Alle Pfeifen an der Orgel in der Kirche St. Marien funktionieren wieder

Professioneller Klang in Brieselang

In den vergangenen Wochen hat Orgelbauer Harry Sander aus Eberswalde der Orgel in der Brieselanger Kirche St. Marien wieder einen professionellen Klang verliehen. Die Kirchengemeinde hatte im Vorfeld rund 17.000 Euro aufbringen müssen, um die Restauration zu bezahlen.

Ludwig (rechts), Orgelbausachverständiger im Erzbistum Berlin, war von der "Orgelreparatur", wie es Orgelbauer Harry Sander (links) nannte, begeistert.
Quelle: Peter-Paul Weiler

Brieselang. Das Fazit der Orgelsachverständigen Martin Ludwig am Donnerstag war kurz: „großartig“. Mehr als 20 Minuten hatte der Berliner die restaurierte Orgel in der katholischen Kirche St. Marien in Brieselang begutachtet, geprüft und gespielt. Dann sprach er dem Kirchenvorstand, vertreten durch Detlef Heuts, die Empfehlung aus, die Reparaturen an dem Instrument anzuerkennen. „Es ist ein großer Moment für die Kirchengemeinde, diese schöne Orgel wieder voll funktionstüchtig zu sehen und zu hören“, sagte Pfarrer Franklin Zea.

In den vergangenen vier Wochen waren Orgelbauer Harry Sander aus Eberswalde und ein Mitarbeiter damit befasst, dass Instrument mit 20 Registern und mehr als 1000 Pfeifen so zu stimmen, dass es wieder einen professionellen Klang bekommt. „Wir haben alle Pfeifen ausgebaut. Die Reinigung mit Hochdruckluft haben dann vor allem Gemeindemitglieder erledigt“, sagte Sander. Er selbst kümmerte sich im Innern des Instrumentes um die Sauberkeit. Saugen und fegen waren angesagt. Natürlich mussten auch einige Pfeifen und Teile der 1908 gebauten Orgel repariert werden.

Insgesamt hat die Kirchengemeinde (1500 Mitglieder), zu der neben Brieselang auch Dallgow-Döberitz, Paaren im Glien , Priort und Elstal gehören, rund 17.000 Euro aufgebracht, um die Restaurierung zu bezahlen. Allerdings hat es auch lange gedauert.

Vor zehn Jahren bekam die katholische Kirchengemeinde Brieselang eine Chororgel aus dem bayrischen Weltenburg geschenkt. In Eigenleistung wurde das Instrument dort ab- und in St. Marien in monatelanger Kleinarbeit wieder aufgebaut und grob gestimmt. Für die musikalische Begleitung der Gottesdienste reichte das aus. „Aber es war und ist keine Konzertorgel. Sie ist zu kräftig und zu stark für unsere kleine Kirche. Das Gotteshaus in Weltenburg, aus dem sie stammt, ist um ein Vielfaches größer“, erklärt Organist Manuel Ahrens.

Nur fehlte damals das Geld, um einen Fachmann zu holen, der das Instrument für die Brieselanger Gegebenheiten abstimmt. So entstand schließlich der Verein der Freunde von St. Marien. Der kümmerte sich um Spenden, organisierte Benefizkonzerte, Basare und Feste. Der erzielte Erlös war beachtlich. Nur hieß die erste Priorität: Ersetzen der fünf bunten Kirchenfenster. Das schaffte man im Jahre 2010.

Der Weg nach Brieselang

Der frühere Brieselanger Pfarrer Stephan Müller hatte Kontakte zum Kloster Weltenburg in Bayern.
In der mächtigen barocken Klosterkirche gab es hinter dem Hochaltar eine Chororgel. Als das Weltenburger Gotteshaus restauriert wurde, stand die Frage, was mit dem Instrument wird. Die Brieselanger meldeten ihren Bedarf für den Fall an, dass die Weltenburger eine andere Orgel anschaffen wollen.
2002 trat dieser Fall ein. An drei Wochenenden sind Brieselanger Kirchenmitglieder mit einem Lkw unterwegs gewesen. Mehr als tausend Orgelpfeifen wurden in Bayern abgebaut und im Osthavelland eingelagert.


„Die häufigen Pfarrerwechsel in den letzten Jahren hatten es um das Projekt Orgel still werden lassen“, sagt Rainer Ahrens vom Vorstand des Fördervereins. Aber dank des Engagements mehrerer Gemeinde- und Vereinsmitglieder sei es gelungen, besagte 17.000 Euro zu sammeln und die Orgelbauerfirma zu beauftragen.

Doch kurz vor der Vollendung der Arbeiten an dem Instrument kam plötzlich die Schocknachricht: Bei Elektroarbeiten einer Firma in der Kirche ist der Motor der Orgel durchgebrannt und kann nicht mehr benutzt werden. Sofort sprang Orgelbauer Harry Sander ein, stellte einen Leihmotor zur Verfügung, der allerdings nicht hundertprozentig passt. „Das Gebläse arbeitet nicht richtig, so dass ausreichend Wind fehlt“, erklärt Sander.

Etwa 1.800 Euro kostet ein neuer Motor. „Doch das Geld ist derzeit nicht da“, sagt Pfarrer Franklin Zea. Er hofft genauso wie die Fördervereinsmitglieder auf ein Wunder, besser gesagt auf einen Spender, denn am 31. August soll die Orgel in St. Marien den Rundfunkgottesdienst des Deutschlandradios/Deutschlandfunk aus der Brieselanger Kirche begleiten.

Von Jens Wegener

Märkische Allgemeine vom 18. Juli 2014

   Zur Artikelübersicht