200 Gotteshäuser in Brandenburg noch sanierungsbedürftig

Kunst in den Kirchen verkommt

Viele Schätze in Brandenburgs Gotteshäusern - Taufengel, Altäre und Orgeln - drohen verloren zu gehen. Seit der Wende wurden zwar 470 Dorfkirchen saniert, vor allem mit EU-Mitteln. Doch zum Erhalt der Schätze im Innern fehlt oft das Geld. Darauf weist der Förderverein Alte Kirche Berlin-Brandenburg hin, der kürzlich mit dem höchsten Denkmalpflegepreis ausgezeichnet wurde.

Taufengel in der Fischerkirche in Ferch (Potsdam-Mittelmark).
Quelle: Stephan Laude

Potsdam. In vielen Dorfkirchen Brandenburgs drohen religiöse Kunstwerke wie Altäre und Taufengel verloren zu gehen. Davor warnen unisono die Landesregierung und der Förderverein Alte Kirchen Berlin-Brandenburg. Es seien erhebliche Anstrengungen nötig, um kirchliche Kunstwerke zu bewahren und zu erhalten, schreibt das Kulturministerium in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage.

Seit 1990 wurden den Angaben zufolge zwar rund 470 Sanierungsprojekte an Dorfkirchen umgesetzt und mit rund 44 Millionen Euro vor allem von der EU unterstützt. Doch der Geschäftsführer des Fördervereins Alte Kirchen, Bernd Janowski, warnt: "Es geht nicht nur um die Gebäude, es geht auch um den Inhalt." Auch der große Orgelbestand in Brandenburg sei gefährdet.

Etwa 1600 Dorfkirchen gibt es im Land, meist evangelische. Auf der Landesdenkmalliste stehen davon fast 1480. Zur Wende herrschte noch ein riesiger Sanierungsstau. "In der Regel war seit Anfang des 20. Jahrhunderts nicht viel passiert", sagt Janowski. Die beiden Weltkriege, die Zeit des NS-Regimes, die DDR-Jahrzehnte - lange Zeit war den kleinen Dorfkirchen kaum Aufmerksamkeit geschenkt worden. 1990 änderte sich das, der Sanierungsstau konnte mittlerweile weitgehend beendet werden.

Janowski, der mit dem Förderverein mehr als 300 lokale Initiativen bündelt, kümmert sich daher nun auch um die Kunstwerke. Zusammen mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) laufen Aktionen, um Taufengel & Co. zu retten. Vom Land wünscht sich Janowski die Einrichtung eines Fonds oder einer Stiftung zur Denkmalpflege.

Es gehe aber nicht nur ums Geld, betont er, sondern auch darum, angesichts der schrumpfenden Bevölkerung in vielen Regionen Strategien für die Zukunft der Gotteshäuser zu finden. Dazu müssten Staat, Kirche und Gesellschaft sich verständigen. "Es gibt Dorfkirchen, wo kaum noch Gemeinden vorhanden sind." Viele Kirchengebäude stehen bereits für andere Nutzungen neben der kirchlichen offen. So gibt es nach Angaben des Sprechers der EKBO, Volker Jastrzembski, etwa Herbergen für Pilger. Beim jährlichen Dorfkirchensommer locken zudem Konzerte oder Lesungen. Dutzende Kirchen werden sich bei der geplanten Bundesgartenschau 2015 im Havelland auch dem Tourismus öffnen.

Kurz: Der Bedarf, die Gebäude zu erhalten, sei da. "Bedarf heißt aber nicht, dass da sonntäglich ein Gottesdienst stattfindet", erklärte Jastrzembski. Oftmals gebe es nur acht- bis zehnmal im Jahr welche, die dafür dann aber gut besucht seien.

Baulich seien aktuell nur noch weniger als 200 Kirchen in Brandenburg gefährdet, sagte der Sprecher. Das sei mit Blick auf die 1990er-Jahre, wo es noch 800 waren, eine Erfolgsgeschichte. Für die erfahrene Unterstützung ist Jastrzembski dankbar, wünscht sich aber weiter Hilfe für Gebäude und Kunstwerke. "Die Sanierung können wir als Kirche nicht alleine stemmen." dpa

Märkische Allgemeine vom 24. August 2013

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