Verborgene Paretzer Kirchenschätze

Paretz (MZV) Nur ein Teil der wertvollen Paretzer Kirchenschätze kann in der täglich geöffneten denkmalgeschützten Dorfkirche besichtigt werden. Der andere Teil wird in einem gesonderten und klimatisierten Raum im Paretzer Schloss sicher verwahrt und war bisher nur an den Ostertagen für die Öffentlichkeit zugänglich. Schlossbereichsleiter Matthias Marr stellte sie am vergangenen Wochenende vor.

Schlossbereichsleiter Matthias Marr (links) stellte die Paretzer Kirchenschätze vor.
© MZV

Die Geschichte des im Jahre 1797 unter Leitung des preußischen Landbaumeisters David Gilly in seine heutige Form umgebauten Gotteshauses ließe sich bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgen, erläuterte Matthias Marr während der Kirchenführung und verwies auf die an der Rückwand des Chores 1962 und 1991 freigelegten Wandgemälde mit den darin befindlichen Weihekreuzen. Dargestellt seien die "Verkündigung Mariae", die "Geburt Christi" und vermutlich "Christus in der Mandoria mit fürbittenden Heiligen." Ein wertvolles Kleinod wäre das davor befindliche dreigeteilte Altarbild, geschaffen 1806 von den beiden jungen Berliner Künstlern Karl Wilhelm Wach und Wilhelm Schadow. Erst vor zwei Jahren kehrte das von König Friedrich Wilhelm III. 1809 erworbene und später der Paretzer Dorfkirche geschenkte Kunstwerk nach der Restaurierung an seinen ursprünglichen Platz zurück.

Eine von mehreren Schenkungen ist auch die große mittelalterliche Glasmalerei im Chorfenster mit der Darstellung des Heiligen Mauritius und der Jahreszahl 1593. Es zierte einst bis 1820 den Magdeburger Dom. Die Glasmalereien in den Seitenfenstern seien Kopien. Wegen ihres unersetzlichen Wertes gehörten diese ebenfalls aus Magdeburg stammenden Originale heute zum Domschatz in Brandenburg an der Havel, so der Schlossbereichsleiter.

Bei einem spektakulären Kunstraub im Spätherbst 1979 wurden in der Kirche vier wertvolle Gemälde und die Altar- und Wandleuchter gestohlen. Auf verschlungenen Wegen, wie es Matthias Marr nannte, kehrten in den Jahren zwischen 1993 und 2001 drei wertvolle Gemälde und ein Leuchterpaar nach Paretz zurück. Aufgespürt wurden sie unter anderem auf Auktionen und sogar durch eine Zeitungsanzeige.

Wie bereits in den Vorjahren wurden diese und weitere Kunstgegenstände zu Ostern wieder während einer speziellen Führung vorgestellt. Dazu gehört eine kleine Ikone, ein Geschenk der russischen Zarin Charlotte um 1820 an die Paretzer Kirchengemeinde, und das gestohlene und 2001 vor einer Versteigerung entdeckte Gemälde "Christus am Ölberg" von Karl Wilhelm Wach, welches von der Kirchengemeinde dann aber wieder zurückgekauft werden musste. Viel Beachtung fanden während der österlichen Führung auch die sakralen Gegenstände wie die beiden wertvollen Kelche, der älteste etwa aus den Jahren um 1600. Der eine, passend zur Ostergeschichte, ist am Fuß mit der Darstellung der Lebensgeschichte Jesu verziert und am oberen Rand ist die Kreuzigung und Auferstehung Christi gestaltet.

Die Kelche sowie die Oblatendose und der Oblattenteller werden noch heute von der Kirchengemeinde ebenso genutzt wie das Taufgeschirr, das einst im Besitz des Königspaares und mit großer Wahrscheinlichkeit Teil des Waschgeschirrs der Königin war. Ein ganz spezielles Kunstwerk ist die 1823 vom Glasmaler Heinrich Müller gefertigte Wappenscheibe mit dem Wappen des preußischen Königshauses, die einst das Fenster der kirchlichen Königsloge in der Dorfkirche zierte.

Erst Ostern 2014 wird wieder Gelegenheit sein, diese und weitere Kunstschätze in Paretz zu bewundern, denn noch ist nicht entschieden, ob sie künftig in einer Dauerausstellung im Schloss gezeigt werden können.

Märkische Oderzeitung vom 04. April 2013

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