Heiligabend findet in Baruther St.-Sebastian-Kirche der Gottesdienst statt

"Man wusste gar nicht mehr, wie schön die Kirche von innen ist"

1977 wurde St.-Sebastian-Kirche in Baruth das letzte Mal saniert. Jetzt wurde das Gotteshaus wieder generalüberholt. Inzwischen ist der Altar in St. Sebastian wieder zu sehen. An Heiligabend wird dort um 17 Uhr der Weihnachtsgotesdienst gefeiert.

Nach fast zehn Jahren stehen die Bänke wieder in der Kirche.
Quelle: Hartmut F. Reck

"Jetzt steht sie wieder da in ihrer alten Pracht", sagt Matthias Reckers und blickt gedankenverloren in das Kirchenschiff von St. Sebastian in Baruth. "Man wusste gar nicht mehr, wie schön die Kirche von innen ist", sagt er, obwohl der Architekt seit langem mit ihr auch beruflich befasst ist.

Fast zehn Jahre lang stand der Kirchenraum leer. Alle Kirchenbänke mussten 2004 weggeräumt und ausgelagert werden, damit das Fundament unterfangen werden konnte, denn der Kirchenbau drohte abzusacken. Damals gab es eine Notbestuhlung für Gottesdienste und Konzerte. Jetzt stehen die alten Kirchenbänke wieder da. Jede einzelne Bank ist wieder aufgetaucht, keine ging in der langen Zeit verloren, freuen sich Reckers und Marcel Hahn, der als Bauingenieur in Reckers’ Architektenbüro arbeitet. Hahn hat die Sanierung des Innenraums mit seinem Chef maßgeblich geplant, begleitet und überwacht.

Die Gerüste sind vor einiger Zeit wieder abgebaut worden. Sie standen an den Innenwänden der Kirche. Von ihnen aus wurden die Risse in denWänden und Bögen repariert und nach restauratorischen Befunden malermäßig überarbeitet.

Jetzt ist auch wieder der hohe Altar zu sehen. Auch er war in den vergangenen zwei Wochen eingerüstet. Das Restauratoren-Ehepaar Christl Janacek-Kerschel und Thoralf Kerschel aus Falkensee war angereist, um den Altar zu reinigen. Sie fanden eine hohe Belastung an Holzschutzmitteln und giftigen Stäuben vor. Die stammten offensichtlich noch von der letzten Kirchensanierung 1977. "Zu DDR-Zeiten wurde mit Holzschutzmitteln nicht gespart", sagt dazu Architekt Reckers. Auch die Kirchenbänke und sämtliche Holzelemente in der Kirche wurden regelrecht entgiftet.

Während der Reinigung wurde manches lockere Holzteil befestigt. Außerdem mussten einzelne Retuschen vorgenommen werden. Insgesamt sei der Altar in einem sehr guten Zustand gewesen, sagen die beiden Restauratoren.

Das große Altarbild zeigt unten das letzte Abendmahl, in der Mitte die Kreuzigung Jesu und oben die Auferstehung. Links ist ein Porträt des Altarstifters Johann Georg Reichsgraf zu Solms-Baruth und rechts von seiner Frau Eleonora, geborene Prinzessin von Anhalt-Dessau, zu sehen. Dies weiß man dank einer Inschrift auf der Altar-Rückseite. Von daher ist auch bekannt, dass die Gemälde von Michael Scharbe aus Lübben stammen und der Altar aus dem Jahr 1679 von Abraham Jäger stammt. "Das war eine bekannte Tischlerwerkstatt aus Finsterwalde und Doberlug", weiß Thoralf Kerschel, der mit seiner Frau schon zwei andere Altäre dieses Meisters restauriert hat.

Am anderen Ende des Kirchenschiffs steht die Schuke-Orgel. Sie soll im Frühjahr, wenn es die Witterung zulässt, instandgesetzt werden. "Wir hatten einige Minderausgaben, sodass wir die Orgel auch machen können", sagt Reckers. Im Sommer hieß es noch, dass das Geld dafür nicht reiche.

Aber was ist eine Kirche ohne Musik? Und wenn die Orgel noch nicht ertönen kann, müssen das eben Posaunen erledigten. So wird am Sonntag um 14 Uhr Pfarrer Andreas Hemmerling aus Sperenberg, der auch die Vakanzvertretung für die Pfarrstelle in Baruth ausübt, mit seinem Posaunenchor in der Kirche auftreten.

Auch wenn noch der letzte Schliff fehlt, kann Heiligabend – wie versprochen – der Weihnachtsgottesdienst um 17 Uhr in St. Sebastian stattfinden. Die Rest arbeiten folgen nächstes Jahr. Was der Baruther Kirchengemeinde jetzt noch fehlt, ist "nur" ein neuer Pfarrer.

Von Hartmut F. Reck

Märkische Allgemeine vom 20. Dezember 2013

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