Gotteshaus älter als 400 Jahre

Nennhausen (MOZ) (ohl) Als Pfarrer Stefan Huth den Gästen der Führung durch die Nennhausener Kirche erklärte, dass es diese schon mindestens seit 1475 gibt, war das Staunen groß. Hieß es doch zuvor, dass die Kirche ein Neubau aus dem Jahre 1613 ist - demnach glatt 400 Jahre alt ist. Das führt man auf die am Ostgiebel eingravierte Jahreszahl zurück. Sie markiert allerdings nur den Zeitpunkt des Neu- bzw. Umbaus. Dass Teile des Gotteshauses weit älter sind, verrät zum Beispiel gestampfter Lehmboden. Auch Hobbychronist Frank Doerfling zeigte sich beeindruckt und meinte, von der Jahreszahl 1475 zum ersten Mal gehört zu haben. Pfarrer Huth holte indes noch weiter aus und erklärte, dass in Aufzeichnungen Nennhausen schon im Jahr 1375 als Dorf mit Pfarrstelle genannt werde. Daraus ließe sich schlussfolgern, dass die Kirche womöglich noch älter ist.

Christiane Wand vom Tourismusverein Westhavelland lässt sich ein Bild vom Einbau der Stahlglocke zeigen, das Frank Dörfling in seinem Geschichtsordner hat.
© Jürgen Ohlwein

Ein besonderer Blickfang ist das wertvolle Epitaph (Wandbild) aus der Werkstatt des Magdeburger Bildhauers Christoph Dehne. Es wurde im Auftrag der Söhne des 1612 gestorbenen Georg von Lochow geschaffen. Die Söhne waren Domherren in Magdeburg, Halberstadt und Brandenburg. Das Epitaph besteht aus feinstem Alabaster und grauem Marmor. Die Wappen der adligen Patrone der Kirche sind rechts und links an der dreiseitigen Empore zu sehen: von Lochow, von Briest, von Rochow, von Jaeckel, von Bredow und der letzte Patron, Graf von Westerholt/Geysenberg.

In der Mitte der Empore aus dem 18. Jahrhundert befindet sich eine Orgel. An der Nordwand der Kirche sind vier große Grabplatten zu finden. Besonders interessiert zeigten sich die Gäste auch an der achteckigen Taufschale aus Zinn aus dem Jahre 1646. Weiterhin ziert ein Kavalleriedegen und stilisiertes Schild von Baron Friedrich Heinrich Carl de la Motte Fouqué die Kirchenwand.

Im Inneren des Turms befinden sich zwei Glocken, eine aus Bronze, die andere aus Stahl. Eigentlich gehören dort zwei Bronzeglocken hin. Die Zweite wurde aber während des ersten Weltkriegs eingeschmolzen. Im Jahre 1930 gab es den stählernen Ersatz. Frank Dörfling holte plötzlich einen Ordner mit seiner Dorfchronik hervor und zeigte ein altes Foto vom Einbau der Stahlglocke.

Das Kuriosum der Kirche konnten die Teilnehmer der Kirchenführung, zu der der Tourismusverein Westhavelland eingeladen hatte, nicht sehen. Im Keller gibt es eine Mumie. Wie Pfarrer Huth erklärte, sei die Gruft zur Zeit nicht begehbar. Ein Experte müsste zunächst den Zustand der Gruft beurteilen. Schließlich sei die Luft an solchen Orten nicht selten alles andere als ungefährlich.

Die-Mark-Online vom 22. August 2013

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