Fördermittel für Lychener Kirche versprochen

Martin Risken

Lychen (MZV) Zum Abschluss ihrer Reise durch die Uckermark hat die Staatsministerin für Kultur und Medien, Prof. Monika Grütters (CDU), am Donnerstag dem Vorsitzenden des Gemeindekirchenrates Lychen und CDU-Landtagsabgeordneten, Henryk Wichmann, eine besondere Freude gemacht.

Henryk Wichmann (rechts) begrüßte Kulturstaatsministerin onika Grütters zusammen mit dem Spitzenkandidaten der CDU Brandenburg, Michael Schierack, und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Jens Koeppen (links) in Lychen.
© Martin Risken

Das Bundeskanzleramt bezuschusst den Abschluss der seit mehr als zwei Jahren dauernden Restaurierung der St. Johannes-Kirche in Lychen mit weiteren 44 000 Euro, versprach die Minister, noch bevor sie Kirche betrat. Schon Grütters Vorgänger, Bernd Naumann, hatte sich gegenüber der knapp 500 Gemeindeglieder zählenden Lychener Kirchengemeinde großzügig gezeigt und 80 000 Euro bereit gestellt. Ohne diesen Zuschuss hätte die evangelische Gemeinde damals keine weiteren Fördermittel erhalten, betonte Wichmann. Dass das Geld bestens angelegt worden ist, davon überzeugte sich die Staatsministerin, selbst Kulturhistorikerin, bei einer Besichtigung der Lychener Kirche.

Der Erhalt des Gotteshauses aus dem Jahr 1263 ist Henryk Wichmann ein besonderes Anliegen. Seine Vorfahren sind seit mehr als 300 Jahren in dem Gotteshaus getauft, konfirmiert und getraut worden. Und es ist das größte und wichtigste Gebäude in seiner Heimatstadt Lychen.

Wie wichtig ihm Kirche ist, zeigt auch Pfarrer Gernot Fleischer. Obwohl er schon vor zwei Jahren standesamtlich geheiratet hatte, findet die kirchliche Trauung erst am 31. August dieses Jahres in der frisch restaurierten Kirche statt. In dem Gottesdienst wird auch Tochter Elisa getauft.Der Pfarrer hat seine Kirchengemeinde, zu der unter anderem auch Bredereiche/Zootzen und Himmelpfort zählen, zum Mitfeiern eingeladen.

Bis Ende des Jahres sollen auch die restlichen Arbeiten an dem Gotteshaus abgeschlossen sein, versprach Wichmann beim Rundgang. Um die Restaurierung zu vollenden, fehlen aber noch rund 77 000 Euro. Da kommt die Zusage aus dem Bundeskanzleramt gerade recht. Unter anderem soll die Sakristei, zurzeit noch eine Rumpelkammer, zu einem Ort der Stille hergerichtet werden. Und im Chorraum soll die Decke neu gemalert werden. "Dann ist die Gemeinde blank", so Wichmann. Dabei könnte die Gemeinde noch gut weitere 10 000 Euro gebrauchen, um diemittelalterliche Marienfigur, eine sogenannte Pietà, nach Lychen zurückzuholen. Beim Durchblättern der alten Kirchenbücher war Wichmann auf die vermutlich aus dem Jahr 1440 stammende Skulptur aufmerksam geworden. Wahrscheinlich wurde sie in einer Prenzlauer Werkstatt aus mehreren Holzstücken zusammengeschraubt.

1902 war die Pieta, die Maria als Schmerzensmutter mit dem Leichnam des vom Kreuz genommenen Jesus Christus zeigt, von der Kirchengemeinde für 30 Mark an das Märkische Museum in Berlin verkauft worden. Ausgestellt wurde sie aber nie. Sie befindet sich im Depot des Museums in Spandau, wo Wichmann sie vor wenigen Tagen besichtigen und mit weißen Handschuhen sogar berühren konnte. Das besondere an der Figur ist aber, dass sie nicht nur die Reformation überstanden, sondern auch alle Kriege und sogar den Stadtbrand von 1680. Allerdings befindet sie sich in einem bedauernswerten Zustand und müsste restauriert werden. Später soll sie als Dauerleihgabe nach Lychen zurückgeholt werden. Zuvor aber muss die Gemeinde nachweisen, dass sie optimale Bedingungen bieten kann. Über eine Zeitraum von zwei Jahren sollen nun Temperatur und Luftfeuchtigkeit in dem Gotteshaus gemessen werden. Nur wenn die Bedingungen optimal sind, ist an einer Rückkehr zu denken. Das fehlende Geld für die Restaurierung will Wichmann durch Spenden auftreiben.

Märkische Onlinezeitung vom 01. August 2014

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