200.000 Euro in neue Mechanik investiert

Orgel sorgt für Bauchkribbeln in Glienicke

Am kommenden Sonntag wir in der evangelischen Kirchengemeinde Glienicke Orgelweihe gefeiert. Die Schuke-Orgel aus dem Jahr 1932 wurde für 200.000 Euro umgebaut. Die elektrische Mechanik wurde durch ein System ersetzt, das bereits seit Jahrhunderten benutzt wird.

Kirchenmusiker Alexander Ergang entlockt dem Instrument beeindruckende Töne.
Quelle: Helge Treichel
 
Mehr als 1000 (alte und neue) Pfeifen umfasst die umgebaute Orgel.
Quelle: Helge Treichel

Glienicke/Nordbahn. Alexander Ergang greift genüsslich in die Tasten. Das Klangspektrum bis in die tiefsten Tiefen verursacht ein Kribbeln im Bauch. Die Augen des Kirchenmusikers der evangelischen Kirchengemeinde Glienicke leuchten: „Nach langen Jahren des Geld-Sammelns, Planens und Bauens ist es nun endlich geschafft: Unsere umgebaute Schuke-Orgel in unserer Kirche ist fertig und soll im Rahmen eines Festgottesdienstes am kommenden Sonntag wieder eingeweiht werden!“

Das ursprüngliche Instrument stammt aus dem Jahr 1932. Die kleinen Luftsäckchen aus Leder waren verschlissen, das elektrische Schaltrelais-System versagte mitunter spontan den Dienst. „Das konnte mitten im Spiel passieren“, sagt Ergang, der seit 17 Jahren Kirchenmusiker in Glienicke ist. Deswegen begannen bereits vor zwölf Jahren die Überlegungen zum Erneuern der Orgel. Sollte das alte System instandgesetzt werden? „Dann hätten wir nach 15 bis 20 Jahren vor dem gleichen Problem gestanden“, sagt der 37-Jährige. 2011 sei deshalb der Entschluss gefasst worden, die elektrische Mechanik durch ein System zu ersetzen, das seit Jahrhunderten benutzt wird – kombiniert mit einer per Knopfdruck abrufbaren elektronischen Vorprogrammierung für die Register. Kostenpunkt: 200.000 Euro.

Fast die Hälfte der Summe hatte in den vergangenen mehr als zehn Jahren das „Orgel-Café“ beim traditionellen Trödelmarkt am Dorfteich eingespielt. Die Kommune stellte ihrerseits 90.000 Euro für die Innensanierung der Kirche und die Orgelreparatur zur Verfügung. Die Mittelbrandenburgische Sparkasse steuerte 5000 Euro bei, ein weiterer Anteil stammt aus kirchlichen Rücklagen – und zahlreiche Spender taten das Ihrige. Am Ende genügte der Kirchengemeinde ein Kredit über 20.000 Euro, um die Orgel-Investition bestreiten zu können.

„Das Ergebnis ist eine hochmoderne Orgel mit traditioneller Bauweise“, sagt Alexander Ergang. Filigrane Holzstangen und Drähte übertragen jeden Tastendruck bis zu den Luftventilen an den Pfeifen. Nur für die Fußtasten gibt es noch elektrische Schaltrelais. Im Interesse der Mechanik rückte der Spieltisch in die Mitte der Empore. Nur über ein Kamerasystem kann der Spieler nun noch den Kirchenraum sehen. Zwei Manuale (Tastenreihen) stehen Ergang und seinen Musiker-Kollegen zur Verfügung. Das untere steuert die Pfeifen im Kirchturm an (Hauptwerk), das obere die Pfeifen im Kasten an der Emporenbrüstung. Mehr als 1000 Pfeifen ganz unterschiedlicher Bauart und aus verschiedenen Materialien gibt es. Dabei wurden die meisten der historischen Klangerzeuger wiederverwendet, einige wurden ergänzt – und ein paar fehlen auch noch, erläutert der Kirchenmusiker, als er sich durch den engen Zugang zum Spielwerk im Kirchturm zwängt. Persönlich hatte der Berliner die gesamte Baumaßnahme begleitet, sogar während seiner gegenwärtigen Elternzeit, in der er seinen elf Monate alten Sohn betreut.

Das Programm zur festlichen Orgelweihe

Festgottesdienst: Sonntag, 5. Oktober, 14 Uhr; an der Orgel: Alexander Ergang und Peter Siegele. Im Anschluss Empfang.
Orgelabend: Freitag, 10. Oktober, 19 Uhr; „Legeres“ Konzert mit Michael Bernecker, Alexander Ergang, Peter Siegele und Dorothee Ziegler.
Musikalischer Gottesdienst: Sonntag, 12. Oktober, 10 Uhr; mit dem Glienicker Kirchenchor; „Missa Brevis No.7“ von Charles Gounod.
Orgel für Liebhaber: Präsentation mit Musik und Führung, Mittwoch, 8. Oktober, 19.30 Uhr.
Orgel für Kinder & Familien: Musik und Führung, Sonnabend, 11. Oktober; 15.30 und 16.30Uhr.

Auf die Orgelweihe am kommenden Sonntag freut sich Alexander Ergang ganz besonders. Einen schöneren 38. Geburtstag kann er sich kaum vorstellen.

Von Helge Treichel

Märkische Allgemeine vom 01. Oktober 2014

   Zur Artikelübersicht