100 Jahre altes Instrument in Baruth wird restauriert

Kirchenorgel ausgebeult

Das ist der Schlusspunkt und das I-Tüpfelchen zugleich: Nach jahrelanger Restaurierung der Baruther Sankt-Sebastian-Kirche von den Grundpfeilern bis zur Kirchturmspitze wird nun auch noch kurz vor der Wieder-Eröffnung des Gotteshauses dessen Schuke-Orgel restauriert.

Die Schuke-Orgel erklingt am 6. April zur Wiedereröffnung der Sebastiankirche.
Quelle: Hartmut F. Reck
 
Hartmut Rönnecke am neu beleuchteten Spieltisch der Orgel.
Quelle: Hartmut F. Reck

Baruth. Seit sechs Wochen arbeiten Hartmut Rönnecke und Rolf Pietrusky von der Firma Alexander Schuke Potsdam Orgelbau an dem riesigen Klangkörper. Das Instrument wurde 1909 bei der vorletzten großen Kirchensanierung eingebaut. Sie hatte damals eine Orgel aus dem Jahr 1820 ersetzt und wurde von Alexander Schuke geschaffen, dem Großvater des heutigen Firmeninhabers.

In den Unterlagen des Firmenarchivs ist man fündig geworden. Demnach hatte vor 105 Jahren die damalige Fürstin zu Solms-Baruth den Organisten der Potsdamer Garnisonkirche kommen lassen. Dieser sollte ein Gutachten über den Zustand der alten Orgel erstellen mit dem Ziel, dass sie dringend ersetzt werden muss. Und so geschah es. "Wahrscheinlich war die alte Orgel noch gar nicht in einem so schlechten Zustand", vermutet Orgelbauer Hartmut Rönnecke.

Nun war aber die Nachfolger-Orgel dran. Ersetzt werden musste sie zwar nicht, aber eine gründliche Überarbeitung ist bei ihr fällig. Vor allem galt es, sie zu dekontaminieren. Denn bei der letzten großen Kirchensanierung 1977 ist man sehr großzügig mit Holzschutzmitteln umgegangen. "Das Holz war mit DDT und Lindan verseucht", berichtet Rönnecke. Deshalb musste man zunächst alle Holzteile mit Hilfe eines Vakuumwaschverfahrens reinigen. Dabei traten an dem Gehäuse, das nach Ansicht der Orgelbauer älter als 200 Jahre ist, historische Ornamentmalereien zu Tage.

Auch die etwa 1850 Pfeifen mussten ausgebaut, gereinigt und bei Bedarf repariert werden. "Die Schäden haben sich im Rahmen gehalten", berichtet Rolf Pietrusky, "nur hier und dort gab es eine Beule, die beseitigt werden musste." Am wenigsten Arbeit machten die sieben stummen Pfeifen. Sie stehen nur zu Dekorationszwecken da, um eine optische Symmetrie an der Orgelfront zu erreichen.

Vor Überraschungen war man aber auch bei dieser Sanierungsmaßnahme nicht gefeit. So entdeckten die Orgelrestauratoren beim Ausbau des Pfeifenwerks Schimmelbefall an den Ventilen. Die technische Anlage wurde entsprechend behandelt. Die Ursache für den Schimmel dürfte an der Einhausung liegen, die möglicherweise keine Luft an die Ventile ließ, vermuten die Orgelbauer.

Topmodern, und darüber dürften sich die Organisten freuen, ist die neue LED-Beleuchtung am Spieltisch, sodass die Noten besser gelesen werden können als unter der bisherigen Funzel.

Wiederentdeckt wurden bei den Arbeiten lamellenartige Türen, die die Lautstärke der hinteren Orgelreihen regulieren könnten. Sie sind aber irgendwann einmal ausgebaut worden. Da sie nun wieder aufgetaucht sind, könnten sie wieder eingebaut werden. Das wäre aber ein gesonderter Auftrag, für den jetzt das Geld nicht reicht.

In Baruth ist man zumindest froh darüber, dass überhaupt Geld für die Orgelsanierung vorhanden war. Denn das war ursprünglich gar nicht vorgesehen, "aber wir haben so gut gehaushaltet", sagt Architekt Matthias Reckers, "dass am Ende noch etwas für die Orgel übrig blieb".

Bis spätestens Ende nächster Woche wollen die Orgelbauer ihren Auftrag abgearbeitet haben. Dann kann die Orgel in alter Klarheit und neuer Sauberkeit wieder erklingen. Dies wird erstmals am Sonntag, dem 6. April, geschehen. Dann feiert nämlich die Kirchengemeinde Baruth um 10.30 Uhr mit einem Festgottesdienst die Wiedereröffnung der Kirche nach der Grundsanierung.

Von Hartmut F. Reck

Märkische Allgemeine vom 20. März 2014

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