Würdiger Standort für die Königin

Bärbel Kraemer

Bad Belzig (MZV) In den zurückliegenden Tagen waren Mitarbeiter der Potsdamer Orgelbaufirma Schuke in der Bad Belziger Stadtkirche St. Marien dabei, der alten Papeniusorgel die letzten Orgelpfeifen wieder einzubauen.

Kantor Winfried Kuntz beim fachsimpeln mit Hartmut Brönnecke, an der Orgel stehend, und Michael Zierenberg an den kleinen Orgelpfeifen.
© MZV

"Am 31. August wird unsere Königin um 16.00 Uhr im Konzert mit dem David Chor zum ersten Mal konzertant erklingen und am 14. September mit einem ganztägigen Orgel- und Museumsfest wieder in Dienst gestellt", verrät Kantor Winfried Kuntz, während er mit Hartmut Brönnecke von der Orgelbaufirma über Mixturen, Register und Chöre des Instruments fachsimpelt.

Den neuen Standort der "Königin", die gern auch liebevoll "Papenia" genannt wird, haben in den zurückliegenden Tagen und Wochen bereits viele Gemeindemitglieder und Kurstädter für gut befunden. Kuntz sagt, es sei "ein würdiger Standort" für das kostbare Instrument, welches 1746/47 vom Halberstädter Orgelbauer Johann Adolarius Papenius ursprünglich für die Kirche von Hordorf (Kreis Oschersleben) gebaut und Mitte der 1970er Jahre nach Belzig umgesetzt wurde.

Ein gewaltiger Aufwand und finanzieller Kraftakt, der mehr als 100.000 Euro verschlang, war dafür erforderlich. "Die Kirchengemeinde St. Marien/Hoher Fläming dankt sehr herzlich für die großartige Unterstützung von den Stadtwerken Bad Belzig, der ZEGG GmbH, der Alfred Flakowski Stiftung, der Jeanne d´Art Stiftung, den Ministern Baaske und Kunst, der Reissiger Gesellschaft und der Mittelbrandenburgischen Sparkasse", so der Kantor. Dann ergänzt er: "Die dankenswerte Initiative vom Reisebüro Habdank, dem Kurortkoordinator Dr. Kirchner und Uwe Hess von der Flämingrose in Borne motivierte 30 Einzelspender, die an einer Preisverlosung teilnahmen. Die von den oben angeführten Geschäftsleuten ausgelobten Preise gehen an Karina Pangsy, Birgit Kruse und Anke Hoffmeister. Herzlichen Glückwunsch!"

Dank der vielen kleinen und großen Spenden konnte der größte von drei Bauabschnitten umgesetzt und die Orgel an ihren neuen, königlichen Platz transferiert werden. "Auf dem Podest kann sie sich nun optisch und klanglich viel besser entfalten und hoffentlich eine lange Zukunft haben", fügt Kantor Winfried Kuntz zufrieden hinzu.

In den kommenden Wochen, bis zum 31. August, wird er noch häufiger am Spieltisch des alten Instruments anzutreffen sein als sonst. Schließlich muss "Papenia" auf ihren großen Auftritt am 31. August vorbereitet werden.

Im Gespräch mit Hartmut Brönnecke geriert der Kantor in der vergangenen Woche bereits ins schwärmen. Es darf also getrost davon ausgegangen werden, dass Bad Belzigs "Königin" am neuen Standort mehr als nur eine königliche Figur abgeben wird. Johann Adolarius Papenius, der zwar kein ganz großer, aber auch kein ganz kleiner Meister seines Faches war, hätte vermutlich seine helle Freude daran gehabt. Nicht zu vergessen, dass die in Belzig stehende Orgel das größte erhalten gebliebene Instrument aus seiner Hand ist.

Wenn am 14. September deutschlandweit zum Tag des offenen Denkmals geladen wird, erwartet "Papenia" abermals viele Gäste. Erstmals nimmt die Kirchengemeinde St. Marien/Hoher Fläming am "Deutschen Orgeltag" teil. Dieser wurde von der Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands aus der Taufe gehoben und findet 2014 in vierter Auflage statt. Wenn an diesem Tag überall in Deutschland Orgeln zu sehen, zu hören und zu besichtigen sind, wird auch die St. Marienkirche dabei sein. Kantor Winfried Kuntz verspricht alle im Orgelmuseum vorhandenen und spielbaren Orgeln zum klingen zu bringen und zusätzliche Führungen.

Märkische Onlinezeitung vom 26. Juli 2014

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