Nur das Läuten ist strengstens verboten

Judith Melzer-Voigt

Kleinzerlang (MZV) Direkt hinter der Kleinzerlanger Kirche gibt es seit dem Wochenende einen neuen Anlaufpunkt für Touristen und Kulturinteressierte: Ehrenamtler und Spendensammler haben dort den Bau eines Glockenturmes vorangetrieben. Am Wochenende wurde er vorgestellt.

Verziert: Sechs Namen sind auf der Glocke eingraviert
© MZV/Melzer-Voigt

Ein kleines rotes Dach, neue Holzbalken und in der Mitte das Beste - die alte Glocke: Der Kleinzerlanger Ortsbeirat sowie der Heimat- und Kulturverein haben mit dem Glockenturm einen echten Hingucker geschaffen. Die Glocke, die dort nun hängt, erzählt ein Stück weit die Kleinzerlanger Geschichte, denn sie stammt aus der alten Fachwerkkirche, die einst an selber Stelle stand und von der es nun nur noch die Glocke als Überbleibsel gibt. 1787 wurde das Gotteshaus gebaut, finanziert einzig durch die Kleinzerlanger. Es befand sich genau an der Stelle, an der die heutige Kirche im Dorf steht, sah aber ganz anders aus. Die Wände bestanden aus Lehm, der Westgiebel samt Turm war mit Brettern verschalt und das Dach mit Ziegeln bedeckt - das war die einzige Parallele zu jetzigen Zeit.

Die kleine gußeiserne Glocke, die den Alltag der Einwohner viele Jahre lang begleitete, wurde am 20. April 1787 geweiht. Auf ihr wurden die Namen der sechs Bauern und Ehrenmänner aus dem Dorf verewigt: Lehnschultz Johann Christian Krüger, Bauer Johann Krogmann, Gerichtsschöppe Friedrich Krugler, Bauer Johannes Blanck, Gerichtsschöppe Johann Christian Jung und Bauer Friedrich Wilhelm Jung.

Weil sie in schlechtem Zustand war, wurde die alte Kirche 1892/93 abgerissen. Ein neues Gotteshaus wurde am 27. September 1896 geweiht. Damit gab es auch ein neues Geläut in Kleinzerlang. Die alte Glock verschwand aus dem Bewusstsein der Einwohner, bis ein Zufall sie wieder ans Licht brachte.

Ortsvorsteherin Ilona Schenk erfuhr 2002, dass es in der Kirche eine Glocke gibt, die der damalige Pfarrer einem Interessierten überlassen wollte. Schenk schaute sich diesen Fund, der jahrelang in der Kirche gelagert hatte, einmal genauer an - und entdeckte die Bedeutung, die er für Kleinzerlang hat. Davon, die Glocke jemand anderen zu übergeben, war von da an keine Rede mehr. 2003 gründete sich der Heimat- und Kulturverein, der sich zusammen mit anderen Freiwilligen damit befasst hat, wie das Läutwerk einen schönen Platz im Dorf erhalten könnte.

Im Laufe der Jahre sammelten Ortsbeirat und Verein Spenden. Es dauerte ein paar Jahre, bis die benötigte Summe zusammengetragen war. 2 000 Euro standen am Ende der Bemühungen auf der Spendenliste. Dazu kamen 3 300 Euro aus Mitteln der Kurtaxe. "Und natürlich die vielen Stunden, die die Ehrenamtler geleistet haben", so Ilona Schenk. Denn gebaut wurde der Glockenturm - bis auf kleine Ausnahmen - in Eigenleistung. Anfang 2013 wurde das Fundament gelegt, bis vor zirka zwei Wochen liefen die Arbeiten.

Als die Kleinzerlanger und ihre Gäste den fertigen Turm am Wochenende präsentiert haben, brachte Ilona Schenk die Glocke ein einziges und letztes Mal zum Klingen. Das Läutwerk ist nicht in dem Zustand, dass das möglich wäre. Der Klöppel wurde daher auch entfernt.

Mit dem Glockenturm hat der Heimat- und Kulturverein eines seiner wichtigsten Projekte beendet. Dadurch haben die Vereinsmitglieder nicht weniger Arbeit: Sie planen derzeit ihren Part beim Pälitzseefest.

Märkische Oderzeitung vom 02. Juni 2014

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