Eine Orgel für Niederjesars Kirche

Niederjesar (MOZ) Elf Jahre nach ihrem Wiederaufbau bekommt die Kirche im Fichtenhöher Ortsteil jetzt eine Orgel. Sie stammt aus Karlsruhe. Seit Mittwoch sind der Mixdorfer Orgelbauer Mike Zuber und sein Kollege Martin Schmidt dabei, das Pfeifenwerk einzubauen. Am 15. September soll die Orgelweihe gefeiert werden.

Stimmprobe: Orgelbauer Mike Zuber aus Mixdorf (r.) und sein Kollege Martin Schmidt bauen derzeit die Pfeifen ins Gehäuse der Orgel für die Niederjesarer Kirche ein
© Johann Müller

Aller guten Dinge sind drei, sagt das Sprichwort: Im dritten Anlauf ist es Pfarrer Martin Müller und den Christen in seinem Mallnower Pfarrsprengel gelungen, eine Orgel für die Kirche in Niederjesar (Dorfkirche des Monats Februar 2008) zu finden - in Karlsruhe. Die zum Kriegsende zerstörte Niederjesarer Kirche war zwischen 1997 und 2002 wieder aufgebaut und nutzbar gemacht worden - wenn auch in Form eines gestalterischen Kompromisses. Die Niederjesarer Kirche ist das einzige voll nutzbare Gotteshaus im Sprengel. Dass dort wieder eine Orgel erklingen kann, darauf haben die Gemeindemitglieder lange hingearbeitet.

"Wir waren seit Jahren auf der Suche nach einem Instrument, das in die Kirche passt und für uns erschwinglich ist", sagt Martin Müller. Zwei Versuche waren missglückt: Die Orgel aus einer katholischen Kirche in München, für die es schon einen Kaufvertrag gab, ließ der Bischof nicht ins Brandenburgische gehen. Die Orgel aus einem Dorf an der schweizerischen Grenze schnappten andere den Mallnowern vor der Nase weg.

In Karlsruhe war Martin Müller zu Jahresbeginn endlich Erfolg beschieden: "Nach der Fusion zweier Kirchengemeinden will die neue Gemeinde dort nur noch eine Kirche nutzen", erklärt der Mallnower Pfarrer. Die Orgel aus der zweiten Kirche entsprach den Vorstellungen seiner Gemeinde: "Unsere Orgelempore in Niederjesar ist nur 5,60 Meter hoch. Und wir wollten eine rein mechanische Orgel, die in den relativ modernen Kirchenraum passt", so Müller.

Der Kauf der 5,29 Meter großen, 1973 vom Orgelbaumeister Peter Vier aus Friesenheim im Schwarzwald gebauten Karlsruher Orgel sei "durch eine großzügige Einzelspende" möglich geworden, sagt der Pfarrer nur. Der Spender möchte nicht genannt werden. Doch für den Abbau, Transport und Wiederaufbau des Instrumentes muss die Kirchengemeinde immerhin noch 10 000 Euro aufbringen.

Die Ausschreibung gewann die Mixdorfer Orgelwerkstatt von Mike Zuber. Am 15. Juli hat der Orgelbauer in Karlsruhe mit dem Abbau des Instrumentes begonnen, am 20 Juli traf der Lkw mit den Orgelteilen in Niederjesar ein. Zwei Tage später waren das Orgelgehäuse und die mechanische Spielanlage eingebaut. Helfer aus der Kirchengemeinde übernahmen es dann, dem dunkelblauen Holzgehäuse einen frischen Anstrich zu geben. Am Mittwoch sind Mike Zuber und sein Kollege Martin Schmidt nun daran gegangen, das Pfeifenwerk einzubauen.

Etwa 1000 Orgelpfeifen verschiedener Größe müssen die Orgelbauer in das Pfeifenraster auf der Windlade stellen bzw. in den Prospekt, die Schauseite des Instrumentes, einhängen. Während die meisten Pfeifen aus einer Zinn-Blei-Legierung hergestellt sind, gibt es an den Seiten des Prospektes auch Pfeifen aus Holz. Die größte der 17 wichtigsten, so genannten Prinzipalpfeifen im vorderen Pros-pekt, misst etwa 1,50 Meter.

Wenn das Pfeifenwerk gefüllt und die Tonmechanik eingebaut ist - über dünne Holzleisten, die Abstrakte, wird die Verbindung von den Tasten zu den Pfeifenventilen hergestellt - können die Orgelbauer an die Intonation des Instrumentes gehen.

"Jede Orgel muss klanglich auf den jeweiligen Kirchenraum eingestellt werden", erklärt Mike Zuber. Das flache Spanplatten-Holzdach der Niederjesarer Kirche wird ihn diesbezüglich vor eine besondere Herausforderung stellen. "So ein Dach schluckt natürlich viel von der Akustik", weiß der Experte. Hohe Gewölbedecken wirken da ganz anders.

Die Christen aus dem Mallnower Sprengel und ihre Gäste erwartet mit der 1973 erbauten Orgel in Niederjesar "eine ganz besondere Klangstimmung", kündigt der Orgelbauer an. Das Instrument stamme aus einer Zeit, in der neobarocke Orgeln modern waren. Die Orgel sei zur Begleitung "aller gängigen Kirchenmusik in den Gottesdiensten" und auch für Konzerte geeignet - "aber nicht gerade für Stücke großer romantischer Meister", dämpft der Orgelbauer möglicherweise zu große Erwartungen.

Als erste wird voraussichtlich Anja Liske-Moritz, die Kreiskantorin des Kirchenkreises Oderbruch, die "neue" Orgel in Niederjesar spielen - zur Orgelweihe am 15. September. "Anschließend sollen Organisten aus unserer Region die Orgel in einem Konzert erklingen lassen", heißt es dazu im jüngsten Gemeindebrief, dem "Mallnower Boten".

Orgelbauer Mike Zuber will sich, was die Intonation und das Stimmen der Niederjesarer Orgel betrifft, mit Anja Liske-Moritz abstimmen. Doch bis es soweit ist, das gesamte "Innenleben" des Instrumentes sich an Ort und Stelle befindet, werden noch fast zwei Wochen vergehen.

Märkische Oderzeitung vom 21. August 2013

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