Spuren früherer Jahrhunderte

Archäologische Grabungen an Kolpiens Kirche

KOLPIEN - Sie ist der steinerne Stolz Kolpiens: Die stattliche Feldsteinkirche aus dem späten 13. Jahrhundert beherbergt unter ihrer schlichten hölzernen Kassettendecke einen Altaraufsatz aus dem 18. Jahrhundert, eine barocke Kanzel und ein Renaissance-Taufbecken, geschmückt mit Wappenschilden der damaligen Patronatsherren von Löser sowie verwandter Adelsfamilien. Doch als sich armdicke Risse durch das Feldsteinmauerwerk zogen, die zunehmend breiter wurden, sahen die Kolpiener ihre Kirche und mit ihr das wertvolle Inventar akut gefährdet. Der Windzug, der durch die Risse fauchte, blies mitunter sogar die Kerzen am Weihnachtsbaum aus. Zeit also für eine grundlegende Sanierung.

Bevor die Bauarbeiter ans Werk durften, rückte Kreisarchäologe Stefan Pratsch mit seinem Grabungsteam an, um den Boden archäologisch zu untersuchen. Zwar mögen sie unscheinbar wirken, die Putzreste von alten Weihekreuzen und Glasscherben von alten Kirchen-Butzenfenstern, doch so manches, was Pratsch und sein Team dem Kirchenboden abrang, plaudert gewissermaßen aus der Historie des Gotteshauses. So zeugen uralte Polsternägel davon, dass es hier nicht nur harte Holzbänke zum Sitzen gab. Und eine rostige Stecknadel ist ein Überbleibsel jener eckig geformten Haubentracht, wie sie im 17. und 18. Jahrhundert für den Fläming typisch war.

Unter den ältesten Funden, die das Grabungsteam der Erde entlocken konnte, befinden sich Münzen aus dem 15. Jahrhundert, darunter eine sächsische Münze, ein Brandenburgischer Pfennig aus dem 18. Jahrhundert und ein Hohlpfennig aus Erfurt. Interessante Funde beförderten auch die Grabungen in der Kirche von Kolpien ans Tageslicht.

Die spätromanische Kirche von Heinsdorf liegt mitten im Dorf an einem gepflegten Dorfteich und denkmalgeschützten Park. Wenn dieses Schmuckstück auch nur noch teilweise erhalten ist, so wollten die Einwohner wenigstens den einsturzgefährdeten Turm vor dem Verfall retten und sammelten Spenden für dessen Sanierung. Weil jetzt eine Trennmauer im Kirchenschiff errichtet werden sollte, rückte Stefan Pratsch an und durchsiebte mit seinen Helfern den Boden des Sanierungsareals. Dabei stieß er auf zahllose Zeugnisse jahrhundertealter Kirchengeschichte, so auf Dielennägel, ein NSDAP-Ehrenabzeichen und außerdem altes Fensterglas, Tonscherben, einen Reichspfennig und eine Münze aus Kupferblech. Eventuell, so mutmaßt Pratsch, könne man in tieferen Erdschichten noch Zeugnisse früherer Jahrhunderte finden.

"Dass wir bei unseren Grabungen so viel finden konnten, verdanken wir den Dielen, mit denen der Kirchenboden früher verlegt war", erklärt Stefan Pratsch. Was einmal zwischen die großen Ritzen der Dielenplanken fiel, blieb dort klemmen und sickerte im Lauf der Jahrhunderte in immer tiefere Erdschichten. (Von Andrea Beck)

Märkische Allgemeine vom 13. März 2013

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