Schmuck vergangener Jahrhunderte

Siegmar Trenkler

Meseberg (MOZ) Eine kleine Sensation hat sich Jahrhunderte lang unter dem Putz in der Meseberger Dorfkirche versteckt und ist nun durch die derzeit laufende Sanierung zu Tage getreten. Als im Kirchenraum Putz von der Decke fiel, wurden bislang unbekannte Malereien freigelegt.

Malereien wurden bei Sanierung in der Meseberger Kirche entdeckt, © MZV

Worum konkret es sich bei dem Fund handelt, steht laut Pfarrer Tobias Ziemann nicht hundertprozentig fest. Es könnte sich um Ornamentik oder Schrift handeln, die unterhalb des Stuckbandes verläuft. "Es ist entweder der erste oder der zweite Anstrich der Kirche nach der Erbauung", vermutet Ziemann. Damit wäre das gefundene Bild mehr als 500 Jahre alt. Denn erbaut wurde das Gotteshaus um 1500. Obwohl der Pfarrer über den Fund höchst erfreut ist, werden vermutlich nur wenige Menschen die freigelegte Kunst vor Ort anschauen können. "Wenn die Fundstellen in Bauchhöhe wären, würden wir einfach Plexiglas darübermachen. Aber in sechs Metern Höhe ist von unten einfach nicht mehr viel zu sehen", bedauert der Pfarrer.

Daher werden die freigelegten, etwa 30 Zentimeter hohen Fragmente vermutlich demnächst vorsichtig wieder mit Putz versiegelt. Nicht allerdings, ohne zuvor sehr genau dokumentiert zu werden. Der Teil wird durch eine professionelle Restauratorin übernommen, die die Bauarbeiten an dem Meseberger Gotteshaus begleitet.

Für Ziemann ist der Blick in die Geschichte der Kirche äußerst faszinierend. "Sie wurde mehrere Male umgestaltet. Einen großen Umbau gab es um 1744, der Turm kam dann gegen 1892 dazu", berichtet er. Diese komplette Bauhistorie lässt sich derzeit am Putz sehr einfach nachvollziehen. "Es ist schon beeindruckend, dass an manchen Stellen die gesamte Baugeschichte des Hauses zu sehen ist. Dort liegen teilweise vier oder fünf Schichten übereinander, zwischen denen Jahrhunderte vergangen sind."

In die laufende Sanierung der Kirche, mit der im Jahr 2013 begonnen wurde, sind insgesamt rund 800000 Euro gesteckt worden. Geplant worden war ursprünglich jedoch mit weit weniger. Allerdings waren die Dachbalken des Hauses derart stark angegriffen, dass sie aufwändig geschützt und erneuert werden mussten.

Wie Ziemann sagt, steht das Geld jedoch nur noch im Haushaltsjahr 2014 zur Verfügung. Das bedeutet, dass die Bauarbeiten zum Ende des Jahres abgeschlossen sein müssen. "Wir hoffen, die Kirche im kommenden Frühjahr wieder nutzbar zu haben", sagt Ziemann. Bis dahin kehren auch die anderen Schmuckstücke des Gotteshaus an ihren angestammten Platz zurück. Dazu zählt neben der Hollenbachorgel, die derzeit in Neuruppin gelagert wird, auch das den Nachfahren der Familie Ludwig von Groeben gehörende 3 mal 5,5 Meter große Bild eines Cranach-Schülers, das in Berlin restauriert worden ist. Die Sanierung wurde unter anderem finanziert durch Mittel aus dem Förderprogramm für "Integrierte ländliche Entwicklung" (ILE) sowie von Geldern der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Märkische Oderzeitung vom 13. Juni 2014

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