einrichtungen der freien Jugendhilfe, werben uckermärkische Tourismusmanager.

Verbindung von Spiel und der Suche nach Gott

Labyrinthe in und vor Kirchen verweisen auf eine christliche Glaubenssymbolik, auf eine göttliche Geometrie aus Kreisen, Zahlen und Pfaden, zwischen denen sich der Mensch auf die Suche nach der göttlichen Mitte begibt und selbst dann nicht davon ablässt, wenn ihn zwischendurch Ratlosigkeit und Verwirrung übermannt.

"Diese Verbindung von spielerischer Freude und dem Nachdenken über das Leben, die Mitte und die Suche nach Gott hat unseren Gemeindekirchenrat von Anfang an überzeugt und auch für den Labyrinthpark in Malchow begeistert", sagt Dietz.

Auch die anderen Gemeinden des Sprengels Schönfeld, zu dem Malchow gehört, sind zusammen mit Freunden und Förderern beherzt und mutig am "Projekt Labyrinthpark" beteiligt und tragen damit zugleich zur Belebung des Dorfkerns von Malchow bei. Die feierliche Einweihung ist für den 9. Juni im Rahmen der diesjährigen brandenburgischen Landesgartenschau geplant. Bis dahin müssen allerdings noch rund 100000 Euro aufgebracht werden. Dazu soll unter anderem der Verkauf von 1151 nummerierten Steinen des Malchower Chartres-Labyrinthes beitragen. Ein Stein kostet mindestens 25 Euro. Die Namen der Spender werden dann auf einer Tafel am Labyrinth festgehalten.

Auf die Frage nach dem Unterschied zwischen einem Labyrinth und einem Irrgarten hat Pfarrer Dietz eine klare Antwort: "Im Labyrinth führen alle Wege immer irgendwie zur Mitte; der Irrgarten ist ein Netz von Wegen mit Abzweigungen, Kreuzungen, Sackgassen und Wegeschleifen und kann uns am Ende ganz schön in die Irre leiten."

Spendenkonto: Kontonummer: 30 000 13 139; BLZ 170 560 60, Sparkasse Uckermark; Kennwort "Malchow-Labyrinth"

Kontakt: Pfarrer Thomas Dietz; Telefon: (039854)546

Die Kirche vom 28. Dezember 2012

   Zur Artikelübersicht